Inselhopping: Helgoland und Rügen

Nein, ihr habt euch nicht verlesen – wir waren zum Abschluss unseres Sommerurlaubs ein zweites Mal auf Helgoland. Diesmal mit Freunden und mit mehr Zeit. Und dann hat es spontan sogar noch für einen Abstecher nach Rügen gereicht. Was will man mehr?

Ausflug mit Freunden

Schon seit ein paar Wochen haben wir vor, Ende August/Anfang September für drei Tage einen Ausflug mit unseren Freunden Michael und Susanne gen Helgoland zu machen, nachdem wir 2018 um ziemlich genau die gleiche Jahreszeit das letzte Mal gemeinsam an der Nordsee waren. Damals hatten wir einen tollen Aufenthalt auf Föhr und hatten unseren ersten Hopser über das Meer gemacht. Auf Helgoland durften Andrés und ich damals noch nicht landen – aufgrund der 100-Stunden-Regelung. Das hat sich inzwischen geändert.

Wir haben uns frühzeitig um eine Maschine bei Günter von Easy-Bird gekümmert und auch Michael und Susanne haben eine Aquila von der Hahnweide ergattert. Ich kann bis zum Donnerstag meinen Sommerurlaub verlängern und unsere Kinder weilen weiterhin bei ihren Großeltern. Das einzige, was uns sorgt, ist das Wetter, aber wie sollte das dieses Jahr auch anders sein.

Unser Plan ist es, mehr oder weniger gemeinsam am Dienstag bis Helgoland durchzufliegen. Wenn das Wetter einen frühen Start nicht erlaubt, könnten wir auf Baltrum zwischenlanden und am Mittwoch den Hopser nach Helgoland machen. Am Donnerstagabend müssen die Flieger wieder zurück sein.

Michael schlägt kurzerhand vor, dass wir bereits am Montagabend aufbrechen und zumindest ein Stück Richtung Norden fliegen, um dem inzwischen vermehrt auftretenden Morgennebel auf der Hahnweide zu entgehen. Wir organisieren hin und her, doch am Ende sind die Wolkenuntergrenzen gegen uns. So bleibt es beim ursprünglichen Plan: Am Dienstag so früh wie möglich loskommen. Erster Treffpunkt: Leer-Papenburg.

Tag 1: Von Mosbach über Porta und Leer-Papenburg nach Helgoland

Die Wettervorhersage sieht am Dienstagmorgen weiterhin nicht besonders vielversprechend aus. Niedrige Wolkenuntergrenzen hier, Hochnebel da. Wir frühstücken erst einmal in Ruhe, checken immer wieder das Wetterradar und ich habe sogar noch Zeit, zwei Rezensionen zu veröffentlichen. Erst gegen 10 Uhr machen wir uns auf den Weg zum Flugplatz. Michael und Susanne geht es auf der Hahnweide nicht anders. Sie dürfen nicht starten, weil die Bedingungen zu schlecht scheinen und im Tagesverlauf sollen sie sogar noch schlechter werden. In Mosbach sieht es derweil gar nicht schlecht aus.

Und dann können wir tatsächlich fast zeitlich starten – wenn wir auch unterschiedliche Routen nach Leer gewählt haben: Während Andrés und ich den östlichen Weg über Porta wählen, will Michael über Bad Dürkheim und Köln fliegen.

1. Etappe: von Mosbach-Lohrbach EDGM nach Porta Westfalica EDVY

Die erste Etappe übernehme ich, während Andrés filmt. Diesmal ist die Kamera nicht auf Zeitraffer gestellt. Die Wolkenuntergrenzen sind im gelb-grünen Bereich und FIS versorgt uns auf unserem ruhigen Flug zuverlässig mit Verkehrsinformationen. Eine SMS kündigt uns an, dass Susanne und Michael bereits in Bad Dürkheim zwischengelandet sind.

Bald drücken unsere Blasen. Aber wir machen keinen Abstecher nach Höxter, wie in meinem Roman „Rosa startet gegen den Wind“, in dem es meine Hauptfigur „blasentechnisch“ nicht bis Porta schafft.

