Ausflug zur Nord- und Ostsee: Baltrum und Sierksdorf

Die Corona-Beschränkungen werden langsam gelockert, das Wetter macht erste Schritte in Richtung Sommer und unsere Kinder haben Pfingstferien. Beste Voraussetzungen für einen Ausflug ans Meer. Mögliche Ziele gibt es viele, letztendlich entscheiden wir uns für Baltrum und Sierksdorf.

Schlechtes Wetter und Corona-Beschränkungen erschweren die Planung

Ich kann mich nicht erinnern, jemals einen so kalten und windigen Frühling erlebt zu haben. Selbst Ende Mai ist es noch viel zu kühl für die Jahreszeit. Doch nach Pfingsten und zum Junianfang soll es wärmer und sonniger werden. Ein Ausflug mit unseren Kindern zum Meer in den Pfingstferien wäre eine schöne Sache. So stehen wir, mal zu Zweit, mal zu Viert vor unserer Deutschlandkarte und planen. Ostsee und Nordsee lachen uns an. Warum nicht beides anfliegen? Wir konnten schließlich zwei C42 für viereinhalb Tage bei easy-bird reservieren, da steht einem doch alles offen. Alles?

ICAO-Karte mit grober Routenplanung © Maja Christ
Unsere geplante Route

Fast alles. Denn die Corona-Beschränkungen werden gerade erst peu à peu gelockert und unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland. In den nächsten Tagen telefoniere ich mich durch die Flugplätze. Meck-Pomm fällt als Übernachtungsziel weg, da die Beherbergungsbeschränkungen erst im Juni gelockert werden sollen, wenn unsere Kinder schon wieder Schule haben. Fehmarn ist Schleswig-Holstein, wo man nur einen negativen Coronatest benötigt (nicht älter als 72 Stunden), doch da dürfen wir nicht mit den Ultraleichtflugzeugen landen. Grube würde uns aufnehmen, doch der Strand ist nicht gerade um die Ecke. Sierksdorf/Hof-Altona EDXT hört sich gut an – zu Fuß sind es etwa anderthalb Kilometer zum Strand. Wir fragen an, ob wir am Platz zelten dürfen. Positiv. Damit wäre ein Übernachtungsziel an der Ostsee geklärt.

Und an der Nordsee? Föhr wäre schön, doch am Flugplatz können wir (aufgrund der Beherbergungsregelungen) diesmal (noch) nicht zelten und so kurzfristig bekommen wir kein Zimmer für eine Nacht. Dann Ostfriesland? Niedersachsen lässt zunächst nur Einheimische übernachten, dann lockern sich die Corona-Bestimmungen und auch Auswärtige dürfen kommen, solange sie einen negativen Coronatest vorzeigen können. In Niedersachsen darf er allerdings nicht älter als 24 Stunden sein. Ein paar Telefonate später erfahre ich, dass auch Baltrum EDWZ uns aufnimmt und wir am Platz zelten können.

Unsere Kinder erklären, sie würde auch gerne mal über Berlin fliegen. Sollen wir auf dem Hin- oder Rückweg einen Tankstopp an der Bienenfarm machen? Wir behalten es im Hinterkopf und werden auch die ICAO-Blätter für Rostock und Berlin mitnehmen. Außerdem beschließen wir, auf dem Hinweg und evtl. auch auf dem Rückweg Halt in Höxter-Holzminden EDVI zu machen, um meinen Vater zu besuchen.

Samstag, 29. Mai: Auf nach Höxter-Holzminden EDVI

Am Samstagmorgen radeln wir erst einmal mit der ganzen Familie zum Corona-Schnelltest und machen uns dann nach dem Mittagessen mit vier negativen Testergebnissen in der Tasche auf den Weg zum Flugplatz Mosbach-Lohrbach EDGM.

Günter Holl ist auch am Platz, um mit einem Flugschüler Platzrunden zu schrubben. Wir packen derweil unsere Siebensachen in die MURY und die MESY und schieben die beiden C42 B zur Tankstelle. Was nach dem Tanken passiert, können wir allerdings zunächst nicht glauben. Während Andrés die MESY zurück vor die Halle schiebt, damit ich die MURY tanken kann, hören wir ein deutliches „Pfft“. Dann steht die MESY schief – Reifen platt. Ungläubig starren wir auf den Plattfuß. Dann schieben wir mühsam das Flugzeug in die Halle zurück, wo uns zwei Mosbacher Piloten gleich helfen, die MESY aufzubocken und das Rad abzuschrauben.

Glücklicherweise landet auch bald Günter, der sich schon wundert, warum die MESY wieder in der Halle steht. Wir holen das Ersatzrad aus der MURY, bald ist es an der MESY und wir können mit leichter Verspätung starten. Danke an Martina, Detlef und Günter für die Unterstützung!

