Flug nach Helgoland-Düne auf Umwegen

Tiefliegende Wolken, Regen, Sonnenschein – wir hatten viel Wetter auf unserem ersten Anflug auf Helgoland. Aber es hat sich gelohnt. Deutschlands einzige Hochseeinsel ist einen Ausflug wert und eine Landung auf Helgoland-Düne etwas ganz Besonderes.

Einmal auf die Hochseeinsel

Das war seit Längerem unser Wunsch. Zweimal sind wir schon sehnsüchtig an Helgoland vorbeigeflogen, hatten jedoch noch nicht die geforderten 100 Stunden als verantwortlicher Flugzeugführer (PIC). Nun haben wir Urlaub, die PIC-Stunden und ein Flugzeug hätten wir auch. Nur das Wetter will nicht mitspielen. Wie gemein ist das denn?!

Eigentlich lautet unser Plan für den Sommerurlaub 2021, einmal die gesamte Küste abzufliegen: Erst die Ostfriesischen Inseln, weiter nach Helgoland, rüber nach Nordfriesland und rauf bis Sylt, dann die Ostseeküste über Kieler und Lübecker Bucht runter und bis Usedom bzw. Anklam. Aber fünf bis sechs Tage werden wir garantiert nicht mit Flugwetter bekommen. Wer weiß, ob wir überhaupt zwei bis drei Tage am Stück erhaschen können?

Seit Tagen schon hängen wir vor dem Wetterradar und prüfen unser Flugfenster. Dieser Sommer ist ja sowieso schon ins Wasser gefallen. Doch dann sieht es wider Erwarten ganz gut aus. Bis Samstag sollte es passen. Wir planen, zunächst mit einem Zwischenstopp in Höxter nach Helgoland zu fliegen und dann je nach Wetterlage weiterzusehen. Ich beginne, zu telefonieren. Einen Platz auf dem Campingplatz bekommen wir. Allerdings ist der Campingwart nur bis 14:30 da, vielleicht bis 15 Uhr. Mittagspause Flugplatz Helgoland: 12 Uhr bis 14:20 Uhr. Wird schon passen. Wir packen das Nötigste für die Reise zusammen – ausnahmsweise auch mal wieder unsere Filmkamera.

Tag 1: von Mosbach-Lohrbach EDGM nach Höxter-Holzminden EDVI

Am Mittwochnachmittag machen wir uns auf den Weg nach Mosbach, um nach Höxter zu fliegen und dort zu zelten. Mein Vater freut sich auf unseren unerwarteten Besuch und bietet wieder an, sich um unsere Verpflegung vor Ort zu kümmern. Wenn das kein Service ist!

In Mosbach machen wir uns die MESY startbereit, packen Gepäck, Verzurrmaterial und eine Schwimmweste ein – eine zweite werden wir von meinem Vater in Höxter bekommen. Die Reifen bekommen noch etwas Luft, denn zumindest der linke sieht arg platt aus, dann startet Andrés gen Norden. Ich filme eifrig dabei.

Flug von Mosbach nach Höxter © Maja Christ
Wir nehmen Kurs Richtung Gießen, das schlechte Wetter umfliegend.

Gutes Wetter sieht anders aus, aber es ist alles im sicheren Bereich. Wir haben keinen direkten Flug geplant, sondern werden uns erst einmal Richtung Gießen halten und dann Kurs auf Kassel nehmen. Hinter Marburg scheint alles dicht zu sein, denn immer wieder hören wir auf FIS von Piloten, die kehrt machen. Gut, dass wir eine andere Strecke fliegen können. Im Westen hängen die Wolken zwar tiefer und zwischenzeitlich wird es dort recht dunkel, doch östlich von uns ist alles frei.

Wolken im Westen © Maja Christ
Im Westen hängen die Wolken deutlich tiefer als im Osten, der weitgehend frei ist.

