Ausflug zur Lilienthalstadt Anklam EDCA

Die Lilienthalstadt Anklam ist einen Ausflug wert, sagten unsere Freunde. Und so flogen wir am vergangenen Wochenende über Höxter-Holzminden EDVI mit Abstechern über Rügen und Usedom nach Anklam, um uns dort mit ihnen zu treffen. Zurück ging es über Jena-Schöngleina, über und unter den Wolken, um Regenbänder herum und mit ordentlich Rücken- und Gegenwind. Und ja, wir können es bestätigen: Anklam ist wirklich einen Ausflug wert.

Tag 1: Von Mosbach-Lohrbach nach Höxter-Holzminden EDVI

Auch wenn unsere Kinder noch Ferien haben – wir Erwachsenen müssen seit unserem Ausflug nach Kolitzheim-Herleshof schon wieder arbeiten. Dennoch haben wir für das Wochenende vom 21. bis 23. August noch einen Ausflug geplant – diesmal ohne Kinder, dafür mit Michael und Susanne. Da wir am Freitag – im Gegensatz zu unseren Freunden – noch arbeiten müssen, planen wir, am Abend zumindest noch bis zum Dolmar zu fliegen und dann am Samstag in der Frühe gleich weiter nach Peenemünde für einen kurzen Hopser in die Ostsee (nicht mit dem Flugzeug – mit Badehose nach geglückter Landung!) und dann in Anklam am Platz zu zelten. Doch das Wetter sieht nicht so aus, wie wir es uns für den Ausflug erhofft hatten: Ein Regenband soll durch Deutschland ziehen. Da es für den Westen deutlich besser aussieht als für den Osten, planen wir kurzerhand um und beschließen, in Höxter-Holzminden EDVI, auf dem Räuschenberg, zu übernachten. Meiner alten Heimat … Ich benachrichtige meinen Vater, der uns auch gleich anbietet, dass wir bei ihm nächtigen können. Letztendlich entscheiden wir uns dafür, am Flugplatz zu zelten. Er wird uns dafür am Abend besuchen. Michael und Susanne wollen die erste Nacht in Strausberg bei Berlin verbringen.

Am Freitag organisiere ich meinem Sohn zunächst noch einen ungeplanten Kinderarzttermin (den er glücklicherweise ohne elterliche Begleitung wahrnehmen darf), mache im Büro früher Schluss und mich mit Andrés gegen 14 Uhr auf den Weg zum Flugplatz. Die Autobahn empfängt uns mit dem üblichen Freitagsnachmittagsverkehr, Mosbach mit ordentlich Wind (zum Glück ist es jedoch nur eine Ablösung). Wir können unsere Siebensachen in die D-MURY packen und sind kurz nach 16 Uhr in der Luft.

Mit ordentlich Rückenwind kommen wir heute gut voran. Unser Weg führt uns ohne größere Vorkommnisse vorbei an Aschaffenburg, Gelnhausen, Fritzlar und Kassel. Die Sicht ist gut, sodass wir das Weserbergland und den Räuschenberg bereits von Weitem erkennen können.

Barbarossastadt Gelnhausen und Linsengericht © Chavarría/Christ
Wir passieren Gelnhausen.

Ich reihe mich in die Platzrunde zur 13 ein. Da der Flugplatz eine Landebahnbefeuerung bekommt, ist derzeit unter der Woche die Asphaltbahn gesperrt, doch jetzt am Abend sind die Arbeiter bereits weg. Egal, ich hätte auch die Grasbahn genommen, auf der ich während meiner Segelflugzeit hier am Platz unzählige Male gelandet bin (Das war irgendwann im letzten Jahrtausend.).

Niko Müller, der Vorsitzende vom Luftsport Höxter e. V., lässt uns noch volltanken und zeigt uns, wo wir Duschen und Toiletten finden, dann können wir unser Zelt aufbauen.

