Kleiner Rundflug über die alte Heimat Heidelberg mit Speyer und Bad-Dürkheim

Die Flugschule, bei der wir unseren Pilotenschein gemacht haben, organisiert alljährlich ein „Mittsommerfliegen“. Man kann bis 22 Uhr fliegen, grillen, plaudern und in Vorträgen einiges Interessantes lernen. Letztes Jahr fiel die Veranstaltung ins Wasser und auch dieses Jahr musste sie zunächst verschoben werden. Doch nun fand sie statt und wir konnten sogar noch zwei schöne Flüge über die alte Heimat machen. Nur das „Bis-22-Uhr-Fliegen“ ging natürlich jetzt nicht mehr.

Schöner Abschluss des Sommers

Nachdem wir am Freitag von Stuttgart schon einmal bis nach Frankfurt gefahren sind, um unsere Kinder vom Flughafen abzuholen (sie waren die Sommerferien über bei der Familie in Mexiko), setzen wir uns am Samstagmorgen ein weiteres Mal ins Auto, um gen Norden zu fahren – diesmal geht es allerdings „nur“ bis Worms.

Petra und Andreas Scheuermann von der ASW haben uns eingeladen, unser Flugzeugprojekt vorzustellen. Das machen wir natürlich gerne und seit unserem letzten Vortrag vor anderthalb Jahren bei der OUV-Wintertagung ist einiges passiert: Wir haben inzwischen den Motor inklusive Kühlung und allem Drum und Dran eingebaut und auch schon getestet und diesen Sommer mit dem Bau der Formen für die Tragflächen angefangen.

Außerdem haben sie gefragt, ob ich meinen Büchertisch mitbringe. Das machen wir natürlich gerne.

Kurzerhand chartern wir uns dann auch noch die MZIX, eine C42-C. Wenn man schon in Worms ist, kann man das doch gleich für einen kleinen Rundflug ausnutzen.

Erst die „Arbeit“ – es ist uns ein Vergnügen

Vortrag auf dem ASW-Sommerfest

Unser Vortrag ist gleich der zweite an diesem Vormittag. Andrés erzählt etwas über die Entstehungsgeschichte und die Herausforderungen, die die Entwicklung eines Nurflügels mit sich bringt, ich ein paar Anekdoten. Außerdem haben wir viele Bilder vom bisherigen Bau mitgebracht.

Die Mittagspause wollten wir eigentlich zum Fliegen nutzen, um anschließend den weiteren Vorträgen zu lauschen. „Fliegen im Ausland“ interessiert uns besonders. Es gibt da so einige Ziele, die es uns angetan haben. Doch wir kommen zunächst gar nicht weg, da sich so viele interessante Gespräche ergeben.

Ich kann die Buchung für die India-Xray ein wenig nach hinten verschieben und zupfe irgendwann Andrés am Ärmel. „Entschuldigt die Störung, aber wenn wir fliegen wollen, müssten wir mal los.“

Erster Flug: Worms – Speyer – Bad Dürkheim – Worms

Wir haben beschlossen, dass ich uns nach Speyer EDRY und Bad Dürkheim EDRF fliege. Das war damals einer meiner erster Überlandalleinflüge und ich hatte noch ziemliche Schwierigkeiten mit der Orientierung – so ganz allein ohne Fluglehrer auf Strecke war spannend. Diesmal muss ich kaum auf die Karte schauen, um nach Speyer und Bad Dürkheim zu finden, denn inzwischen kenne ich die Gegend. Immer den Rhein entlang über Mannheim, dann ist der Dom von Speyer schon in Sicht. Von dort sieht man auch schon den Fernmeldeturm von Bad Dürkheim und dann auch bald das Riesenrad. Die Sichten sind fantastisch.

Sowohl der Anflug auf die 16 in Speyer am Dom und Technikmuseum vorbei als auch der Anflug auf die 08 in Bad Dürkheim über die Weinberge ist immer wieder schön.