Ich starte mit unserem Jüngsten vorneweg und nehme gleich Kurs auf Höxter. Den Weg kennen wir inzwischen schon recht gut, der Flug ist relativ unspektakulär. Einzig den vielen kreisenden Segelflugzeugen gilt es großräumig auszuweichen. Wir fliegen vorbei an Aschaffenburg, Fritzlar und Kassel und können irgendwann die Weser sehen. Ich meine auch schon, den Räuschenberg zu erkennen.

Nach etwa zwei Stunden Flugzeit drehe ich in den Endanflug zur 31 und kämpfe mich mit Seitenwind zur Landung. „Dein Vater sitzt schon neben mir“, werde ich über Funk von Flugleiter Christoph begrüßt. „Viele Grüße.“

Kurz nach mir landen auch Andrés und unser Großer mit der MESY, wir begrüßen meinen Vater und beginnen, unser Nachtlager aufzubauen.

Flugplatz Höxter-Holzminden EDVI © Maja Christ
Ankunft in Höxter-Holzminden

Mein Vater ist reich bepackt mit Leckereien zum Flugplatz gekommen. Während Andrés und ich die Flugzeuge tanken, kocht er gemeinsam mit unseren Jungs das Abendessen. Scharf und lecker! Wir essen und erzählen bis in die späten Abendstunden.

Gleitschirmflieger im Abendlicht © Maja Christ
Abendstimmung am Räuschenberg

Nachdem mein Vater aufgebrochen ist, machen wir gemeinsam mit unseren Kindern einen Spaziergang über den Flugplatz. Es wird langsam dunkel und Sonne und Himmel geben alles, was sie an Farbenspiel aufbringen können.

Köterberg © Maja Christ
Köterberg im Abendrot

Als wir letztes Jahr hier waren, wurde am Platz eine Nachtbefeuerung installiert. Nun sehen wir die Leuchten am Pistenrand und sind gerade auf dem Rückweg über die Asphaltpiste, als alle Lampen angehen und vom Tower Reinhard Meys „Über den Wolken“ ertönt – ein Test der Anlage. Auch wenn die Musik etwas übersteuert ist, hat es etwas sehr Bewegendes, so über den Platz zu schlendern.

Sonntag, 30. Mai: Zur Nordsee nach Baltrum EDWZ

Am nächsten Morgen werden wir früh wach und kochen einen ersten Kaffee. Bald kommt auch mein Vater noch einmal – diesmal mit Brötchen und Kuchen für das Frühstück. Vielen Dank, Papa!

Familienfrühstück am Flugplatz © Maja Christ
Familienfrühstück hinter der „Springerhütte“ am Flugplatz

Über dem Norden hängen noch tiefe Wolken – gerade 700 Fuß hoch sollen sie sein. Gegen Mittag ist Besserung angesagt. Ich rufe am Flugplatz Baltrum an, um unsere Ankunft zu bestätigen und erfahre, dass der Flugleiter ebenfalls zuversichtlich ist, dass es aufklart, bis wir ankommen.

Nachdem unser Nachtgepäck wieder in den Flugzeugen verstaut ist, machen wir uns also auf den Weiterflug. Diesmal übernimmt Andrés die Führung.

Flugplatz EDVI, Piste 31 © Maja Christ
Andrés startet auf der 31, dann folgen wir.
Köterberg © Maja Christ
Der Köterberg bei Tag

Mein Copilot ist begeistert vom Köterberg, den er bislang nur von unten kannte (man sieht ihn vom Wohnzimmerfenster meines Elternhauses), und all den anderen Sehenswürdigkeiten. Bald taucht vor uns Porta Westfalica mit dem markanten Weserdurchbruch auf.

Porta Westfalica: Wiehengebirge mit Kaiser-Wilhelm-Denkmal © Maja Christ
Porta Westfalica: das Wiehengebirge mit dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal

Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal auf dem Wittekindsberg gehört, wie ich später lese, zu den bedeutendsten Nationaldenkmälern Deutschlands. Ich sehe es heute zum ersten Mal aus der Luft.

Flugplatz Ahlhorn © Maja Christ
Der ehemalige Militärflugplatz Ahlhorn

Von 13 bis 15 Uhr ist in Baltrum Mittagspause und unsere Zeitplanung besagt, dass wir wahrscheinlich erst kurz nach 13 Uhr ankommen werden. Also geben wir etwas mehr Gas, damit wir keinen Zwischenstopp einlegen müssen – wobei ein Stopp in Leer-Papenburg natürlich auch nett wäre.