Bald passierten wir den Kassler Flughafen und ich merkte, wie meine Blase zu drücken begann. »Rosa, alles in Ordnung?«, fragte Max. »Du bist so unruhig.«
»Ich hätte wohl nicht so viel Kaffee trinken dürfen«, murmelte ich. Max lachte und ich lief rot an. Na prima. »Was?«, maulte ich und rutschte tiefer in meinen Sitz.
»Hältst du es noch 30 bis 40 Minuten aus oder soll ich einen Platz für eine Zwischenlandung suchen?«
»Ich weiß nicht«, gab ich zu. So was aber auch. Warum gab es bei diesen kleinen Flugzeugen denn keine Bordtoilette wie in einem Passagierflugzeug?
»Ich hätte auch nichts gegen einen Toilettenstopp. Warte, ich funke mal Rudi an. Dafür haben wir ja die Bord-Bord-Frequenz.« Max nestelte am Funkgerät herum und sagte dann: »Delta-Alfa-Whiskey für Delta-Mike-India?«
»Max, was gibt’s? Alles in Ordnung bei euch?«
»Ja, wir würden nur gerne eine kleine Routenänderung machen und in …« Er fuhr mit dem Finger über die Karte. »… in Höxter-Holzminden einen Zwischenhalt einlegen.«
»In Ordnung, dann gehen wir da ebenfalls runter. Bis gleich!«
Ich war Max unendlich dankbar, dass er über Funk nicht den Grund für die Zwischenlandung dargelegt hatte. Obwohl Leni und Rudi es sich sicher denken konnten.
»Bist du schon einmal da gelandet, in diesem … Haxe-Holzdingbums?«, wollte ich wissen.
»In Höxter-Holzminden?«, korrigierte Max mich. »Nein, noch nie.«
»Oh«, erwiderte ich. Max kannte den Flugplatz nicht, wusste nicht, ob er irgendwelche Tücken hatte. »Ähm, wir können auch ruhig bis Porta Westfalica weiterfliegen«, meinte ich, obwohl der Druck in meiner Blase etwas anderes sagte.

aus „Rosa startet gegen den Wind“

Wir halten tapfer durch. Die Sicht auf die Porta Westfalica, den Weserdurchbruch, ist nicht vergleichbar mit unserem letzten Flug hierher, als uns das Wetter zur Umkehr und Landung in Porta Westfalica EDVY zwang. Im Gegensatz zu uns landet unser Flugzeug das erste Mal auf diesem Flugplatz, denn der Flugleiter muss die Maschine erst einmal ins System aufnehmen. Noch während wir im Anflug sind, fragt er uns, ob wir schon mal da waren. „Ja, vor zwei Wochen.“ – „Aber war die Maschine schon mal hier?“ – „Das wissen wir nicht, die ist von einer Flugschule und kommt viel rum.“ – „Ach, macht ihr einen Schulungsflug?“ – „Nein.“ Nicht, dass er uns eine Schulungslandung abrechnet.

Porta Westfalica EDVY © Maja Christ
Zwischenstopp in Porta Westfalica EDVY bei besten Wetter

Nachdem wir getankt und die Toilette aufgesucht haben, mache ich mich auf den Weg zum Turm. Der Flugleiter erkennt mich gleich wieder und ich erzähle ihm in einer Kurzversion die Abenteuer unseres Weiterfluges zwei Wochen zuvor.

Dann nimmt Andrés auf dem Pilotensitz Platz und startet in Richtung Leer-Papenburg.

2. Etappe: von Porta Westfalica EDVY nach Leer-Papenburg EDWF

Das Wetter ist weiterhin bestens und wir genießen unseren Weiterflug.

Porta Westfalica: der Weserdurchbruch © Maja Christ
Porta Westfalica: der Weserdurchbruch

Bald hören wir Michael und die D-ESOX auf FIS und tauschen Nachrichten per SMS aus. Es scheint, dass wir trotz unterschiedlicher Startzeiten und Routen mehr oder weniger zeitgleich in Leer ankommen werden.