Der Flug verläuft ruhig, auf FIS ist nicht allzu viel los und ohne weitere Vorkommnisse erreichen wir knapp zwei Stunden nach unserem Start Höxter. Da es bereits kurz vor Sunset ist, können wir noch die Landebahnbefeuerung bestaunen. Sogar einen Hallenplatz können wir für die MESY bekommen.

Mein Vater ist schon da und nachdem die MESY mit neuem Sprit versorgt ist, machen wir unser Nachtlager fertig und essen gemeinsam zu Abend. Er hat reichlich Leckereien mitgebracht – und die Schwimmweste. Danke, Papa!

Die Nacht wird frisch hier oben auf dem Räuschenberg und der Wind zerrt munter an unserem Zelt. Dass er aus wechselnden Richtungen kommt, können wir dem durchgehenden Quietschen des Windsacks entnehmen. Vielleicht müsste die Stange einmal etwas geschmiert werden? Zwischenzeitlich regnet es.

Tag 2: von Höxter-Holzminden EDVI nach Helgoland?

Als wir am Donnerstagmorgen aus dem Zelt krabbeln, ist der Himmel grau in grau. Einzelne Wölkchen ziehen unter der nahezu geschlossenen Wolkendecke hindurch. Nach einer Weile, wir haben inzwischen einen zweiten Espresso gekocht, werden die blauen Löcher etwas größer und sogar die Sonne scheint langsam zu versuchen, durchzukommen.

Andreas Otto vom Café am Räuschenberg lässt uns die MESY aus der Halle holen, damit wir packen können. Andrés checkt immer wieder das Wetterradar. Die Sichten und Wolkenunterdecken für unseren Weg sehen ganz in Ordnung aus. Im Norden wird ein größeres Regenband durchziehen, doch es gibt dem Radar zufolge immer wieder Korridore, die man nutzen könnte. Wir werden es versuchen, bis Helgoland zu kommen.

Am Räuschenberg © Maja Christ
Wir machen die MESY startklar, während es immer weiter aufklart.

Andrés startet gen Norden, ich übernehme den Funk mit FIS und lasse unseren Flugplan öffnen, der für ULer bei Flügen nach und von Helgoland gefordert wird.

Porta Westfalica ©Maja Christ
Die Porta Westfalica: Bei unserm letzten Flug hier entlang war das Wetter etwas freundlicher.

Richtig toll ist die Wolkensituation auf unserem Weiterflug nach Norden nicht, doch man kann weit sehen und auch die Wolkenuntergrenze lässt uns genügend Spielraum. Wir passieren Porta Westfalica. Das letzte Mal, als wir hier mit unseren Kindern entlang flogen, war es deutlich schöner.

Kurz vor Diepholz ändert sich die Lage zunehmend. Die Wolkenuntergrenze sinkt weiter ab und es sieht nicht so aus, dass wir einen freien Korridor finden werden, der uns nach Norden durchlässt. Nahezu zeitgleich mit unserer Entscheidung, umzukehren, ruft FIS uns und gibt uns das Wetter von Diepholz durch. Das bestätigt unsere Befürchtung: Hier ist gerade kein Durchkommen. Wir machen kehrt und fliegen nach Porta zurück.

Zwischenlandung in Porta-Westfalica EDVY

Porta Westfalica EDVY © Maja Christ
Anflug auf Porta Westfalica EDVY

Unser Freund Michael hat uns Porta Westfalica schon mehrfach ans Herz gelegt. Jetzt haben wir – wenn auch unerwartet – eine Gelegenheit dazu, uns den Platz EDVY mal genauer anzusehen.

Flugplatz Porta Westfalica © Maja Christ
Wir warten in Porta auf besseres Wetter.
Porta Air Service

Der Flugleiter lässt unseren Flugplan schließen und wir beschließen, erst einmal etwas zu essen, denn unsere Pause könnte länger werden.

Auf dem Weg zum Turm wird man gleich daran erinnert, wo man ist, denn man wird auf jedem Absatz von den „Damen“ von Porta Air Service begrüßt.