Glücklicherweise ist die Kontrollzone vom Fliegerhorst Wittmundshafen offen, wie man mir über FIS bestätigt, und wir können den direkten Weg nach Baltrum nehmen. Die 2500 Fuß über die Kontrollzone würden wir heute nicht schaffen, denn die Wolkendecke ist hier am Meer immer noch tief und erreicht kaum 1000 Fuß.

Trotz der niedrigen Wolkendecke ist Baltrum bald in Sicht. Gemeinsam überqueren wir das Watt.

MESY im Anflug auf Baltrum © Maja Christ
Die MESY im Anflug auf Baltrum

Weniger der Wind als ein kreuzender Hase machen den Anflug heute spannend. Fünf nach eins landen wir einer nach dem anderen auf der kurzen Piste des Baltrumer Flugplatzes. Danke, dass man uns noch reingelassen hat!

Anflug auf Baltrum
Anflug auf Baltrum
MESY und MURY © Maja Christ
MESY und MURY
Flugplatz Baltrum © Maja Christ
Wir sind auf Baltrum angekommen.

Auf dem Rasen stehen noch einige Maschinen – viele nutzen das Wetter für einen Ausflug auf die Inseln. Auch eine Boeing-Stearman ist da. Schicker Flieger!

Boing-Stearman © Maja Christ
Boing-Stearman: ein Doppeldecker-Schulflugzeug aus den 1930ern

Wir sind glücklich, noch vor der Mittagspause angekommen zu sein und machen uns gleich auf den Weg über die Insel.

Gezeiten-Schaubild auf Baltrum © Maja Christ
Hier werden die Gezeiten anschaulich erklärt.
Baltrumer Yachthafen © Maja Christ
Andrés am Yachthafen
Baltrum © Maja Christ
Es ist ruhig auf Baltrum.

Von unserem letzten Ausflug nach Baltrum kennen wir Baltrum bereits ein wenig und suchen einen Platz, wo wir essen können. Es ist zwar nicht voll auf der Insel, doch bislang darf nur Außengastronomie öffnen und die Stellen, die offen haben, sind um die Mittagszeit gut besucht. Im „Mittendrin Fisch“ finden wir Platz an zwei Tischen und bestellen Dreierlei Matjes mit Bratkartoffeln (wir Erwachsenen) bzw. Backfischbrötchen (unsere Kinder).

Während wir essen, räumt eine Silbermöwe geschickt einen nahegelegenen Mülleimer aus, doch das Richtige findet sie nicht. Ich beobachte das Schauspiel fasziniert und genieße meinen Fisch.

Mittendrin Fisch Baltrum © Maja Christ
Wir essen beim „Mittendrin Fisch“

Bis zu unserem Corona-Test auf der Insel, den ich vorab gebucht habe, haben wir noch reichlich Zeit für den Strand. Kalt und windig ist es und nur wenige wagen sich ins Wasser.

Doch zum Spazieren und Ausruhen vom Flug ist es genau richtig. Wir nutzen die Zeit, uns nach dem Spaziergang in den Sand zu legen und etwas zu dösen.

Kühler Strand © Maja Christ
Heute kommen nur die Füße ins Wasser.
Kutter mit vielen Möwen
Kutter mit vielen Möwen
Baltrumer Strand © Maja Christ
Noch ist es bewölkt und kühl.

Das Testzentrum ist im „Haus des Gastes“ untergebracht und gut organisiert. Wir müssen kaum warten, werden registriert, getestet und können zurück zum Strand. Als wir eine halbe Stunde später unsere negativen Testergebnisse abrufen können, liegen wir bereits an der gleichen Stelle wie zuvor im Sand und genießen die Sonne, die inzwischen ihren Weg durch die Wolken gefunden hat.

Baltrumer Strand © Maja Christ
Die Sonne kommt.
Baltrumer Strand © Maja Christ
Baltrumer Strand
Chillen am Strand © Maja Christ
Wir genießen den Strand.
© Maja Christ
Zum Buddeln ist man nie zu groß.

Unsere Kinder buddeln ein tiefes Loch. Sie sind ganz in ihrem Element … Wir Erwachsenen chillen derweil.

Dann wird es Zeit, sich auf den Rückweg zum Flugplatz zu machen, um die Zelte aufzubauen. Inzwischen sind unsere beiden C42 die einzigen Flugzeuge am Platz – vom Inselflugzeug, der D-ELKU, einmal abgesehen. Der Flugleiter kommt extra für uns noch einmal zum Flugplatz, um uns die Toiletten aufzuschließen und zu erklären, wo wir duschen können. Danke!

Unser Jüngster möchte gerne noch einmal ins Watt und während Andrés sich mit unserem Großen in eine windgeschützte Ecke legt, um weiter zu chillen, mache ich mich mit Sohn 2 erneut auf den Weg.

