Frankenflug auf Rosas Spuren: über Erlangen zum Feuerstein

Zum Muttertag habe ich ein wunderschönes Geschenk bekommen. Endlich einmal wieder fliegen – und zwar über die Heimat meiner Romane: Erlangen. Ich war erst einmal in Erlangen – von einer Zugdurchfahrt letztes Jahr mal abgesehen – und kenne die Schauplätze meiner Geschichten vor allem über Google Maps und Co. Was soll ich sagen: Es ist toll, wenn man all diese Orte in der Wirklichkeit sieht und erkennt. Danke, Andrés, für diesen wunderschönen Ausflug!

Mein Mann wunderte sich gestern schon etwas, als ich plötzlich rief: „Ich sehe die Hochhäuser am Europakanal, die man vom Tower aus erkennen kann!“ (Schließlich ist es ein fiktiver Flugplatz, der Tower also auch nicht existent, aber die Hochhäuser stehen da tatsächlich). „Da wohnt Rosa! Und dort ist der Spielplatz, wo sie immer mit ihren Enkelkindern hingeht!“ Oder wie Leni: „Und die St.-Heinrich-Kirche! Das Dach habe ich sofort erkannt!“ Aber fangen wir vorne an.

Ein Ausflug zum Muttertag

Seit unserem Übungsflug im Februar sind Andrés und ich nicht mehr in der Luft gewesen. Das muss dringend geändert werden und so planen wir einen Ausflug nach Franken. Der Flugplatz Burg Feuerstein ist immer eine Reise wert und auf dem Weg kann ich vielleicht endlich mal ein paar Aufnahmen von Erlangen machen. Der Muttertagssonntag scheint perfekt zu sein: Nachdem der Frühling sich bislang eher von seiner winterlichen Seite gezeigt hat, schaut zum zweiten Maiwochenende doch glatt der Sommer vorbei. Bis zu 30 °C sind für Sonntag vorhergesagt, nachdem es zuvor gerade mal 10 oder 15 °C waren. Dass so ein Wetterwechsel nicht ganz ohne sich ordentlich verteilende Luftströme passiert, bestätigt uns die Wettervorhersage. Bis zu 30 Knoten in Böen sind für das südwestliche Bergland vorhergesagt, doch auf unserer geplanten Flugroute wird es nicht ganz so heftig werden.

Am Sonntagvormittag machen Andrés und ich uns ohne unsere Kinder auf den Weg nach Mosbach. Die beiden haben uns am Morgen noch leckere Schokowaffeln mit Bananenjoghurt gemacht und freuen sich nun auf eine sturmfreie Bude.

MURY am Flugplatz EDGM © Maja Christ
Andrés schiebt die MURY zur Tankstelle

Nach zwei Platzrunden nimmt Andrés mit der MURY der Flugschule easy-bird Kurs auf Erlangen. Die Sichten sind gut, doch geschenkt ist dieser Flug nicht, denn Andrés muss ganz schön „arbeiten“, um die C42 auf Kurs zu halten.

Irgendwie ist es immer bockig, wenn wir nach Franken fliegen. Auch letztes Mal mussten wir eine Weile warten, bis es etwas abflaute.

Andres und Maja in der C42 © Maja Christ
Ein kurzer Blick auf die Karte

Eine Runde über Erlangen

Trotz Wind ist der Flug sehr angenehm und es gibt viel zu entdecken.

Schon vom Weitem ist der Flughafen von Nürnberg zu erkennen und auch die Hochhäuser am Europakanal stechen mir ins Auge, noch bevor wir den Flugplatz von Herzogenaurach EDQH passieren.

Hammerbach und Herzogenaurach © Maja Christ
Herzogenaurach mit dem Flugplatz EDQH, im Vordergrund Hammerbach

Erlangen aus der Ferne © Maja Christ
Erlangen in Sicht
Büchenbach © Maja Christ
Büchenbach

Über die Rundumsicht-Glasfront hatte man eine fantastische Sicht auf den gesamten Flugplatz mit der Landebahn und der großen Wiese. Draußen führte ein Balkon aus Metallgitter einmal um das Gebäude herum. Das Flugplatzgelände war größer als ich erwartet hatte und man konnte weit sehen von hier oben – sogar die Hochhäuser am Europakanal meinte ich zu erkennen.

Aus „Rosa startet gegen den Wind“
Unsere Route über die Erlangen [Screenshot von VFRnav]
Unsere Route über die Stadt [Screenshot von VFRnav]

Während ich abwechselnd Fotos schieße und filme und sicher nicht weniger aus dem Häuschen bin als Rosa bei ihrem ersten Flug über Erlangen, dreht Andrés eine große Runde um die Stadt.

Ich erkenne Alterlangen und die St-Heinrich-Kirche mit ihrem markanten Dach, das Erlenfeld, wo Rosa hinzieht und den Alterlanger See, an dem der Spielplatz liegen soll, auf dem sie so oft mit ihren Enkelkindern ist.

Außerdem entdecke ich bei unserer Runde über das Erlanger Zentrum den Hugenottenplatz, in dessen Nähe das (fiktive) Café von Hannes Freunden Meliha und Sami aus „Und Frösche können fliegen“ liegen soll.