Bilder gibt es allerdings keine von meinem Flug. Dafür schieße ich umso mehr, als wir eine Stunde später wieder in der Luft sind, damit Andrés mich herumfliegen kann.

Zweiter Flug: Rundflug über Heidelberg

Wir haben viele Jahre in Heidelberg gelebt, auch unsere Kinder sind hier geboren. Andrés hat mit seiner Familie ein paar Jahre in seiner Kindheit auf dem Königstuhl gewohnt. Es ist immer wieder schön, über die Stadt zu fliegen und die bekannten Stellen aus der Luft anzusehen, die man so oft entlanggelaufen, gewandert oder geradelt ist.

Zunächst geht es jedoch Richtung Weinheim und dann die Bergstraße entlang.

Odenwald mit dem Steinbruch Weinheim aus der Luft © Maja Christ
Der Odenwald mit dem Steinbruch Weinheim
Dossenheim aus der Luft © Maja Christ
Dossenheim – ebenfalls mit seinen Steinbrüchen

Dann sehen wir schon den Modellflugplatz Heidelberg, der in den Feldern zwischen Heidelberg-Handschuhsheim und Dossenheim liegt. Hier haben wir viel Zeit verbracht, schließlich hat Andrés viele Nurflügelmodelle gebaut und sie hier getestet.

Handschuhsheimer Felder mit Modellflugplatz Heidelberg © Maja Christ
Am Modellflugplatz Heidelberg in den Handschuhsheimer Feldern haben wir viel Zeit verbracht.

Das Handschuhsheimer Zentrum sieht schön aus. Die Friedenskirche und die Tiefburg stechen mir sofort ins Auge.

Handschuhsheim aus der Luft © Maja Christ
Unsere alte Heimat Handschuhsheim

So viele Erinnerungen liegen da unten zwischen den Gassen Handschuhsheims – von unserer Wohnung, dem Krankenhaus, in dem unsere Kinder zur Welt kamen über den Park, in dem sie gespielt haben, dem Kindergarten und der Grundschule, die unser „Großer“ bis zur zweiten Klasse besucht hat, ehe wir nach Stuttgart umgezogen sind. Da könnte man kurz ein wenig wehmütig werden.

Unser Blick wendet sich ab von unserem alten Stadtteil zum Heiligenberg, der schon für die Kelten eine wichtige Rolle spielte. Wir erkennen das Kloster St. Michael und natürlich die Thingstätte, auf Mitte der 1930er eine Freilichtbühne in Form einer Handgranate erbaut wurde.

Heiligenberg Heidelberg mit Klosterruine St. Michael und Thingstätte aus der Luft © Maja Christ
Heiligenberg mit Klosterruine St. Michael und Thingstätte

Auf der anderen Seite des Neckars thront über der Altstadt das Heidelberger Schloss wie eh und je.

Heidelberger Schloss © Maja Christ
Beliebtes Touristenziel: das Heidelberger Schloss

Der zweite Hausberg Heidelbergs, der Königstuhl mit dem neuen Berghotel, der Landessternwarte und dem Max-Planck-Institut für Astronomie, ist unser nächstes Ziel.

Heidelberger Landessternwarte aus der Luft © Maja Christ
Heidelberger Landessternwarte mit MPI und Haus der Astronomie

Heidelbergs jüngster Stadtteil, die Bahnstadt, ist immer noch eine riesige Baustelle, auch wenn die ersten Bewohner schon 2012 in ihre Wohnungen und Häuschen einziehen konnten.