Sicher gelandet am Flugplatz Höxter-Holzminden
Abendstimmung am Flugplatz – die Gleitschirmflieger nutzen den Hangwind. © Maja Christ
Abendstimmung am Flugplatz …
Gleitschirmflieger EDVI © Maja Christ
… und Gleitschirmflieger nutzen den Hangwind.

Mein Vater lässt nicht lange auf sich warten. Und er kommt mit einer Überraschung: Er hat uns Getränke und alles für ein leckeres Frühstück mitgebracht. Während wir Abendessen kochen und die Flugvorbereitung für den nächsten Tag machen, tauschen wir uns aus und fachsimpeln, wie es sich für Piloten(familien) gehört.

Mein Vater versorgt uns mit Verpflegung und Gesellschaft.

Schon bald müssen wir einige übermütige Wespen aus unseren Getränken fischen und vom Parkplatz, auf dem einige Camper sind, kommt uns ein Hund besuchen. Er hat wohl den Thunfisch gerochen, doch so lieb er uns mit großen Augen auch anschaut, er bekommt nichts ab. Dafür macht er sein Häufchen neben unser Zelt. Ups … Immerhin hat er so viel Anstand, zwei oder drei Meter Abstand zu unserem Schlafplatz zu lassen.

Abendliche Flugvorbereitung © Maja Christ
Andrés bereitet seinen Flug nach Anklam vor. (Ja, wir wissen, dass es dafür Apps gibt.)

Inzwischen haben wir erfahren, dass man uns in Peenemünde nicht landen lassen wird. Wegen der derzeitigen Corona-Situation lässt man keine Tagesgäste in Mecklenburg-Vorpommern zu. Da wir in Anklam am Flugplatz zelten werden, können wir keinen offiziellen Nachweis einer Übernachtung aus einer Pension oder ähnlichem vorweisen. Das ist schade, aber wir werden das Beste daraus machen und dann einfach direkt nach Anklam fliegen.

Michael und Susanne lassen uns dann noch wissen, dass sie in Strausberg gerade ordentlich weggespült werden. Es schüttet bei ihnen wie aus Kübeln und sie sind froh, dass sie einen Hallenplatz für die Aquila und ein Zimmer in einer Pension ergattern konnten.

Abendhimmel © Maja Christ
Was für ein Himmel …

Inzwischen ist es dunkel geworden, mein Vater hat sich wieder auf den Heimweg gemacht und wir nutzen die laue Sommernacht, um ein wenig über den Flugplatz zu schlendern. Als Jugendliche habe ich viel Zeit während der Fliegerlager hier verbracht und muss an einige lustige nächtliche Ausflüge der jungen Segelflieger denken.

Und dann, als wir gerade mitten über den Flugplatz laufen, in Erinnerungen schwelgen und die Sterne bewundern, huscht eine unglaubliche Sternschnuppe über uns – lang und hell, sodass wir genügend Zeit haben, uns einen Wunsch zu überlegen. Wer weiß, ob er in Erfüllung gehen wird?

Tag 2: Von Höxter-Holzminden nach Anklam EDCA

Die Nacht ist trotz der Party, die auf dem Parkplatz nebenan gefeiert wird, gut und einigermaßen erholsam. Früh am Morgen bauen wir unser Zelt ab, kochen Espresso und frühstücken. Obwohl der Platz regulär erst um 10 Uhr öffnet, hat man uns versprochen, bereits um kurz vor 9 Uhr da zu sein, damit wir früher nach Anklam starten können. Was für ein toller Service!

Maja am Flugplatz EDVI © Maja Christ
Wir sind früh auf, um nach Anklam zu starten.
Die D-MURY in Höxter-Holzminden EDVI

Nachdem der Flugleiter seine Kontrollrunde über den Flugplatz beendet hat, sind wir bereits startklar. Diesmal darf Andrés auf dem Pilotensitz Platz nehmen.