Es ist ein merkwürdiges Gefühl, wenn man über eine Gegend fliegt, die man bislang nur von unten kannte und „seine Straße“, die Schulen und Kirchen oder andere Sehenswürdigkeiten entdeckt. Doch über eine Gegend zu fliegen, die man über seine Romane kennengelernt hat, ist um einiges merkwürdiger.

Vor uns konnte man bereits die Häuser von Erlangen sehen, den Kanal und die Regnitz. Auf der einen Seite, das mussten Eltersdorf und Bruck sein. Dann war dort Alterlangen. Ich reckte den Kopf. Das Flugzeug flog nun eine sanfte Kurve und ich konnte unter mir deutlich den Boden sehen – wie eine Modelleisenbahnlandschaft. Tatsächlich fuhr da unten sogar ein Zug.
»Da fährt ein Zug!«, rief ich freudig aus. »Allmächd is des fei der Wahansinn!«

Aus „Rosa startet gegen den Wind“
Alterlangen und Regnitz © Maja Christ
Alterlangen und Regnitz
Alterlangen mit der St.-Heinrich-Kirche © Maja Christ
Alterlangen mit der St.-Heinrich-Kirche – zu erkennen am Dach
Alterlangen © Maja Christ
Erlenfeld in Alterlangen: Hier irgendwo wohnt meine Hauptfigur Rosa (und dahinter irgendwo Kerstin)
Alterlangen mit Alterlanger See © Maja Christ
Alterlangen mit Alterlanger See
Erlangen – im Hintergrund Brucker Lache und Tenneloher Forst © Maja Christ
Erlangen – im Hintergrund Brucker Lache und Tennenloher Forst
Erlanger Zentrum © Maja Christ
Das Erlanger Zentrum mit der Uniklinik im Vordergrund
Erlangen mit dem Schlossgarten © Maja Christ
Erlangen mit dem Schlossgarten

Von Erlangen zum Feuerstein

Bald kehren wir der Heimat meiner Romanfiguren den Rücken (pardon – das Heck) zu und Andrés nimmt Kurs gen Norden.

»Schauen Sie«, sagte Rudi irgendwann, nachdem wir eine Weile geflogen waren. »Das Walberla.« Er zeigte nach draußen auf einen kleinen Höhenzug. Dort hinauf, auf die Ehrenbürg, wie das Walberla auch hieß, war ich im letzten Herbst mit Leni gewandert und ich suchte aufgeregt den Wanderweg ab, den wir von Kirchehrenbach aus genommen hatten. Von hier oben sah es zwar etwas unbedeutender aus, als wenn man in der Mittagssonne hochwanderte, doch aus der Luft war es nicht weniger schön anzusehen. Alles sah bezaubernd aus auf unserem Weg. Ich nickte glücklich.
»Möchten Sie mal steuern?«, fragte Rudi. »Hier, übernehmen Sie ruhig den Steuerknüppel.«
Entsetzt starrte ich meinen Piloten an, doch er lächelte mich so freundlich an, dass ich fast dachte, er könnte das ernst gemeint haben.

Aus „Rosa startet gegen den Wind“

Die „Ehrenbürg“ ist ein markanter Tafelberg östlich von Forchheim, der aus dem 532 m hohen Rodenstein und dem 512 m hohen Walberla besteht.

Andrés und ich sind hier vor vielen Jahren auch schon hochgewandert, als wir während eines Kletterurlaubs beim „Kroder“ in Schlaifhausen gecampt haben:

Aus unserem Archiv: Wanderweg zur Kapelle auf der Walberla.

Langsam gilt es, FIS wegzuschalten und Feuerstein Info zu rufen. Die Piste 08 ist offen und wir machen uns auf einen abenteuerlichen Anflug gefasst.

Anflug EDQE © Maja Christ
Anflug auf die Piste 08 mit ordentlich Vorhaltewinkel

So einen starken Vorhaltewinkel wie heute musste Andrés bislang selten steuern. Und kurz vor dem Aufsetzen empfängt uns eine ordentliche Walze.

Als Rosa in meinem Roman den Platz Burg Feuerstein anfliegt, ist es glücklicherweise etwas ruhiger:

Je näher wir der fremden Landebahn kamen, desto stärker machte sich meine Nervosität wieder bemerkbar. Die Landebahn folgte einem Buckel und das fand ich in diesem Moment überhaupt nicht lustig. Im Gegenteil – ich fand es ganz furchtbar, weil es sich so anders anfühlte als mein bekannter Landeanflug.
»Du bleibst am Steuerknüppel!«, kommandierte ich.
»Natürlich«, erwiderte mein Fluglehrer. »Ich bin da, aber du machst das ausgezeichnet.«
»Unsinn!«, schimpfte ich, rührte mit dem Steuerknüppel herum und ließ das Flugzeug hin und her eiern. »Das schaffe ich nie!«
»Wind aus variablen Richtungen mit zwei bis drei Knoten«, sagte plötzlich der Flugleiter über Funk.
»Wie, variable Richtungen?«, quiekte ich.
»Es ist praktisch windstill, Rosa«, versuchte Rudi mich zu beruhigen, während die Landebahn uns immer näher kam und dann hinter dem Buckel zu verschwinden drohte.
»Die Landebahn verschwindet!«, rief ich erschrocken.
»Alles gut. Gleich siehst du sie wieder. Nicht zu früh abfangen«, kommandierte Rudi mit ruhiger Stimme. »Jetzt langsam ziehen, mehr ziehen, noch mehr …« Er sprach mich regelrecht an den Boden.

