Rezension: Die Frau, die den Himmel eroberte

„Würde mich einer fragen, wer ich bin, würde ich sagen: Ich bin Käte Paulus, Luftakrobatin, Unternehmerin und Erfinderin des lebensrettenden Paketfallschirms.“ Im September 2021 ist ein weiterer Roman über das Leben der Käte Paulus erschienen. Eine mitreißende Erzählung, die tief unter die Haut geht, ist der Autorin Vanessa Giese hier gelungen.

Vanessa Giese: Die Frau, die den Himmel eroberte

Von ihrem Sterbebett aus erzählt Katharina „Käte“ Paulus von ihrem Leben – von dem Augenblick an, in dem sie 1889 erstmals dabei zusieht, wie ein Ballonfahrer in den Himmel aufsteigt und sie sofort hin und weg ist. Wie ihr der Luftschiffer Hermann Lattemann buchstäblich vor die Füße und direkt in ihr Herz fällt und sie die Freiheit des Himmels spüren lässt. Wie aus der Näherin die Luftfahrtpionierin, Erfinderin und Unternehmerin Katharina Paulus wird. In harten Zeiten mit großen Herausforderungen – vom Verlust ihrer Liebsten über den Kampf mit Wind und Wetter bei ihren Auftritten bis hin zum Ersten Weltkrieg mit all seinen Entbehrungen.

Zugegeben, als Erstes dachte ich: „Noch ein Roman über Käte Paulus?“ Doch schon mit der Leseprobe von „Die Frau, die den Himmel eroberte“ verzauberten mich die Worte der Autorin Vanessa Giese und es dauerte nur ein paar Seiten, dann war ich mittendrin in dieser Zeit des Aufbruchs und fühlte mich durch die Seiten getragen.

Vanessa Giese erzählt die Lebensgeschichte der Käte Paulus eindrucksvoll aus Sicht dieser bemerkenswerten Frau Ende der 1890er zwischen Konventionen und dem Drang nach Freiheit, weiblicher Eigenständigkeit und Anerkennung bis hin zu ihrem Lebensende in Armut. Kätes Verzweiflung, aber auch ihr Durchhaltevermögen und ihr Stolz – all das ist sehr eindrücklich und gefühlvoll beschrieben.

Mitunter neigt man dazu, solche Persönlichkeiten im Nachhinein zu idealisieren. Die Autorin ist mit ihrer Figurenentwicklung keiner solchen Idealisierung gefolgt und hat dennoch eine sympathische Figur erschaffen. Sie zeigt einen Menschen mit Ecken und Kanten, der auch Fehler macht. Ich kann mir gut vorstellen, dass Käte Paulus als Kind ihrer Zeit sehr patriotisch war. Sonst hätte sie womöglich nicht den Erfolg haben können, den sie hatte. Aber auch wenn ich nicht immer mit den Entscheidungen oder Einstellungen einverstanden war, die Vanessa Giese ihrer Figur mitgegeben hat, konnte ich sie aus der Zeit heraus durchaus nachvollziehen. Vor allem die Beschreibungen von Käte Paulus’ letzten Augenblicken, im Sterben liegend, haben mich zutiefst berührt.

„Wird es ein Fallen sein, wenn der Tod mich mitnimmt? Oder ein Aufstieg? Ich kenne beides, und wenn ich wählen dürfte, würde ich den Aufstieg wählen, das Gefühl, wenn es hinaufgeht, diese Mischung aus Anspannung und jauchzender Freude, die immer ruhiger, immer unaufgeregter wird, bis sie in einer stillen Glückseligkeit endet, wenn mich nach den Wolken der Friede des Himmels umarmt.“

Vanessa Giese in „Die Frau, die den Himmel eroberte“

Mein Fazit:
Vanessa Giese hat hier nicht einfach „noch einen Roman über Käte Paulus“, sondern ein eigenständiges, einfühlsames und sehr lesenswertes Werk geschaffen, das ich gerne gelesen habe und weiterempfehlen kann.

Vanessa Giese. Die Frau, die den Himmel eroberte.
Roman. 400 Seiten. Insel Verlag. Erschienen 12. September 2021.
Gebunden: 24,00 Euro. ISBN: 978-3-458-17935-1.
E-Book: 20,99 Euro. ISBN: 9783458770596.
Hörbuch: 20,99 EUR. EAN 9783458920120.

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