Baltrumer Flugplatz © Maja Christ
Unser Schlaflager am Baltrumer Flugplatz

Am Yachthafen möchten wir zunächst sehen, wo wir duschen können und ob wir dafür noch Geld wechseln können – unser Vorrat an 50-Cent-Stücken reicht nämlich gerade für ein Familienmitglied. Vom Bootsclub sind noch einige Männer mit ihrem Bier da, die uns gleich freundlich erklären, dass wir hier nicht am „Yachthafen“ seien, da der sich nämlich ganz woanders befände, sondern am „Bootsclub“. Doch duschen können wir natürlich – gegen einen Obulus, versteht sich. Ob dieser Obulus nötig sei oder nicht, da sind sich die drei Herren zunächst nicht ganz einig, doch man wechselt uns bereitwillig 50-Cent-Stücke und drückt mir geschäftsmäßig sogar noch eine Quittung für den „Putzobulus“ in die Hand. Ein Feierabendbier wollen sie mir jedoch nicht verkaufen und zumindest einer der drei hat seinen Spaß dabei, uns Touristen-Flieger gehörig zu veräppeln. Es war wohl nicht das erste Bier des Tages, das er neben sich stehen hatte und ich versuche, es mit Humor zu nehmen.

am Westkopf © Maja Christ
Miniwattwanderung am Westkopf

Am Westkopf angekommen ziehen mein Sohn und ich uns die Schuhe aus und laufen ein wenig durch den Schlick. Es ist nicht die große Wattwanderung wie auf Föhr vor einem Jahr, aber zu entdecken gibt es etwas. So gibt es beispielsweise viele kleine Quallen: Eine Blaue Nesselqualle entdecken wir und einige, von denen ich vermute, dass es sich um Gelbe Haarquallen handeln könnte.

Zurück am Flugplatz kochen wir gemeinsam Abendessen und suchen dann noch einmal die Duschen des Bootsclubs auf. Lange können wir heute Abend nicht neben den Zelten sitzen. Jetzt, wo die Sonne weg ist, ist der Wind frisch und die Luft kalt.

Abendessen am Flugplatz © Maja Christ
Abendessen am Flugplatz

Montag, 31. Mai: Es geht an die Ostsee über Heide-Büsum EDXB nach Sierksdorf/Hof-Altona EDXT

Am nächsten Morgen haben wir einen weiteren Testtermin. Wieder sind wir schnell fertig. Im Anschluss besorgen wir beim Bäcker noch Frühstück und etwas Wegzehrung und frühstücken an den Flugzeugen.

Gegen halb elf kommt der Flugleiter und wir können Richtung Heide-Büsum starten. Heute ist es sonnig und deutlich wärmer als am Vortag.

Baltrum © Maja Christ
Tschüss, Baltrum. Bis zum nächsten Mal!
Langeoog © Maja Christ
Langeoog

Ich fliege voraus, immer den Inseln entlang und dann Richtung Neuwerk und St. Michaelisdonn. Über dem Wasser ist es noch ruhig.

MESY über dem Meer © Maja Christ
Andrés fliegt mit der MESY hinter uns …
Flug am Meer © Maja Christ
… und eine Weile neben uns.
Neuwerk © Maja Christ
Neuwerk

Sobald wir über dem Festland absteigen, wird es ruppig. Heide-Büsum ist jedoch bald in Sicht, wir gehen einer nach dem anderen in die Platzrunde und landen nach etwas über einer Stunde Flugzeit über die 11, um unsere Tanks wieder aufzufüllen.

Ich wage es nicht, den Flugleiter auf die ARD-Produktion „Die Küstenpiloten“ anzusprechen, die 2019 hier gedreht wurde. Ich persönlich fand die Doppelfolge nicht besonders anspruchsvoll und hatte mich vor allem auf den fliegerischen Background gefreut. Das war für einen echten Piloten jedoch eine Katastrophe – bei den Funksprüchen zuckte sogar ich jedes Mal zusammen. Immerhin waren die Luftaufnahmen schön.

Kurz überlegen wir noch, ein Krabbenbrot zu bestellen, doch großen Hunger haben wir noch nicht. Vielleicht ein andermal.

Tankstopp in Heide-Büsum
Tankstopp in Heide-Büsum

Nach anderthalb Stunden Pause machen wir uns auf den Weiterflug. Ich habe inzwischen noch einmal Kontakt mit dem Flugleiter von Sierksdorf, Heinz-Dieter (Hennes) Bonsmann, aufgenommen, um unsere Ankunftszeit zu bestätigen, denn der Platz ist PPR. Er hatte bereits versucht, mich zu erreichen, doch mein Handyakku ist am Limit angekommen und läd nun während des Weiterfluges ein wenig.