Aus „Rosa startet gegen den Wind“
Rollweg Flugplatz Burg Feuerstein © Maja Christ
Der anfliegende Pilot kämpft mit dem Wind

Heute kämpfen auch andere Piloten mit dem Wind. Es ist viel los hier am Platz, sowohl, was anfliegende Gäste betrifft, als auch Besucher, die mit dem Auto gekommen sind.

Die Landegebühren zahle ich per App, doch einen kurzen Besuch statte ich Tanja Adamski auf dem Tower ab, um mich für die Bekanntmachung meines Buches auf der Webseite des Flugplatzes zu bedanken.

Das Flugplatzrestaurant bietet leckeres Essen „to go“ an und wir sind froh, dass wir unsere Buchung für die MURY bis zum Abend verlängern können. So haben wir genügend Zeit für eine Pizza „Marinara“ und ein alkoholfreies Bier. Und weil das fränkische Bier unserer Meinung nach unschlagbar gut ist, kaufen wir gleich noch ein paar „Helle“ für den Abend. Die werden wir auf dem heimischen Sofa genießen, wenn wir den Tag Revue passieren lassen.

Gegen 15 Uhr machen wir uns auf den Heimweg. Nun nehme ich den Platz auf der Pilotenseite ein. Nach uns meldet sich ein weiterer Pilot, der nach Mosbach fliegen will, doch auf dem Weg werden wir ihn nicht sehen, denn wir haben vor, nicht den direkten Weg zurück zu nehmen, sondern über Würzburg bis nach Wertheim zu fliegen, bevor wir unseren Heimatplatz ansteuern.

Maja Christ © Chavarria/Christ
Auf dem Rückflug

Immer an der Autobahn entlang führt der Weg und macht das Navigieren einfach. Nicht so einfach ist das bockige Wetter und ich bin gespannt, wie der Wind uns diesmal in Mosbach empfangen wird.

Doch hier hat es inzwischen abgeflaut, es ist ruhig und ich nutze die Zeit, um ebenfalls noch ein paar Platzrunden zu machen. Dann waschen wir den Flieger und schieben ihn zurück zu den anderen Maschinen in die Halle. Auf dem Weg zum Auto begrüßt mich eine Familie: „Sind Sie nicht die Autorin?“ Ich brauche einen Moment, ehe ich Felix erkenne, der inzwischen alle meine Romane bei mir bestellt hat – ich kannte ihn bislang nur über Instagram. Es ist toll, treue Leser zu treffen und ich unterhalte mich ein wenig mit ihm und seiner Mutter – und erfahre, dass der Vater ebenfalls früher am Feuerstein geflogen ist.

Sie möchten wissen, wie viel Selbst-Erlebtes in den Büchern steckt. Eine schwierig zu beantwortende Frage. Man greift natürlich auf den eigenen Erfahrungsschatz zurück, wenn man etwas beschreibt. Den Rest recherchiert man oder denkt man sich aus. Einzelne Figuren beruhen bei mir nicht auf echten Menschen, doch es fließen bei einigen Personen schon mal Charakterzüge verschiedener Personen ein, denen ich begegnet bin – neu zusammengewürfelt. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Zum Abschluss des Tages gibt es ein eingeflogenes fränkisches „Helles“

Doch langsam müssen wir nach Hause und nach unseren Kindern sehen. Sie haben zwar meinen Bruder als Back-up in der Nähe und bereits bestätigt, dass das Haus noch steht, doch es wäre schön, mit ihnen gemeinsam zu Abend zu essen. Und so verabschieden wir uns und machen uns auf die Heimfahrt.

Es war ein toller Ausflug, der Lust auf mehr macht. Ich merke, dass es ein sonniger Tag war – und dass man ordentlich gegensteuern musste, bestätigt mir meine Hüfte. Ich bin zwar noch nicht in Rosas Alter, aber eine Hüfte, die mich morgens daran erinnert, dass sie da ist, habe auch ich – soviel zum Thema „Selbst-Erlebtes“.

»Es gibt doch sicher einen anderen Termin für den Kurs?« Helmut sah mich stirnrunzelnd an. »Was für ein Kurs ist denn das überhaupt?«
»Ähm«, entgegnete ich. »Sport.« Ha, das war nicht einmal gelogen. Schließlich nannte man es tatsächlich Luftsport. Und ich hatte vom letzten Flug noch heute Muskelkater im Arm und in der Hüfte – falls man in der Hüfte überhaupt Muskelkater bekommen konnte.

Aus „Rosa startet gegen den Wind“

4 Kommentare zu „Frankenflug auf Rosas Spuren: über Erlangen zum Feuerstein

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s