Anflug auf Leer-Papenburg EDWF © Maja Christ
Anflug auf Leer-Papenburg EDWF

Das Tolle an Leer-Papenburg EDWF ist nicht nur, dass man keine Landegebühren zahlt, wenn man tankt, sondern auch dass man nachträglich noch sein Bild auf der Facebook-Seite des Platzes sehen kann.

Screenshot der Facebookseite des Flugplatzes Leer-Papenburg

Tatsächlich landen Susanne und Michael nur wenige Minuten nach uns. Wir begrüßen uns, tanken Sprit (die Flugzeuge) und etwas neue Energie (wir Piloten) und während Andrés unseren Flugplan nach Helgoland aufgibt, suche ich schnell noch einen Geocache, der direkt am Flugplatz zu Ehren der Tante Ju D-AQUI liegt. Schade, dass die Ju nicht mehr eingesetzt wird, denke ich und muss auch gleich an unseren Ausflug mit unseren Kids vor ein paar Monaten nach Sierksdorf zurückdenken, wo uns der Flugleiter einige interessante Storys über die Ju erzählt hat.

Vagabund © Maja Christ
Gesehen in der Halle in EDWF: Vagabund

Ich telefoniere kurz noch mit dem Flugleiter von Helgoland, um nach den Wolkenuntergrenzen zu fragen. „Kein Problem, die sind über 1000 Fuß“ erfahre ich. Außerdem, dass der Platz in zwei Stunden schließt (wissen wir natürlich, aber danke für den Hinweis) und dass der Flugleiter mit der Handfunke unterwegs ist und somit erst ab ca. drei Meilen zum Platz zu hören ist. Wir sollen einfach Blindmeldungen abgeben. Das ist eine wichtige Information, die ich auch gleich an Michael und Susanne weitergebe.

Flugplan aufgeben und Wetter checken in EDWF © Maja Christ
Flugplan aufgeben und Wetter checken in EDWF

Mit Schwimmwesten samt PLB (Personal Locator Beacon, ein Personen-Notsender) machen wir uns für den Hüpfer über Wasser bereit.

3. Etappe: von Leer-Papenburg EDWF nach Helgoland-Düne EDXH

Die Wolkenuntergrenzen sind tatsächlich nicht weit über 1000 Fuß, aber immerhin ist die CTR Wittmundshafen nicht aktiv, sodass wir den direkten Kurs nehmen können. FIS hat über der gesamten Nordsee keinen Radarempfang und kann uns dementsprechend nicht mit Verkehrsinformationen versorgen. Aber wie auch unsere Freunde, die bereits vorausgedüst sind, bleiben wir für alle Fälle auf der Frequenz.

Die Schiffe unter uns haben wir ständig in Sicht. Falls wir notwassern müssten, suchen wir uns ein Segelboot. Die großen Frachter würden uns wohl kaum wahrnehmen.

Fliegen über der Nordsee © Maja Christ
Die niedrigen Wolken über der Nordsee lassen dennoch die Sonne durch.

Es dauert lange, ehe wir endlich die Insel zwischen den Wolken ausmachen können. Doch dann sind wir uns sicher: Helgoland ist – mehr oder weniger – in Sicht. Wir rufen „Helgoland Info“, erhalten jedoch zunächst noch keine Antwort. Gut, dass der Flugleiter uns vorgewarnt hat.

Michael ist bereits gelandet, als ich Kurs auf die 33 nehme – mit 480 m die längste Piste der Insel. Noch vor der Halbbahnmarkierung bin ich gelandet und rolle zur Aquila, damit wir die MURY für die Nacht verzurren können. Außer uns ist derzeit – unter der Woche – kaum noch ein anderer Flieger da.

Bereits im Vorfeld hatte ich geklärt, wo wir unsere Zelte auf dem Campingplatz aufschlagen dürfen, denn der Campingwart ist inzwischen – es ist bereits gegen 18 Uhr – nicht mehr vor Ort. Der anvisierte Platz beherbergt jedoch eine Invasion kleiner Krabbeltiere, die im erstem Moment wie Zecken aussehen und von denen hunderte (ich schwöre!) unsere abgelegten Sachen überfallen und so rutschen wir einen Standplatz weiter.

