Rezension: Der Brief aus Wisconsin

Fliegen ist Leidenschaft. Doch zur Obsession sollte die Leidenschaft nicht werden. Im Roman „Der Brief aus Wisconsin“ geht es jedoch nicht nur um die Fliegerei, sondern auch um die Suche nach den eigenen Wurzeln, der Liebe und sich selbst. Das Buch ist 2019 bei „Books on Demand“ erschienen und eine abwechslungsreiche Lektüre für ambitionierte Piloten sowie für Nichtpiloten mit einem großen Faible für die Fliegerei.

Ulrich Thielmann: „Der Brief aus Wisconsin – Ein Fliegerroman über Begegnungen zwischen Amerika und Europa“

Der 49-jährige Journalist und Privatpilot Justus Sessenroth ist frisch geschieden – die Ehe konnte seiner Leidenschaft für die Fliegerei nicht standhalten. Er befindet sich in einer Lebenskrise, als ihn ein Brief aus Milwaukee, Wisconsin, USA, erreicht: Die Stewardess Annie Sessenroth ist auf der Suche nach ihren bis Deutschland reichenden Wurzeln und vermutet, mit Justus verwandt zu sein. Justus beginnt, zu recherchieren. Als er für eine Reportage über das AirVenture in Oshkosh in die USA fliegt, besucht er seine Namensvetterin und verliebt sich Hals über Kopf in sie.
Doch in Deutschland wartet seine Flugschülerin Carola auf ihn, die schon lange eine Beziehung mit Justus möchte. Sie wird eifersüchtig, vor allem, weil Justus weiterhin wie besessen nach seiner und Annies Vergangenheit forscht. Dann stirbt seine Tante, die ihm wie eine Mutter war, und Justus wird alles zu viel – er bricht zusammen.

Im Roman „Der Brief aus Wisconsin“ geht es einerseits viel um die Suche der eigenen Wurzeln und andererseits um das, was man aus seinem Leben macht. Der Leser erfährt Interessantes über die Auswanderungswellen, in denen es Deutsche in die USA zog, über Ahnenforschung und die Piloten in den letzten Jahren des zweiten Weltkriegs. Und nebenbei lernt man viel über die Fliegerei – von der Geschichte über Technisches und dem Pro und Contra des zeitaufwändigen, aber dafür finanzierbaren Vereinslebens bis hin zu Auseinandersetzungen mit der ungewissen Zukunft der Privatfliegerei. Gefallen hat mir persönlich vor allem die Beschreibung des AirVentures in Oshkosh, bei dem ich selbst noch nie war.

Dass der Autor Ulrich Thielmann selbst einen Narren an der Fliegerei gefressen hat, merkt man schnell. Mitunter räumt er den Beschreibung einzelner Manöver – vom Check des Flugzeugs bis hin zu Landekniffen – möglicherweise etwas zu viel Platz ein. Nichts desto trotz kommt die Geschichte drumherum nicht zu kurz. Wie schwierig es ist, Fliegerei und Familie unter einen Hut zu bekommen, weiß jeder, der fliegt – und jeder, dessen Partner(in) fliegt. Es bedarf einer guten Beziehung, einer gemeinsamen Leidenschaft fürs Fliegen oder beidem, damit nicht eines – Partner oder der Traum vom Fliegen – irgendwann auf der Strecke bleibt.

Das Ende war überraschend.

Alles in allem ist der „Der Brief aus Wisconsin“ eine unterhaltsame Lektüre für kalte Wintertage, an denen man sonst traurig an den Himmel starren würde – sei es, weil das Wetter einen aufs Sofa zwingt oder in Ermangelung einer Pilotenlizenz.

Ulrich Thielmann. Der Brief aus Wisconsin. Ein Fliegerroman über Begegnungen zwischen Amerika und Europa.
252 Seiten. Books on Demand, 2019.
Kartoniert: 9,99 EUR. ISBN: 978-375041-063-3.
E-Book: 5,99 EUR. ISBN: 978-375044-593-2.

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