Holsteinische Schweiz mit Wankendorf © Maja Christ
Die Holsteinische Schweiz mit Wankendorf
Holsteinische Schweiz mit Belauer und Stolper See sowie dem Großen Plöner See im Hintergrund © Maja Christ
Holsteinische Schweiz mit Belauer und Stolper See sowie dem Großen Plöner See im Hintergrund

Als wir über die Holsteiner Seenplatte fliegen, muss ich an meine Klassenfahrten in der 7. und 8. Klasse zurückdenken und wie wir damals am Plöner See mit der ganzen Klasse den Segelgrundschein gemacht haben. Das war eine tolle Erfahrung, doch seitdem bin ich nicht mehr gesegelt.

Dann ist die Ostsee in Sicht, ich kann mich in Sierksdorf melden und werde über Funk begrüßt. Wir sollen am besten gleich zwischen dem ersten und zweiten Reiter aufsetzen, da das Gras der Piste noch recht feucht sei, erfahren wir. Das wird spannend, denn über den Baum im Landeanflug möchte ich nicht zu tief anfliegen. Das erste Mal setze ich tatsächlich noch vor dem zweiten Reiter auf, bin jedoch gleich wieder in der Luft. Die Piste ist abschüssig und wellig. Lustig.

Als ich aussteige, kommt der Flugleiter Bonsmann direkt auf uns zu und begrüßt mich. „Beim Deutschlandflug hätte das 100 Punkte gegeben“, sagt er. „Für die erste oder die zweite Landung?“, möchte ich wissen. „Ach, das Hopsen? Das ist hier normal“, erfahre ich.

Die MESY im Anflug auf Sierksdorf/Hof-Altona © Maja Christ
Die MESY im Anflug auf Sierksdorf/Hof-Altona

Andrés landet ebenfalls und stellt die MESY neben der MURY ab, dann folge ich dem Flugleiter, um unsere Gebühren zu bezahlen und „einzuchecken“. Wie auch auf Baltrum ist die Luca-App hier verbreitet, um Kontaktverfolgungen zu ermöglichen.

Die PPR-Gebühren betragen 10 Euro pro Flugzeug und Lande-/Startvorgang und auch für die Zelte zahlen wir jeweils 10 Euro. „Sonst bekommen wir Ärger mit den umliegenden Campingplätzen“, erzählt der Flugleiter. Er gibt mir den Toilettenschlüssel für die Nacht. Duschen hat der Platz nicht, aber wir könnten am Strand duschen. Zum Strand sind es etwa anderthalb Kilometer. Ob wir Fahrräder leihen möchten? Da wir nicht weiter in den Ort oder etwa zum nahegelegenen Hansapark wollen, lehne ich dankend ab. Dann erfahre ich noch, wo wir etwas essen können. Sobald ich die Badesachen aus der MESY geholt habe, machen wir uns auf den Weg.

Flugplatz Sierksdorf/Hof-Altona © Maja Christ
Gemütlich und heute sehr ruhig: Flugplatz Sierksdorf/Hof-Altona
Flugplatz Sierksdorf/Hof-Altona © Maja Christ
Wir machen uns auf den Weg zum Strand.

Der Weg zum Strand führt an der Straße entlang. Rechts und links sind Wiesen und Wald, bald gibt es auch einen Grünstreifen, damit man nicht direkt auf der Straße laufen muss.

Es ist das erste Mal, das wir an der Ostsee sind. Sie ist heute auf jeden Fall deutlich ruhiger als die Nordsee am Tag zuvor. Doch bevor wir an den Strand gehen, holen wir uns am Kiosk „Ostseeblick“ vier Fischbrötchen und etwas zu Trinken.

Strand Sierksdorf © Maja Christ
Strand Sierksdorf

Die Sonne hat noch gute Kraft, wir haben bereits vom morgendlichen Spaziergang auf Baltrum einen leichten Sonnenbrand im Gesicht und am Strand bieten nur die Strandkörbe Schatten. Das wäre doch eine gute Gelegenheit, nach dem Essen zwei Strandkörbe zu mieten.

Da es nur wenige Parkplätze gibt, ist der Sierksdorfer Strand nicht so überlaufen, habe ich gelesen. Für die Nutzung des Strandes sollen Erwachsene 2,90 Euro zahlen, jetzt ist noch Vorsaison, da sind es 1,45 Euro. Doch der Automat, bei dem man die Karten ziehen kann, wechselt nicht. Am Kiosk erfahren wir, dass wir keine Karten kaufen müssen, da jemand vorbei käme und abkassiere. Der habe jedoch schon Feierabend. Also müssen wir nur die die Strandkorbgebühren zahlen – je 6 Euro für zwei Stunden. Die Strandkorbvermieter scheinen froh zu sein, dass kurz vor Feierabend noch eine Familie kommt. Man merkt, dass Corona- und Wetterbedingt wohl noch nicht viel los war in der letzten Zeit.