Sollten wir nicht bis zur Küste durchkommen, hatten wir im Restaurant „Airfield“ immerhin einmal Strandfeeling – hier gibt es nämlich nicht nur Fischbrötchen, sondern auch Sand und Strandkörbe. Sehr gemütlich.

Strandfeeling am Flugplatzrestaurant "Airfield" Porta Westfalica © Maja Christ
Strandfeeling am Flugplatzrestaurant „Airfield“
Fischbrötchen © Maja Christ
Lecker Fischbrötchen

Na, wir schauen mal, was das Wetter mit uns vorhat und hauen uns nach dem Essen (Das Fischbrötchen war fantastisch!) erst einmal mit unserer Minipicknickdecke ins feuchte Gras.

Ein Fluglehrer kommt mit seinem Schüler von einem Ausflug zurück und während sein Flugschüler eine Platzrunde nach der anderen dreht, interviewen wir ihn zum Wetter. Auch der Flugleiter kommt aufs Vorfeld und erzählt uns Anekdoten von Flügen zur Nordseeküste.

„Immer gen Norden fliegen, dann kommt man schon an“, hieß es hier schon vor vielen Jahren. Da es nicht ganz so einfach ist, zeigt man uns den Schulungsraum, wo wir in Ruhe das Wetterradar beobachten können.

Wettercheck

Sollten wir noch länger bleiben wollen (oder müssen), dürften wir auch irgendwo unser Zelt aufschlagen. Und am kommenden Abend gäbe es hier noch eine Party, erfahren wir. Doch man ist zuversichtlich, dass es sich in den kommenden Stunden aufklaren wird.

Dreieinhalb Stunden später sitzen wir wieder im Flieger. Mit neuem Flugplan. Der Campingwart auf Helgoland hat uns – da er, sollten wir bis zur Insel durchkommen, nicht mehr da sein wird – schon einmal unsere Standplatznummer gegeben. Gut, dass in einigen Bundesländern bereits wieder Schule ist und der Campingplatz Düne sich wieder etwas geleert hat.

Weiterflug nach Norden

Auf Höhe Diepholz sieht es inzwischen deutlich besser aus. Bald müssen wir die Frequenz von FIS auf die 128.525 wechseln und von da an haben wir immer wieder Kommunikationsprobleme. Ob es daran liegt, dass wir zeitweise nicht mehr als 1500 Fuß über Grund fliegen oder an den zunehmenden Wolken, wissen wir nicht, doch es ist unangenehm, wenn man nicht gehört wird.

Zwischenzeitlich regnet es ordentlich und auf der Höhe von Bremen geht es nicht weiter. Die Wolken kommen immer tiefer und werden immer dichter – das Regenband ist schneller gekommen als gedacht.

Wir beschließen, in Ganderkesee zwischenzulanden. Nur können wir uns auf FIS nicht abmelden. Der Flugleiter von Ganderkesee EDWQ übernimmt das freundlicherweise für uns und lässt auch unseren Flugplan schließen.

Kurz nach unserer Landung startet eine Maschine und ich denke noch, dass die aber mutig sind. Allerdings meldet der Pilot einen Übungsflug nach Instrumentenflugregeln (IFR). Ja, dafür sind die Bedingungen gerade sicher perfekt – an Sichtflug ist aktuell nicht mehr zu denken.

Gestrandet in Ganderkesee EDWQ?

Heli in Ganderkesee Altas-Airfield EDWQ © Maja Christ
Dieser Heli ist wohl auch in Ganderkesee „gestrandet“.

Zunächst machen wir es uns im Vorraum des Flugplatzgebäudes gemütlich und planen die weiteren Schritte. Diese Couch kenne ich schon von unserem letzten Stopp hier, der auf unserem Rückflug von der Nordsee letztes Jahr etwas länger ausfiel, als geplant. Nach einer erneuten Sichtung des Wetterradars beschließen wir, dass wir heute keinen neuen Versuch starten werden.