Die Wettervorhersage sieht für unsere Route gut aus: Rückseitenwetter. Es ist weiterhin recht windig, doch der kommt noch recht laminar von hinten. Für Sonntag sind allerdings stärkere Böen vorhergesagt. In Strausberg, so erfahren wir von unseren Freunden, sitzt das schlechte Wetter noch fest: Die Wolkenbasis ist tief und es regnet. Hoffentlich kommen die beiden irgendwann weg …

Wir starten über die Piste 13, vorbei an Höxter und Holzminden und Andrés nimmt Kurs auf den Ith.

Luftbild Höxter © Maja Christ
Höxter …
… und Holzminden
Wir überfliegen Ith und Hils.
Andrés und Maja in der Luft © Maja Christ
Zwei glückliche Piloten

Die Sicht ist heute wirklich nicht schlecht, aber ein wenig diesig ist es doch. Zum Glück haben wir unsere Gute-Laune-Fliegerbrillen 🙂 …

Mit Fliegerbrille fliegt man immer im Sonnenschein.

Wir passieren Hildesheim, Braunschweig und in der Ferne Hannover und erreichen bald die Elbe. Und dann fliegen wir an einer Wolke vorbei, wie ich sie noch nie so nah gesehen habe: eine Lenticularis. Der Hammer!

Lenticularis © Maja Christ
Was für eine coole Lenticularis …
Elbe aus der Luft © Maja Christ
Die Elbe schlängelt sich durchs Land.
Mecklenburger Großseenland © Maja Christ
Das Mecklenburger Großseenland
Am Müritz See liegt ein riesiger Golfplatz © Maja Christ
Am Fleesensee liegt ein riesiger Golfplatz.

Und dann – nachdem wir auch über die Müritz und Waren in der Mecklenburgischen Schweiz geflogen sind, erreichen wir die Peene. Anklam ist in Sicht. Das wird auch höchste Zeit. Meine Blase drückt nämlich bereits, seitdem wir die Elbe überflogen haben.

Die Peene sucht sich ihren Weg Richtung Ostsee.
Anflug auf Anklam EDCA

Andrés fliegt in die großzügige Platzrunde und landet über die 27. Die Segelflieger sind heute auch aktiv und nutzen die Thermik, die wir auf dem Weg bereits mitbekommen haben.

Wir machen einen Backtrack auf der Piste und suchen uns eine Parkposition. Der Flugleiter empfängt uns sehr freundlich und erklärt uns auch gleich, wie wir an Mogas kommen: an der neben dem Flugplatzgelände liegenden Tankstelle. Die hat jedoch nur bis 12 Uhr geöffnet und so bleibt uns noch eine Viertelstunde. Nachdem wir die Toilettenschlüssel am Turm wieder abgegeben haben, schieben wir die MURY also zur Tankstelle, warten, bis das Auto, das gerade betankt wird, weg ist und lassen uns dann mit Sprit versorgen. Auf die letzte Minute, denn der Tankwart muss noch zum Gärtner, der ebenfalls um 12 Uhr schließt.

Flugplatz Anklam EDCA © Maja Christ
Ankunft in der Lilienthalstadt Anklam
Tanken in EDCA © Maja Christ
Wir schieben die MURY zur Tankstelle – aber erst muss das Auto weg.

Von Michael und Susanne haben wir inzwischen erfahren, dass es bei ihnen zwar schon seit einiger Zeit nicht mehr regnet, die Wolken aber noch nicht die Platzrundenhöhe erreicht haben. Es ist kurz nach zwölf und so beschließen wir, die Zeit bis zu ihrer Ankunft mit einen Ausflug nach Rügen zu überbrücken.

Rundflug nach Rügen und Usedom

Für den Rundflug übernehme ich die Pilotenposition. Andrés macht es sich neben mir gemütlich. Wir lassen noch einen Segelflieger starten und warten, bis die Winde das Seil weit genug eingezogen hat, ehe ich auf die Piste rolle und Gas gebe.

Unser Weg führt uns zunächst über Greifswald nach Stralsund. Es ist zwar immer noch etwas diesig, aber das stört uns nicht weiter. Die Sicht ist trotzdem gut. Nur weit hinaus auf die Ostsee würden wir heute nicht fliegen wollen, denn den Unterschied zwischen Horizont und Wolken kann man nicht wirklich ausmachen.