Campingplatz Helgoland Düne © Maja Christ
Unsere Zelte auf der Düne

Es stellt sich übrigens im Nachhinein heraus, dass es sich bei den kleinen Krabblern nicht um Zecken handelt (die gibt es auf Helgoland gar nicht), sondern um irgendwelche Insekten (sie haben sechs, nicht acht Beinchen).

junge Möwe © Maja Christ
Hattu Futter?

Es ist jetzt schon deutlich ruhiger auf dem Platz als bei unserem letzten Besuch und so werden wir nur von einer Familie Enten besucht, die gleich probiert, ob unsere Isomatten und Schlafsäcke essbar sind. Angelockt von dem Geschnatter schaut auch gleich eine junge Silbermöwe vorbei, doch sie wird wie die Enten enttäuscht: Wir haben nichts zu essen für die Vögel.

Wir kochen uns ein paar leckere Nudeln, die wir zu einem von Susanne im Insel-Shop organisierten Landebier vertilgen, und machen einen kleinen Spaziergang um die Insel, dann fallen alle müde in die Schlafsäcke.

Unser Trupp auf Helgoland Düne © Maja Christ
Abschluss eines langen Flugtages mit Landebier und Pasta
Abendstimmung auf der Düne Helgoland © Maja Christ
Abendstimmung auf der Düne

Tag 2: Helgoland Düne und Hauptinsel

Am nächsten Morgen – gestärkt mit Espresso und mit Brötchen aus dem Shop – beschließen wir, erst einmal einen Rundflug um die Insel zu machen. Das Wetter ist schließlich fantastisch.

Susanne versucht noch, uns abzulichten, doch wir sind einfach zu schnell in der Luft.

Nach unserem Rundflug, der bei dem fantastischen Wetter besonders beeindruckend ist, machen wir uns auf den Weg zum Nordstrand. Dieses Mal schmeiße ich mich – gemeinsam mit Susanne und Michael – ins kühle Nass der Nordsee. Es ist herrlich! Und wenn man die Beine nicht mehr spürt, ist es auch gar nicht mehr so kalt. Andrés bleibt sicherheitshalber am Strand und ruht sich aus, während wir übrigen ein wenig schwimmen.

Gegen Mittag machen wir uns auf den Weg zur Fähre, um auf die Hauptinsel zu fahren. Sie fährt bis 19 Uhr alle halbe Stunde.

Hauptinsel

Die Fähre nimmt derzeit maximal 60 Personen auf, was aber derzeit kein Problem darstellt, denn es ist längst nicht so voll wie zwei Wochen zuvor.

Da unser Magen knurrt, machen wir uns gleich nach der Ankunft auf der Hauptinsel auf den Weg zu den Hummerbuden.

Knieper wäre fein, doch der wurde heute nicht gefangen. Ein Hummerbrötchen tut es aber auch.

Hummerbuden von Hegoland © Maja Christ
Die markanten Hummerbuden von Hegoland …
… laden ein zum Verweilen und Futtern.
Hummerbuden © Maja Christ
Lecker Hummersuppe und -brötchen …
… darauf wartet die hungrige Möwe

Auch wenn eine hungrige Möwe immer wieder Ausschau nach Futter hält, können wir unser Essen in Ruhe genießen. Die Möwenabwehr-Schirme, die man an der ein oder anderen Bude bekommt, benötigen wir glücklicherweise nicht. Wir genießen und beobachten eine Frau im Hafen, die sich im Stehpaddeln übt.

Noch ein Kaffee auf die Hand, dann machen wir uns auf den Weg zum Klippenrandweg. Diesmal laufen wir von der Südspitze aus.