Und wozu hat man Freunde? Lothar und Heidi haben wir das letzte Mal besucht, als unsere Kinder noch halb so groß waren wie jetzt. Und nach unserem letzten Zwischenstopp hatte Lothar darauf hingewiesen, dass wir das nächste Mal nicht einfach weiterfliegen dürften, sondern durchklingeln sollen. Kein Problem. „Moin, Lothar, wie geht es euch?“ –“Gut, danke. Und euch?“ – „Ach, uns geht es auch gut. Ähm, was macht ihr denn heute noch so?“ Außer, dass Lothar gerne noch seine Cornflakes zu Ende essen möchte, haben die beiden heute nichts weiter vor. Sofort bieten sie uns nicht nur an, uns in Ganderkesee zu besuchen, sondern auch gleich noch, bei ihnen zu übernachten. Wir könnten auch am Flugplatz zelten und wollen natürlich keine Umstände machen, aber das Angebot nehmen wir gerne an. „Ihr seid aber nicht mit fünf Kindern im Gepäck da, oder?“ – „Nein, nein, wir sind nur zu zweit, unsere Jungs sind bei der Familie in Mexiko.“

Flugplatz Ganderkesee Atlas Airfield © Maja Christ
So schlecht sieht das Wetter jetzt gar nicht mehr aus am Flugplatz Ganderkesee „Atlas Airfield“, aber wir beschließen, die Nacht in Bremen zu verbringen.

Also klären wir ab, dass wir die MESY über Nacht abstellen können, verzurren sie und sammeln unsere Siebensachen zusammen. Das, was hinten war – Daunenschlafsäcke, Isomatten und Wechselkleidung – ist nass. Ein Teil des Regenwassers ist hinter den Flügeln in den Rumpf gelaufen und in unsere Tasche. Während wir auf unsere Retter in der Not warten, die etwa 30 bis 40 Minuten Fahrtzeit von Bremen haben werden, sortiere ich die wenigen trocken gebliebenen Unterhosen in einen Packsack.

Übernachtung bei Freunden in Bremen

Es dauert gar nicht lange, da kommen Lothar und Heidi fröhlich angebraust. Sie freuen sich genauso wie wir über den spontanen Besuch und laden uns kurzerhand zum Essen in die Vereinsgaststätte des Oberweser-Segel-Vereins ein – immerhin ist Lothar Segler und seinen Schärenkreuzer durften wir bei unserem letzten Besuch schon bestaunen.

So viele Segelboote …

Nach einem leckeren Essen lassen wir den Abend gemütlich bei einem Glas Spätlese ausklingen, dann fallen wir müde ins Bett.

Tag 3: Weiterflug zur Nordsee

Zum Glück ist alles wieder trocken, denn in einem feuchten Daunenschlafsack schläft es sich nicht gut.

Lothar ist bereits bei der Arbeit, als wir aufstehen. Heidi, die nachts arbeitet, hat uns Brötchen mitgebracht und bereits den Frühstückstisch gedeckt. Wir sind überwältigt. Sogar unsere Sachen sind über Nacht getrocknet und Heidi gibt uns noch ein paar Säcke, in denen wir sie vor weiteren Regenfällen schützen können.

Nach einem üppigen und leckeren Frühstück fährt Heidi uns wieder nach Ganderkesee.

Danke an Heidi und Lothar für alles! Es war sehr schön bei euch!

Von Ganderkesee EDWQ nach Norderney EDWY

Heute sieht das Wetter deutlich vielversprechender aus, doch bis zur Mittagspause um 12 Uhr werden wir es vermutlich nicht bis nach Helgoland schaffen. Außerdem wollen wir nicht wieder einen Flugplan aufgeben, wenn es nicht sicher ist, dass wir ihn wirklich benötigen.

