Rezension: Die Pilotin

Als die junge US-amerikanische Pilotin Nancy 1942 von Jacqueline Cochran für den Einsatz in der „Air Transport Auxiliary (ATA)“ vorgeschlagen wird und nach England geht, ahnt sie nicht, welche Folgen ihr Aufenthalt haben wird. „Die Pilotin“ ist ein fesselnder und mitreißender Roman über tiefe Liebe, dunkle Familiengeheimnisse und die Leidenschaft des Fliegens.

Amelia Carr: Die Pilotin

Amelia Carr: Die Pilotin

Im Jahr 1942 macht die junge Amerikanerin Nancy während ihrer Ausbildung zur ATA-Pilotin auf einer Wiese in der englischen Provinz Bruch und landet mitten im Herz ihres Vorgesetzten James „Mac“ Mackenzie. Doch beide sind bereits gebunden und so versuchen sie, gegen ihre Gefühle anzukämpfen.

Erst im Alter von 84 Jahren vertraut Nancy ihrer Enkelin Sarah Teile ihrer Lebensgeschichte an. Nach und nach kommen über Jahrzehnte streng gehütete Familiengeheimnisse ans Licht. Sie drohen, das Fundament der Familie zu erschüttern. Ein weiteres Mal, denn indem sie Manches für sich behalten hatte, hatte Nancy es zugelassen, dass aus der Unwissenheit ihrer Kinder mit der Zeit ein Verdacht keimte, „der sich durch die dunklen Ecken des Geistes nagte und sich von Lügen und Halbwahrheiten nährte“.

Der Roman wechselt in den Zeitebenen und Erzählperspektiven: Mal erzählt die aus England stammende Autorin Amelia Carr aus der Ich-Perspektive der Figuren, mal aus der auktorialen Perspektive. Doch trotz des Wechsels der Zeiten, Figuren und Perspektiven kann man der Geschichte gut folgen. An einigen Stellen mag die Handlung etwas langatmig sein und vielleicht wäre auch der ein oder andere Handlungsstrang nicht nötig gewesen, doch aus meiner Sicht tut dies der gesamten Geschichte keinen Abbruch – spannend bleibt es bis zum (traurigen) Ende.

Die Autorin ist selbst Pilotin und vermag es, die Leidenschaft des Fliegens in ihre Geschichte einfließen zu lassen – auch wenn die Liebes- und Lebensgeschichte der Hauptfiguren den eigentlichen Mittelpunkt des Romans bilden. Ich habe einiges über die ATA und die Aufgaben ihrer Pilotinnen und Piloten während es Zweiten Weltkrieges gelernt und es war durchaus spannend, Kriegsgeschehnisse einmal aus einer weiblichen Sicht heraus zu lesen.

Alles in allem ist Amelia Carr ein spannender und emotionaler Roman gelungen.

Triggerwarnung: In diesem Roman spielt das Thema Selbstmord eine zentrale Rolle.

Amelia Carr: Die Pilotin.
Roman. 624 Seiten. Lübbe. 2. Auflage 2021.
Taschenbuch: 11 Euro. ISBN 978-3-404-18389-0.
Ebook: 8,99 Euro. ISBN: 978-3-751-70147-1.

https://www.luebbe.de/

Ursprünglich erschienen unter dem Titel „Ein kleines Stück vom Himmel nur“
Originaltitel: Dance with Wings (2008)

Hintergrundinformation zur Air Transport Auxiliary (ATA)

Die ATA war eine britische Zivilorganisation zur Lufttransportunterstützung im Zweiten Weltkrieg. Sie umfasste ca. 1300 Piloten aus 25 Nationen, deren Aufgabe vor allem darin bestand, Flugzeuge der Royal Air Force (RAF) und Personal zu überführen sowie Ambulanzflüge zu übernehmen.

Die Piloten, zu denen neben Veteranen aus dem Ersten Weltkrieg überdurchschnittlich viele Frauen gehörten, flogen während des Kriegsgeschehen etwa 300.000 Flüge. Die ATA gilt als als erste britische Regierungsorganisation, die ihren Pilotinnen ab 1943 den gleichen Lohn wie ihren männlichen Kollegen zahlte.

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