Strahlenlose Kamille © Maja Christ
Strahlenlose Kamille am Wegesrand
Auf dem höchsten Berg Helgolands: Pinneberg Maja Christ
Auf dem höchsten Berg Helgolands: Pinneberg

Schon von Weitem hören wir wieder die Basstölpel. Diesmal nehmen wir uns etwas mehr Zeit, die Vögel zu beobachten. Seit 1991 sind die Vögel wieder an der Insel und sie sind auch die längste Spanne im Brutjahr hier. Es ist faszinierend, zu beobachten, wie sich Paare begrüßen, die sich lange nicht gesehen haben. Ein Vogeljunges sitzt auf dem Weg – hier wurde es wahrscheinlich ausgebrütet und daraufhin kurzerhand der Weg abgesperrt. Unglaublich, wie nah man an die Vögel heran kann. Füttern oder streicheln strengstens verboten. Aber fotografieren ist erlaubt und wird von den Basstölpeln anstandslos hingenommen. Auch von den Jungtieren.

Basstölpel im Flug © Maja Christ
Basstölpel im Flug

Wir können uns kaum lösen von dem Anblick der Vögel, doch inzwischen sind die Beine müde und der Magen bekundet, dass das Hummerbrötchen längst verdaut ist. Also laufen wir weiter – zurück Richtung Häuser des Oberlands.

Schon krass, wie die Schäden des „Big Bangs“ hier zu sehen sind. Die Geschichte Helgolands ist bewegt – an zahlreichen Informationstafeln entlang des Weges wird darüber berichtet.

Wir laufen noch ein wenig durch die Gassen des Oberlandes und beschließen schließlich, in den Mocca-Stuben zu Abend zu essen. Eine gute Wahl, denn der Meeresteller ist grandios.

Meeresteller in den Mocca-Stuben © Maja Christ
Lecker Meeresteller
Helgoland-Sekt
Zum Abschied ein Helgoland-Sekt

Gesättigt und müde vom Ausflug wandern wir irgendwann wieder Richtung Fähranleger – natürlich nicht ohne einen Helgoländer Sekt und ein Bier in der Tasche. Sogar den Flugleiter treffen wir. Er grüßt gleich – anscheinend habe ich einen bleibenden Eindruck hinterlassen, als ich mir einen Stempel (den schönsten Flugplatzstempel überhaupt!) vom Flugplatz EDXH für mein Flugbuch habe geben lassen.

Zum Abschluss gibt es noch ein Gläschen Helgoland-Sekt. Doch, uns geht es gut. Schade nur, dass unsere Kinder nicht bei uns sind.

In der Nacht beobachten wir immer wieder, wie ein Hubschrauber die Insel entlang fliegt. Wir vermuten Übungsflüge.

Die ganze Zeit wacht der Leuchtturm der Hauptinsel – Saurons Auge – über uns. Ab und an leuchtet auch das Leuchtfeuer der Düne auf und wir überlegen. ob es sich hierbei möglicherweise um Isengard handeln könnte. (Wohlgemerkt, diese Überlegungen waren vor der Verkostung des Insel-Sekts.)

Tag 3: Weiter nach Rügen

Unser Vercharterer Günter von Easy-Bird lässt uns wissen, dass wir die MURY einen Tag länger als geplant haben können. Nachdem meine Chefin mir bereits am Montag ebenfalls noch den Freitag freigegeben hatte, stellt uns das vor völlig neue Möglichkeiten. Susanne und Michael müssen ihren Flieger leider am Donnerstag zurückgeben und somit direkt nach Hause fliegen, doch wir können neue Pläne machen.

Sollen wir versuchen, unsere ursprünglich anvisierte Küstentour anzugehen und die Ostseeküste entlang weiterfliegen? Am Morgen beim Frühstück schmieden wir Pläne und ich telefoniere mich durch die Plätze Mecklenburg Vorpommerns. Anklam lässt weiterhin kein Camping zu, in Peenemünde erreiche ich niemanden. Sollen wir Rügen anvisieren? Was sagt das Wetter für Freitag? Erst einmal müssen wir jedoch die Zelte abbauen, die trotz Insellage erstaunlich trocken sind.

4. Etappe: von Helgoland EDXH nach Heide-Büsum EDXB

Alles ist verstaut, alle Rechnungen sind beglichen und wir fliegen zunächst nach Heide-Büsum EDXB, um zu tanken. Andrés lässt mir den Vortritt, da er am Vortag bereits den Rundflug um die Insel machen konnte (Danke, mein Schatz!!).