Ich hatte am Vortag bereits geklärt, dass wir die Übernachtung auf Helgoland auf heute umlegen können. Sollten wir keinen Abstellplatz bekommen oder das Wetter uns nicht übers Meer hüpfen lassen, könnten wir auf Baltrum übernachten. Es wäre zwar nett, auch mal eine andere Insel anzufliegen, aber Langeoog hat derzeit geschlossen, weil sie keinen Flugleiter haben und Wangerooge ist per PPR mit Anmeldung am Vortag zwar anfliegbar, auf der Insel darf man aber derzeit nicht zelten.

Für den ersten Stopp kommen Norderney und Borkum infrage. Sie haben keine Mittagspause, was den Weiterflug deutlich vereinfachen würde und so beschließen wir, als erstes Ziel des heutigen Tages die Lieblingsinsel meiner Mutter anzufliegen: Norderney.

Diesen Flug übernehme ich. Nach den Problemen vom Vortag, FIS zu erreichen, rasten wir zwar die Frequenz und hören mit, melden uns jedoch nicht an.

Die Wolken lassen uns genügend Spielraum für den Weiterflug. Überhaupt ist das Wetter viel besser als am Vortag. Nach knapp 40 Minuten Flugzeit erreichen wir das Ende des Festlandes und melden uns auf Norderney.

Ankunft am Flughafen Norderney EDWY © Maja Christ
Ankunft am Flugplatz Norderney EDWY

Leuchtturm am Flughafen Norderney © Maja Christ
Der Leuchtturm bietet sich gut zum Peilen auf den Flugplatz Norderney an.

Bis zu drei Stunden können wir uns ohne Zahlen der Kurtaxe auf der Insel aufhalten. Inzwischen ist es bereits halb eins. Die Mittagspause auf Helgoland endet um 14:20 und der Flug dauert etwa 40 Minuten. Uns bleibt also genügend Zeit, um ein wenig in die Dünen zu laufen.

Der Leuchtturm von Norderney © Maja Christ
Der Leuchtturm von Norderney

Als Andrés an seinem Handy den endgültigen Flugplan zusammengetippt hat, ruft eine etwas ungehaltene Mitarbeiterin vom AIS an. Wir haben einen Fehler beim Ausfüllen gemacht und anders, als es die Hilfe erläutert, können wir unsere Geschwindigkeit nicht in km/h angeben, sondern nur in Knoten. Dass wir ein ELT dabei haben, interessiert niemanden – dafür haben wir vergessen, anzugeben, dass unser Funkgerät mit 8,33-kHz-Kanalraster ausgestattet ist. Wir sollen uns bitte noch einmal den Rücklauf ansehen, den sie uns geschickt hat. Das machen wir natürlich und entschuldigen uns für die Unannehmlichkeiten.

Von Norderney EDWY nach Helgoland-Düne EDXH

Nachdem alles geklärt ist, nimmt Andrés wieder auf dem Pilotensitz Platz und rollt zum Rollhalt der 26. Erst dort fällt uns auf, dass wir vor Aufregung um den Flugplan die Schwimmwesten nicht angezogen haben. Zum Glück sind sie in Reichweite, sodass wir sie anziehen können, ohne den Flieger verlassen zu müssen. Ein kurzer Check, dass keine Gurte mit den Westen verheddert sind … alles frei … passt. Los geht’s!

Baltrum © Maja Christ
Wir passieren erst Baltrum …
Langeoog © Maja Christ
… dann Langeoog …
Spiekeroog © Maja Christ
… und Spiekeroog …
Wangerooge © Maja Christ
… bis es auf Höhe Wangerooge auf Nordkurs geht.

Ich genieße den Blick auf die Ostfriesischen Inseln und sauge alles in mich auf. Über dem Meer sind die Wolken leider nicht so hoch, dass man auf 4000 oder 5000 Fuß gehen könnte. Wir schaffen nur etwas über 2000 Fuß. Dann hoffen wir einfach etwas doller, dass der Motor nicht zwischendrin einfach ausgeht (was er sowieso nie machen sollte und auch noch nie gemacht hat) und genießen unseren Flug.