Heidelberger Westen mit der West- und der Bahnstadt, Neuenheim und Neuenheimer Feld aus der Luft © Maja Christ
Heidelberger Westen mit der West- und der Bahnstadt, Neuenheim und Neuenheimer Feld
Heidelberg aus der Luft © Maja Christ
Die Heidelberger Bahnstadt ist immer noch eine riesige Baustelle.
Heidelberg Neuenheim und Neckarwiesen mit der Ernst-Walz-Brücke aus der Luft © Maja Christ
Heidelberg Neuenheim und Neckarwiesen mit der Ernst-Walz-Brücke

Dann heißt es, Heidelbergs Luftraum wieder Lebewohl zu sagen und den Rückweg nach Worms anzutreten. Von der Pfalz kommt ein neues Regengebiet heran, dem wir gerne ausweichen möchten.

Mannheimer Fernmeldeturm und Teil des Luisenparks mit den "Gondolettas" © Maja Christ
Mannheimer Fernmeldeturm und Teil des Luisenparks mit den „Gondolettas“ (die kleinen Punkte auf dem See)
Neckarmündung aus der Luft © Maja Christ
Neckarmündung Mannheim

Ganz schaffen wir das mit dem Ausweichen nicht, doch wir finden ein relativ helles Stückchen, das uns verspricht, uns nur ein wenig nass zu machen.

Fliegen bei Regen © Maja Christ
Wir suchen uns einen Weg durch das Regenband.

Hossa, die India-X-Ray ist aber auch nicht mehr ganz dicht. Während Andrés auf der Pilotenseite etwas Wasser von oben abbekommt, muss ich mein Kniebrett mit der ICAO-Karte in Sicherheit bringen, weil Wassertropfen durch den Türspalt spritzen. Wir haben doch heute Morgen schon geduscht!
Nein, so schlimm ist es dann doch nicht. 😉 Aber frisch …

Solange das Band über den Wormser Flugplatz hinwegzieht, fliegen wir noch eine Weile im Trockenen in der Rheinebene, dann gehen wir in die Platzrunde. Gerade, als wir den Einflug in den Gegenanflug gemeldet haben, fragt jemand über Funk, wie wir das mit dem Anflug handhaben wollen – die MASN, die zweite Wormser C42, dreht Platzrunden und kommt von links. Wir hatten sie zunächst gar nicht gesehen und machen gerne Platz. Also verlassen wir die Platzrunde noch einmal, genauso wie der Flieger hinter uns, der sich auch gerade melden wollte.

Landeanflug EDFV © Maja Christ
Es wird Zeit zum Landen, bevor der nächste Schauer kommt.
Containerschiff auf dem Rhein © Maja Christ
Ein Containerschiff auf dem Rhein
Flugplatz Worms EDFV © Maja Christ
Wir sind wieder in Worms

Leider haben wir nach unserem verspäteten Flug nicht mehr viel Zeit – schließlich möchten wir heute auch noch etwas Zeit mit unseren Kindern verbringen, die wir einen Monat lang nicht gesehen haben. So reicht es zwar noch für ein nettes Gespräch mit Andreas, nicht jedoch für die letzten Vorträge und das abendliche Grillen.

Überraschung zum Abschluss des Tages

Die Rückfahrt wird anstrengend, denn es gibt Verkehr und dann kurz vor Stuttgart noch einen heftigen Regenschauer, der das Tempo auf der Autobahn wegen der schlechten Sicht kurzzeitig auf 40 km/h drückt.

Im Briefkasten wartet eine freudige Überraschung: Die Oktober-Ausgabe des Fliegermagazins ist schon da – samt Hinweis auf meine aktuellen Bücher. Danke, sage ich!
[Achtung, Werbung – für das Fliegermagazin und für meine Bücher]

Unsere Kinder haben den Tag gemütlich mit Auskurieren des Jetlags verbracht, Sohn 2 ist bei einem Freund und will gar nicht nach Hause kommen. Muss er aber – Montag ist schließlich wieder Schule und wir wollen noch gemeinsam grillen.

Und dann geben untergehende Sonne und Himmel noch einmal alles!

Sonnenuntergang © Maja Christ
Was für ein Himmelsspektakel
Auch wenn nicht Mittsommer ist, sondern der Herbst bereits an die Tür klopft – es war ein toller Abschluss des Sommers.

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