An diesem Morgen ist es praktisch windstill und wir dürfen uns die Startpiste aussuchen. Während Michael und Susanne mit der Aquila auf der 15 starten, wähle ich die etwas kürzere Piste 21, die immerhin noch 371 Meter Länge hat. Das schaffen wir doch mit Links!

Flug nach Heide-Büsum © Maja Christ
Es ist diesig über der Nordsee.

Die Sichten lassen etwas zu wünschen übrig und FIS kann weiterhin keine Verkehrsinformationen in diesem Gebiet liefern. Ein Pilot versucht immer wieder, Oldenburg zu erreichen, den er um 11:30 anfliegen wollte. Er habe um 12 Uhr einen Termin, wie wir nebenher über Funk erfahren. Doch der Platz meldet sich nicht. Die Lotsin versucht es telefonisch – ebenfalls ohne Erfolg. Ob man 11:30 UTC oder Lokal ausgemacht hätte? UTC? Hm. Der Pilot will es in Ganderkesee versuchen und was aus seinem Termin wird, erfahren wir nicht, denn wir müssen uns langsam in Heide-Büsum melden.

Michael und Susanne sind bereits unten und haben nach einigem Hin und Her mit dem Flugleiter unseren Flugplan schließen lassen, wir tanken alle und machen noch eine kurze Pause.

Neben unserer Maschine steht ein riesiger Hubschrauber der Bundeswehr, doch wir erfahren, dass es sich dabei nicht um die Maschine handelt, die nachts auf der Höhe Helgolands unterwegs war. Die Besatzung ist sehr freundlich und wir schnacken ein wenig, schießen Fotos und schieben sicherheitshalber die MURY zur Seite, ehe das Riesending starten will. Die Truppe des Bundeswehrhubschraubers schießt mehrere Selfies und macht am Ende sogar noch einen tiefen Überflug.

In EDXB steht die MURY neben einem riesigen Hubschrauber der Bundeswehr. © Maja Christ
In EDXB steht die MURY neben einem riesigen Hubschrauber der Bundeswehr.

Wir schmieden weiter Pläne, während Michael und Susanne sich auf die Rückreise machen müssen. Bei einem Espresso aus dem Bistro am Flugplatz telefoniere ich mich durch AIS und die Nummern der Flieger-Stützpunkte Glücksburg und Co, um mich nach dem Status der ED-Rs und ED-Ds in der Kieler Bucht zu erkundigen. Man ist sehr freundlich, doch ein Durchflug wird an dem heutigen Donnerstag schwierig: sechs Transall sind in dem Gebiet unterwegs. Zwar gibt es einen Pausensektor, doch das würde unsere Ankunft bis 18 Uhr auf Rügen erschweren. Also werden wir wohl die Sperrgebiete umfliegen. Doch trotz allem sollte es möglich sein, Fehmarn anzuvisieren – auch wenn wir dort nicht landen dürfen.

Am frühen Nachmittag machen also auch Andrés und ich uns – wieder mit Schwimmwesten und PLB – auf den Weg. Der Stempel von Heide-Büsum ist übrigens auch klasse!

5. Etappe: von Heide-Büsum EDXB über Fehmarn nach Rügen EDCG

Es ist immer noch recht diesig, doch die Aussichten für die Ostsee sind vielversprechend.

Abflug EDXB © Maja Christ
Tschüss, Heide-Büsum – bis zum nächsten Mal!

Auf FIS, wo ich unseren Flug von Heide-Büsum nach Rügen angemeldet habe, geht es derweil recht flapsig zu. Als sich ein Echo-Pilot meldet, fragt der Loste kurzerhand „D-Exxx, was kann ich heute gegen Sie tun?“ Man scheint sich zu kennen.

Hochnebel an der Küste © Maja Christ
Dunst auf unserem Weg gen Osten

Wir freuen uns über die aufreißende Bewölkung und beschließen, über die Tops zu steigen.

Flug an den Wolken © Maja Christ
Gen Osten wird das Wetter besser.