Rückblick auf die Ostfriesischen Inseln © Maja Christ
Rückblick auf die Ostfriesischen Inseln
Mit Schwimmwesten genießen wir unseren Flug nach Helgoland © Maja Christ
Mit Schwimmwesten genießen wir unseren Flug.

Helgoland ist wegen der Wolken noch nicht in Sicht, aber auf den Wasserstraßen ist einiges los.

Über der Nordsee © Maja Christ
Ob die uns sehen, wenn wir notwassern müssten? Wohl eher nicht.

Es fehlen weniger als 10 Minuten bis zum Erreichen der Düne, doch die Wolken kommen nun immer tiefer, je näher wir der Insel kommen. Wir sinken etwas und suchen uns einen Weg, bis endlich unser Ziel in Sicht ist.

Helgoland in Sicht © Maja Christ
Endlich ist Helgoland in Sicht.
Helgoland © Maja Christ
Die Wolken versperren die Sicht auf die Hochseeinsel.

Das Bild ist so ganz anders als die letzten beiden Jahre – da war kaum eine Wolke am Himmel. Aber es ist ein fantastisches Gefühl, wenn man nun Kurs auf eine der Pisten von Helgoland-Düne EDXH nehmen kann.

Helgoland © Maja Christ
Was für ein Anblick!
Hauptinsel von Helgoland mit dem Hafen © Maja Christ
Die Hauptinsel von Helgoland mit dem Hafen

Mit uns sind mindestens drei weitere Maschinen im Anflug und Andrés dreht noch einmal ab, um einen anderen Flieger vorzulassen. Dann sind auch wir wieder im Endanflug. 480 m hat die Bahn, aber der Wind ist heute gnädig. Andrés landet souverän und rollt zu unserer Parkposition.

Anflug auf die Piste 33 von Helgoland-Düne © Maja Christ
Anflug auf die Piste 33 von Helgoland-Düne

Anflug auf die Piste 33 von Helgoland-Düne EDXH

Helgoland!

Angekommen auf Helgoland-Düne © Maja Christ
Angekommen auf Helgoland-Düne

Auf dem Vorfeld des Flugplatzes gilt Warnwestenpflicht. Also tauschen wir die Schwimm- gegen Warnwesten, verzurren das Flugzeug für die Nacht und holen unsere Sachen aus dem Flugzeug. Abstellgebühren werden erst nach drei Tagen fällig, erfahre ich, als ich unsere Landegebühr am Turm bezahle. Auch nicht schlecht.

Als nächstes wollen wir unser Zelt aufbauen. Der Campingplatz liegt direkt neben dem Flugplatz – die Waschräume sind auf der einen Seite der Piste 15/33, die Anmeldung und unser Standplatz auf der anderen. Wenn ein Flugzeug im An- oder Abflug ist, muss man kurz warten.

Eine Mutter, die neben unserem Platz mit ihrer Familie zeltet, reagiert sichtlich genervt, als die Warnlampen mit einem Piepen losgehen. „Nicht schon wieder!“, stöhnt sie Augen-rollend. Doch Sicherheit geht vor und das Letzte, was man hier möchte, ist sicher, dass ein Flieger in die kreuzenden Menschen fliegt. Im Netz kursieren genügend Videos, wie herausfordernd die Landung hier sein kann. Aber vielleicht sollten wir uns der Mutter gegenüber besser nicht als Piloten zu erkennen geben?

Zeltplatz auf der Düne © Maja Christ
Unser gemütlicher Zeltplatz auf der Düne
Flugplatz Helgoland-Düne von der 21 aus gesehen © Maja Christ
Der Flugplatz Helgoland-Düne von der 21 aus gesehen

Strand auf der Düne

Nachdem das Zelt aufgebaut und alles darin verstaut ist, machen wir uns auf den Weg zum Strand. Der liegt praktischerweise direkt in Flug- und Campingplatznähe. Wie cool!