Um diese Zeit ist fast nichts mehr los am Strand.

Meine Jungs und ich hüpfen gleich ins Wasser. Klar ist es frisch, aber nicht zu vergleichen mit der Nordsee. Wir baden, tauchen ein wenig und genießen das Kühle Nass.

Bald kommt auch Andrés ins Wasser, während unsere Jungs im Sand buddeln und im Strandkorb chillen.

Strand Sierksdorf © Maja Christ
Wir genießen den Platz im Strandkorb.

Als die Sonne langsam sinkt, wird es auch hier wieder frisch und wir beschließen, uns auf den Heimweg zum Flugplatz zu machen, um unser Nachtlager aufzubauen.

Abendstimmung am Flugplatz Sierksdorf/Hof-Altona © Maja Christ
Abendstimmung am Flugplatz Sierksdorf/Hof-Altona

Wieder haben wir den gesamten Flugplatz für uns. Die Sonne geht unter und beschert uns ein neues buntes Farbenspektakel am Himmel.

Sonnenuntergang © Andrés Chavarría
Sonnenuntergang am Flugplatz

Dienstag, 1. Juni: wieder nach Höxter-Holzminden EDVI

Ich bin noch nicht ganz wach, da fällt mir auf, dass wir vergessen haben, eine Kleinigkeit fürs Frühstück zu besorgen. Sollen wir noch einmal nach Sierksdorf laufen und einen Bäcker suchen? Oder frühstücken wir einfach eine Tütensuppe? Wir wählen die Tütensuppen, die wir für alle Fälle dabei haben.

Morgens am Flugplatz © Maja Christ
Zeit fürs Frühstück

Nach drei Espresso und der Suppe machen wir uns an die Routenplanung. Wo sollen wir zwischentanken? Oder heben wir uns den Schlenker über Berlin für einen anderen Ausflug auf, etwa, wenn wir unsere Kinder einmal nach Anklam mitnehmen? Unsere Jungs haben nichts dagegen, möglichst direkt gen Heimat zurückzufliegen. Die Nord- und Ostsee waren toll, aber jetzt möchten sie doch bald wieder an ihre Computer und zu ihren Freunden, sagen sie.

Flugvorbereitung am Morgen © Maja Christ
Flugvorbereitung am Morgen

Da wir für größere Umwege nicht genug Sprit haben, beschließen wir, direkt nach Höxter zu fliegen, wo wir eine weitere Nacht verbringen wollen.

Wir sind fast abflugbereit, als Flugleiter Hennes Bonsmann am Platz ankommt, um uns starten zu lassen. Doch unser Abflug verzögert sich dann noch etwas, da wir bald mit ihm in ein angeregtes Gespräch vertieft sind. Wir erfahren, dass er Pilot bei der Lufthansa war und viele Jahre die JU 52 geflogen ist. Auch einen Stieglitz hat er mal besessen. Spannend. Gebannt lauschen wir seinen Geschichten, bis es Zeit wird, aufzubrechen. Danke an die Sierksdorfer und Hennes Bonsmann für die nette Aufnahme.

Auch wenn es ein kurzer Aufenthalt war, haben wir es sehr genossen und kommen gerne einmal wieder, wenn es sich ergibt.

Start in EDXT © Maja Christ
Die MESY kurz vor dem Abflug: Gleich geht es wieder los.

Wir starten mit leichtem Rückenwind bergab und beim ersten größeren Hopser hoffe ich, dass die Fahrt ausreicht, um in der Luft zu bleiben.

Piste Sierksdorf/Hof-Altona © Maja Christ
Andrés startet vor uns bergab auf der 21

Sie reicht und ich folge Andrés der Autobahn entlang und dann Richtung Ostsee, um einmal die Bucht bis Neustadt abzufliegen, wie Hennes Bonsmann uns empfohlen hat. Dann wenden wir, damit auch mein Co noch einmal den Strand sehen kann.

Sierksdorf © Maja Christ
Sierksdorf und der Flugplatz – letzterer kaum zu erkennen vor dem Süseler See
Neustadt in Holstein © Maja Christ
Neustadt in Holstein
Rückblick im Flugzeug © Maja Christ
Rückblick

Mein Co fotografiert eifrig Vater und Bruder in der MESY, die inzwischen Kurs auf Lübeck genommen haben.