Immer entlang der Sperrgebiete fliegen wir Richtung Fehmarn, bis der FIS-Lotse uns ruft: „D-MURY, wollten Sie nicht nach Rügen? Sie wissen schon, dass Sie gerade Kurs auf Fehmarn haben?“ – „Ja, das ist Absicht, wir wollten einen Schlenker um die Insel nehmen und fliegen gleich wieder Kurs Rügen.“ – „Aha. Die ED-R11 und 12 sind aktiv, das wissen Sie?“ – „Ja, danke, wir bleiben fern der ED-Rs“ – „Ja, aber die Flieger, die da drin ihre Übungen machen, bleiben nicht unbedingt in ihrem Sektor. Halten Sie Ausschau.“ – „Alles klar, danke! Halten Ausschau.“

Leider war ich in dem Moment nicht schlagfertig genug, sonst hätte ich geantwortet: „Ups, das erklärt, warum wir die Kreidefelsen nicht sehen.“ 🙂

Nachdem wir um Fehmarn gekreist sind – jetzt weiß auch FIS Bescheid – nehmen wir Kurs auf die Küste Mecklenburg Vorpommerns und Warnemünde.

Rund 20 Minuten haben wir wieder nur Wasser unter uns – es ist herrlich!

Segelschiff vor Warnemünde © Maja Christ
Segelschiff vor Warnemünde
Glückliche Piloten über der Ostsee © Maja Christ
Glückliche Piloten über der Ostsee
Warnemünde und Rostock © Maja Christ
Warnemünde und Rostock

Es ist ruhig, man versorgt uns mit Verkehrsinformationen und wir sind einfach nur glücklich.

Bald ist Hiddensee und dahinter Rügen in Sicht. Diesmal werden wir die Kreidefelsen nicht verpassen!

Hiddensee © Maja Christ
Die Ostesee ist ruhig.

Langsam meldet sich der Akku unserer Filmkamera, aber die Kreidefelsen müssen wir noch aufnehmen! Wir umrunden weiter die Insel und peilen dann den Flugplatz Rügen an.

Der Flugplatz EDCG liegt mitten auf der Insel – fernab jeglichen Strandes. Das haben wir vorher bereits vom Flugleiter erfahren und es sollte uns nicht stören. Bis zum nächsten Supermarkt sind es schlappe 5 Kilometer.

Anflug auf Rügen EDCG © Maja Christ
Anflug auf Rügen EDCG

Der Flugplatz ist riesig, doch leider ist das Flugplatzrestaurant zurzeit geschlossen. Meine Eltern waren vor vielen Jahren einmal für eine Kaffeepause hier. Das muss Anfang/Mitte der 1990er gewesen sein. Ich war damals auf unserem Heimatflugplatz beim Segelfliegerlager geblieben, während meine Eltern mit meinen Brüdern mit Motorsegler und Paddelbooten in Waren am Müritzsee waren. Meine ersten elternlosen Ferien. Segelfliegen – Sonne – Spaß pur. Am Ende habe ich dennoch meine Brüder um ihre Paddelerlebnisse beneidet. Und meine Eltern hatten auf Rügen nicht eine ruhige Minute, weil meine Brüder alleine auf der Müritz unterwegs waren. Die wiederum hatten eine Menge Spaß so ganz ohne Eltern.

Nun denn, inzwischen haben wir selbst Kinder in dem Alter, und die sind fernab auf der anderen Seite des Atlantiks gut betreut. So können wir entspannt unseren Flieger verzurren und uns auf den Weg nach Samtes machen. Im Vergleich zu der Insel, von der wir gerade kommen, scheint Rügen mit seinen unendlichen Feldern wie Festland. So ganz anders …

Zwischen Güttin und Samtes auf Rügen © Maja Christ
Zwischen Güttin und Samtes auf Rügen
Traktor auf Rügen © Maja Christ
Was für ein Oschi!
Abendstimmung am Flugplatz © Maja Christ
Abendstimmung am Flugplatz

Tag 4: Zurück nach Mosbach

Am nächsten Morgen sind wir früh wieder am Flieger, obwohl das Wetter sich erst im Laufe des Tages bessern soll.