Wir kommen sogar noch einmal am Shop vorbei und können uns ein Landebier holen, das flenst. 🙂
Verdient haben wir es uns auf jeden Fall.

Der Strand ist recht steinig, aber es gibt genügend Flächen, um die Mini-Picknickdecke auszubreiten. Sogar einige Schlafstrandkörbe gibt es, aber 70 Euro pro Nacht ist ein stolzer Preis.

Langsam bricht die Sonne durch die Wolken. Während Andrés sich erst einmal auf unsere Decke legt, muss ich sofort zum Wasser – zumindest bis zu den Knien wate ich ein wenig zwischen Nackt- und Nichtnacktbadern herum, die sich todesmutig in das eisige Wasser wagen.

Doch auch die Hauptinsel lockt. Bis 19 Uhr verkehrt die Fähre halbstündlich zwischen Hauptinsel und Düne, danach stündlich. Also machen wir uns nach einer Weile auf den Weg Richtung Anleger – und mit uns so manch anderer. Aufgrund der Corona-Maßnahmen können derzeit maximal 60 Leute auf die Fähre und es sieht zwischenzeitlich so aus, dass nicht alle mitkommen können. Wir ergattern noch einen Platz vorne im Schiff und neben uns bleiben sogar noch zwei Plätze frei.

Lichtspiele auf dem Wasser © Maja Christ
Auf geht’s zur Hauptinsel

Helgoland Hauptinsel

Es ist herrlich, durch die Gassen des Unterlandes zu wandeln. An der Parkanlage Siemensplatz zwitschern die Vögel in den Bäumen wie wild. Es hat fast etwas von den typischen Zentren der mexikanischen Städte, dem „Zócalo“, und ich muss an unsere Jungs denken, die anscheinend gerade am Zócalo von Mexiko-Stadt sind, wie uns meine Schwägerin über die Familien-WhatsApp-Gruppe wissen lässt. Irgendwann müssen wir noch einmal mit unseren Kindern hierher kommen.

Es gibt einen Fahrstuhl zum Oberland, doch wir wählen die Treppe. Oben angekommen, suchen wir den Weg zum Klippenrandweg. Der ist gut ausgeschildert.

Die Farben – das satte Grün der Wiesen und das Rot der Felsen – sind fantastisch. Einige Bombenkrater sind unschwer zu erkennen. Immer wieder gibt es Hinweisschilder am Wegesrand: zur Geschichte, der Flora und Fauna oder der Geologie der Insel.

Lummenfelsen
Lummenfelsen

Und dann hören wir schon die Vögel! Hier brüten Trottellummen, Dreizehenmöwen, Silbermöwen, Tordalks, Eissturmvögel und Basstölpel. Es ist atemberaubend. Auf den Felsbändern des Lummenfelsens tummeln sich dichtgedrängt unzählige Tiere und machen einen unglaublichen „Lärm“ und der Geruch ist … nun ja … gewöhnungsbedürftig.

Die Helgoländer Vogelfelsen sind der Wahnsinn.

Was die sich wohl erzählen?

Lange Anna © Maja Christ
Die Lange Anna

Wir können uns kaum lösen von dem Anblick, doch irgendwann wandern wir weiter, vorbei an dem markanten Brandungspfeiler, der „Langen Anna“. Überall auf den Bänken sitzen Menschen, die den Vögeln lauschen oder auf den Sonnenuntergang warten. Aber voll ist es mitnichten.

Der Klippenrandweg führt uns weiter um die Inselspitze und zurück zum Ort.

Blick zur Düne vom Klippenrandweg Helgoland © Maja Christ
Blick zur Düne vom Klippenrandweg

Kurz überlegen wir, uns ein Restaurant zu suchen, entscheiden uns dann aber dafür, gemütlich am Zelt zu kochen. Eine Portion Nudeln haben wir dabei. Bis die nächste Fähre abfährt, haben wir aber noch etwas Zeit und so setzen wir uns ein wenig an die Promenade.