C42 über der Lübecker Bucht © Maja Christ
Andrés mit der MESY über der Lübecker Bucht
Lübecker Altstadt © Maja Christ
Lübecker Altstadt mit Holstentor

Bereits über Lübeck beginnt meine Blase, sich zu melden und ich fühle mich so, wie meine Hauptfigur Rosa sich auf der ersten Etappe auf ihrem Flug nach Föhr gefühlt haben könnte:

Bald passierten wir den Kassler Flughafen und ich merkte, wie meine Blase zu drücken begann.
»Rosa, alles in Ordnung? «, fragte Max. »Du bist so unruhig.«
»Ich hätte wohl nicht so viel Kafee trinken dürfen«, murmelte ich. Max lachte und ich lief rot an. Na prima. »Was?«, maulte ich und rutschte tiefer in meinen Sitz.
»Hältst du es noch 30 bis 40 Minuten aus oder soll ich einen Platz für eine Zwischenlandung suchen?«
»Ich weiß nicht«, gab ich zu. So was aber auch. Warum gab es bei diesen kleinen Flugzeugen denn keine Bordtoilette wie in einem Passagierflugzeug?
»Ich hätte auch nichts gegen einen Toilettenstopp. Warte, ich funke mal Rudi an. Dafür haben wir ja die Bord-Bord-Frequenz.« Max nestelte am Funkgerät herum und sagte dann: »Delta-Alfa-Whiskey für Delta-Mike-India?«
»Max, was gibt’s? Alles in Ordnung bei euch?«
»Ja, wir würden nur gerne eine kleine Routenänderung machen und in …« Er fuhr mit dem Finger über die Karte. »… in Höxter-Holzminden einen Zwischenhalt einlegen.«
»In Ordnung, dann gehen wir da ebenfalls runter. Bis gleich!«
Ich war Max unendlich dankbar, dass er über Funk nicht den Grund für die Zwischenlandung dargelegt hatte. Obwohl Leni und Rudi es sich sicher denken konnten.
»Bist du schon einmal da gelandet, in diesem … Haxe-Holzdingbums?«, wollte ich wissen.
»In Höxter-Holzminden?«, korrigierte Max mich. »Nein, noch nie.«
»Oh«, erwiderte ich. Max kannte den Flugplatz nicht, wusste nicht, ob er irgendwelche Tücken hatte. »Ähm, wir können auch ruhig bis Porta Westfalica weiterfliegen«, meinte ich, obwohl der Druck in meiner Blase etwas anderes sagte.

aus „Rosa startet gegen den Wind“

Kurz vor Hildesheim meldet Andrés sich über die Bord-Bord-Frequenz. Wir hatten ausgemacht, den Platz als Tankstopp anzusteuern, sollten wir mehr Gegenwind als erwartet haben. Doch wir liegen gut in der Zeit, die Tanks sind noch ausreichend gefüllt und wir beschließen, weiterzufliegen. Sehnsüchtig sehe ich nach unten auf den Flugplatz Hildesheim. Die hätten bestimmt eine Toilette für mich gehabt. Aber bis Höxter ist es ja auch nicht mehr weit. Immerhin sieht man schon den Ith.

Flugplatz Ithwiesen © Maja Christ
Flugplatz Ithwiesen

Wir passieren den Ith und meine alte Heimat Holzminden und ich zeige meinem Sohn die Siedlung, in der ich aufgewachsen bin. Von unten kennt er sie ziemlich gut von den zahlreichen Besuchen bei seinen Großeltern, von oben noch nicht.

In Höxter meldet sich zunächst die automatische Ansage, die uns über die 13 schicken möchte. Kurz darauf ruft jedoch jemand, wir sollen die Ansage ignorieren, der Windsack stehe eindeutig auf 31. Dann nehmen wir doch die Ansage der realen Person und fliegen die 31 ein. Der Automat funkt uns noch ein paar Mal dazwischen, aber wir ignorieren ihn einfach.

Als erstes gönnen wir uns alle nach der Landung ein Eis, dann koche ich eine Kleinigkeit in der „Springerhütte“, die wir freundlicherweise wieder nutzen dürfen. Gegen Abend kommt mein Vater und es gibt Pizza und überbackenes Baguette für die ganze Familie.

Abendstimmung am Flugplatz © Christ/Chavarría
Der Himmel gibt noch einmal alles.

Heute ist – so kurz vor dem Feiertag – noch einiges los, ein paar Motorschirmflieger sind aktiv und auch der Flugleiter gesellt sich noch auf ein Feierabendbier zur Truppe, die an der Springerhütte zusammengekommen ist. Unsere Jungs sind ziemlich müde und verschwinden nach einer ausgiebigen Dusche im Zelt, während wir Eltern noch einen Spaziergang über den geschlossenen Platz machen.