Morgenstimmung am Flugplatz © Maja Christ
Morgenstimmung am Flugplatz

Die Wolken hängen tief, der Wind ist stark, doch wir bleiben zuversichtlich. Und tatsächlich wird es zunehmend besser. Während der Inselflieger schon einen Rundflug nach dem anderen über die Insel jagt, machen wir unsere Flugplanung. Wir entscheiden uns für einen Zwischenstopp in Eisenach und tanken auf der Insel erst einmal Avgas. An der Tanke steht ein ähnlicher Hubschrauber wie in Heide-Büsum – diesmal von der Polizei. Da sollten wir unsere Maschine lieber wieder etwas weiter weg parken …

6. Etappe: von Güttin/Rügen EDCG nach Einsenach-Kindel EDGE

Ich nehme wieder Platz auf dem Pilotensitz und starte. Schon bald beschließen wir, uns ein Loch zwischen den Wolken zu suchen und über die Tops zu steigen. Das macht die Navigation etwas schwieriger, aber Kompass, GPS und die Sicht durch die Wolkenlöcher erlauben uns, sicher unseren Weg gen Süden zu finden.

Mecklenburger Großseenland © Maja Christ
Das Mecklenburger Großseenland
Wir steigen über die Wolken. © Maja Christ
Wir steigen über die Wolken.

Über den Wolken ist es herrlich ruhig. Da vergehen die knapp drei Stunden Flugzeit fast „wie im Flug“. Irgendwann ist Eisenach nicht mehr weit und ich nehme Kurs auf die Platzrunde. Es gibt eine Veranstaltung, haben wir bereits telefonisch erfahren, doch das soll uns nicht weiter stören. Gewöhnungsbedürftig finde ich dennoch, dass ein Teil der Piste abgetrennt ist und nicht zum Landen genutzt werden kann. Da steht sogar ein Schuppen auf der Piste – wenn auch weit vor der Landeschwelle.

Ich lande und wir rollen zur Tankstelle.

Nachdem die MURY aufgetankt ist, wir uns eine Parkposition „erkämpft“ haben und die Gebühren auf dem Turm bezahlt sind, wollen auch wir etwas zu uns nehmen. Das Restaurant „Propeller“ ist gut besucht, doch wir finden ein schattiges Plätzchen auf der Terrasse für Mittagessen und Espresso.

Gestärkt geht es weiter zum Endspurt. Andrés fliegt, ich darf auf den Co-Pilotensitz.

7. Etappe: von Eisenach-Kindel EDGE nach Mosbach-Lohrbach EDGM

Abflug Eisenach-Kindel © Maja Christ
Abflug Eisenach-Kindel

Erst im Nachhinein merken wir, dass wir gar keinen Blick für die Wartburg hatten. Irgendwann war ich mal mit meinen Eltern dort –aber das war im letzten Jahrtausend. Erst Bad Salzungen südlich von Eisenach lichte ich wieder ab. Der Springbrunnen hat es mir angetan.

Bad Salzungen © Maja Christ
Bad Salzungen

Je näher wir der Wasserkuppe kommen, desto mehr Segelflieger sind unterwegs, denen wir weiträumig den Weg freimachen.

Wasserkuppe © Maja Christ
Wasserkuppe

Wir passieren den Main, Miltenberg und Mainbullau. Inzwischen sind die Sichten bombastisch und wir können kaum glauben, dass wir bereits den Katzenbuckel sehen können. Mosbach hat natürlich Seitenwind, aber der hält sich stärkenmäßig in Grenzen.

Anflug Mosbach © Maja Christ
Anflug Mosbach

Und so haben wir bereits gegen 18 Uhr den Flieger gewaschen in der Halle stehen und können uns auf die Rückfahrt machen.

Mosbach-Lohrbach EDGM

Montag müssen wir wieder arbeiten, am kommenden Wochenende kommen unsere Kinder voller neuer Erfahrungen aus Mexiko zurück, dann beginnt die Schule. Es war ein toller Ausflug und ein schöner Abschluss unseres Sommerurlaubs!

Was wir mehr wollen? Das nächste Mal nehmen wir zwei Maschinen und dann kommen unsere Kinder mit!

2 Kommentare zu „Inselhopping: Helgoland und Rügen

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