Die markanten Hummerbuden von Helgoland © Maja Christ
Die markanten Hummerbuden von Helgoland

Ausklang des Tages auf der Düne

An den Waschräumen gibt es mehrere Sitzgruppen und an einer davon kochen wir kurz darauf unser Abendessen – mit Blick auf einen wunderschönen Mond.

Helgoland bei Nacht © Maja Christ
Der Leuchtturm auf der Hauptinsel dreht seine Runden.

Müde, satt und glücklich rollen wir uns bald in unsere Schlafsäcke, bevor uns die Mücken aufessen können.

Tag 4: Rückflug von Helgoland nach Mosbach

Am nächsten Morgen werden wir von dem Piepen der Warnlampen geweckt – der Flugplatz hat geöffnet und die ersten Maschinen sind im Anflug. So gemütlich, wie wir am Abend Nudeln gekocht haben, kochen wir nun Espresso. Im Shop haben wir zudem Brötchen ergattert. Das Wetter ist fantastisch. Was will man mehr?

Frühstück!

Vor der Mittagspause wollen wir uns auf den Rückweg machen. Wir teilen uns auf: Während der eine die Flugvorbereitung übernimmt, zahlt der andere die Campinggebühren und beginnt, das Zelt abzubauen.

Wie tricky der Anflug sein kann, bekommen wir kurz vor unserem Start mit: Zwei Piloten mit einem UL, die an diesem Morgen gelandet sind, hatten Probleme mit ihrer Bremse.

Gegen halb zwölf haben wir die MESY fertig gepackt und gecheckt. Diesmal nehme ich Platz auf dem Pilotensitz und um zehn vor zwölf sind wir in der Luft.

© Christ/Chavarría
Gerade von Helgoland gestartet
Helgoland im Rückspiegel © Maja Christ
Tschüss, Helgoland! Bis zum nächsten Mal!

Der Rückflug ist weitgehend ruhig. Wir tanken kurz in Heide-Büsum EDXB und lassen unseren Flugplan schließen, dann geht es weiter gen Süden.

Cuxhaven in Sicht © Christ/Chavarría
Cuxhaven in Sicht

Über dem Festland ist das Wetter nicht so prickelnd, aber nicht vergleichbar mit den Bedingungen von vor zwei Tagen. Allerdings, so erfahren wir bei unserem zweiten Tankstopp in Höxter, haben es heute Morgen einige Piloten nicht geschafft, zu ihrem Tagesausflug nach Helgoland durchzukommen. Wir haben wohl das richtige Fenster erwischt, um durch die Mittelgebirge zu fliegen.

Der arme Fluglotse von FIS auf der 119.150 wirkt ziemlich müde, als wir auf seiner Frequenz ankommen. Verkehrsinformationen sind nur eingeschränkt möglich und die Flugzeuge, die unseren Weg kreuzen, kann er vor lauter Arbeit gar nicht mehr melden. In Gelnhausen ist an diesem Wochenende Flugplatzfest und dementsprechend ist rund um den Platz einiges los. Wir nehmen etwas Abstand und können aus der Ferne sogar noch einen Segel-Kunstflug beobachten.

MESY in Mosbach © Maja Christ
Wieder in Mosbach

Kurz nach 18 Uhr sind wir wieder in Mosbach und können die MESY waschen und in die Halle räumen. Jetzt stehen uns noch knapp anderthalb Stunden Autofahrt bevor. Am morgigen Sonntag soll es Starkregen und Gewitter in halb Deutschland geben.

Übrigens habe ich nicht bemerkt, dass die Filmkamera die ganze Zeit auf Zeitraffer stand. 😦
All die Aufnahmen von den Starts und Landungen und den Vogelfelsen sind … extrem kurz. Da hilft nur eines:

Helgoland, wir kommen wieder!

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