Mittwoch, 2. Juni: Über den Brocken zurück nach Mosbach-Lohrbach EDGM

Am Mittwochmorgen werden wir früh wach und während der erste Espresso durchläuft, ist auf dem Flugplatz schon einiges los: Ein Rennwagen zieht seine Testrunden auf der Piste. Was für ein Spektakel …

Auch wenn unsere Kinder inzwischen am liebsten den direkten Weg nach Hause nehmen würden: Wir wollen einmal um den Brocken, wenn wir schon in der Nähe sind. Die halbe Stunde Umweg muss drin sein, Jungs!

Holzminden © Maja Christ
Tschüss, Holzminden …

Noch ist es ruhig in der Luft, als wir um Punkt 10 Uhr gen Osten starten. Vorbei an Holzminden, Einbeck und Clausthal-Zellerfeld führt uns unser Weg, und den Brocken haben wir schon kurz seit nach dem Start im Blick. Über dem Harz sind erste Thermik-Wölkchen, die uns etwas durchschütteln.

„Siehst du den Stau unter uns?“, frage ich Andrés über die Quasselfrequenz. Auf der A7 ist stehen die LKWs über Kilometer. Richtung Norden geht gar nichts mehr. Ich habe etwas Mitleid mit den Fahrern unter uns. Und bin einmal mehr froh, hier oben (fast) ganz für mich zu sein.

Dann erreichen wir den Harz und ich hole etwas auf, damit mein Co. ein Foto von der MESY schießen kann, während wir um den Brocken kreisen. Beeindruckend sieht er aus, der höchste Berg des Nordens. Es ist das erste Mal, dass ich hier entlang fliege.

Brocken © Maja Christ
Andrés umrundet mit uns den Brocken.

Erschüttert sind wir vom Anblick des Waldes unter uns: Dürre, Stürme und Borkenkäferbefall haben dem Fichten-Bestand böse zugesetzt und es sieht wirklich übel aus.

Waldschäden am Brocken © Maja Christ
Die Waldschäden sind immens und aus der Luft besonders gut zu sehen.

Nach unserer Runde um den Gipfel nehmen wir Kurs auf unsere Heimat. Kurzzeitig wird es wieder etwas ruhiger, doch die zerrissene Thermik und Seitenwind machen das Kurshalten heute nicht leicht.

Eschwege © Maja Christ
Eschwege mit der Werra und dem Werratalsee

Bald tauchen die ersten Kali-Abraum-Berge neben uns auf und wir bewundern die Baufahrzeuge und Förderbänder auf dem Monte Kali.

Monte Kali
Beeindruckend: der Monte Kali

Mein Copilot ist müde von der Reise und seine Beine tun ihm weh. Als es wieder etwas thermischer ist, meint er jedoch: „Jetzt macht das Steuern Spaß!“ Am liebsten würde ich ab und an eindrehen, wenn es wieder an der rechten Fläche lupft, doch ich besinne mich, dass ich nicht in einem Segelflugzeug sitze und wir noch eine kleine Strecke vor uns haben.

Mama und Sohn in der C42 © Maja Christ
Mein Co steuert souverän und konzentriert, damit wir endlich nach Hause kommen.

Von Fulda aus kann man fast Frankfurt erahnen und bald ist Aschaffenburg in Sicht. Von hier ist die Skyline Frankfurts nun deutlich zu erkennen. Miltenberg taucht vor uns auf und es ist nicht mehr weit bis Mosbach.

Wir landen relativ unspektakulär über die 15, laden unser Gepäck aus und waschen die Flugzeuge. Wohlgemerkt: Wir Eltern. Unsere Kinder sind im Büro der Flugschule verschwunden und hängen vermutlich an ihren Handys – froh, nach mehr als 11 Stunden Flugzeit wieder für einen längeren Zeitraum festen Boden unter den Füßen zu haben.

Sie haben den Ausflug genauso wie wir Erwachsenen genossen, wie sie uns versichern. Das Meer war toll, sagen sie. Gerne wieder. Aber nicht sofort.

Etwas mehr als eine Stunde Rückfahrt über die Autobahn erwarten uns noch, plus Umleitung. Doch am Nachmittag sind wir wieder zu Hause, eine Haufen neue Erinnerungen und Erfahrungen im Gepäck.

Was für ein toller Ausflug. Wir sind glücklich – unsere Kinder ebenso. Die Menschen in Sierksdorf und auf Baltrum haben uns sehr freundlich empfangen und uns einen unvergesslich schönen Kurzaufenthalt beschert. Unser Fazit: Gut organisiert kann man auch während der laufenden Beschränkungen einen schönen Urlaub machen.

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