Stralsund mit der Werft aus der Luft © Andrés Chavarría
Stralsund mit der Werft
Stralsunder Altstadt mit Marienkirche, Nikolaikirche und der Kulturkirche St. Jakobi © Andrés Chavarría
Trotz diesiger Aussicht gut zu erkennen: die Stralsunder Altstadt mit Marienkirche, Nikolaikirche und der Kulturkirche St. Jakobi

Von Stralsund fliegen wir die Westküste Rügens entlang und ich steige auf 4000 Fuß. Schließlich haben wir nun doch Wasser unter uns.

Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft
Rückblick Flugzeug © Maja Christ
Ein Blick zurück …
Sassnitz auf Rügen im Dunst © Maja Christ
Sassnitz auf Rügen im Dunst: Die Kreidefelsen sind kaum zu erkennen.
Granitzer Ort auf Rügen © Maja Christ
Granitzer Ort

Mehr als 4000 Fuß sind jedoch nicht drin – denn sonst kommt die Wolkenbasis zu nah. Langsam lassen wir Rügen hinter uns und überqueren den Greifswalder Bodden Richtung Usedom und Peenemünde.

Der Flugplatz von Peenemünde auf Usedom © Christ/Chavarría
Der Flugplatz von Peenemünde auf Usedom
Usedom

Über das Achterwasser und den Peenestrom geht es zurück nach Anklam. Unsere Freunde könnten bald ankommen.

Und tatsächlich: Gerade, als wir uns bei „Anklam Info“ zur Landung zurückgemeldet haben, ruft auch Michael den Platz über Funk an. Während wir gleich landen dürfen, muss er allerdings noch einige Warteschleifen drehen, bis wir auf der Piste zurückgerollt sind und die Heringsdorfer Maschine zu einem weiteren Rundflug aufgebrochen ist.

Aquila im Landeanflug © Maja Christ
Michael und Susanne im Landeanflug

Während die beiden ihre Maschine neben uns positionieren und uns dabei fast wegpusten, weil sie sonst in einem der zahlreichen Mauselöcher hängenbleiben würden, rufe ich kurz meine Mutter an. Sie hat wegen der Wind- und Wetterverhältnisse mitgefiebert, wie wir durchkommen und freut sich, dass wir (inzwischen sogar zweimal) gut in Anklam gelandet sind.

© Maja Christ
Unsere Freunde haben es auch geschafft.

Eine freudige, Corona-konforme Begrüßung, Zelte aufbauen, Wasservorrat für die Nacht auffüllen (denn hier werden wir in der Nacht keinen Zugang zu Sanitätäranlagen haben) und dem freundlichen Flugleiter noch einen Besuch abstatten (Danke für die Flugplatz-Lilienthal-Aufkleber für unsere Jungs!) – dann machen wir uns endlich auf den Weg in die Stadt …

Antonov AN-2T in Anklam © Maja Christ
Die Antonov steht hier nur zur Zierde (und zum Bestaunen) …
PZL-106 Kruk am Flugplatz Anklam © Maja Christ
… genauso wie dieses Agarflugzeug, eine PZL-106 Kruk
Die weitere Entwicklung der HPA TT62 Alekto wurde nach dem Erstflug abgebrochen.

… jedoch nicht ohne einen Blick auf die vielen Exponate hier am Flugplatz zu werfen.

Lilienthalstadt Anklam

Haus in Anklam © Maja Christ
Haus in der Hansestadt Anklam

Dass Anklam – die kleine Hansestadt im Peene-Urstromtal – etwas mit Otto Lilienthal zu tun hat, merkt man ja schon, wenn man am Flugplatz ankommt. Hier (in der Stadt, nicht am Flugplatz) wurde der Flugpionier 1848 geboren.

Das Lilienthalmuseum ist auf jeden Fall einen Besuch wert, doch leider ist unsere Zeit heute schon zu weit fortgeschritten, um es ausgiebig zu besuchen. Stattdessen schaffen wir es nur noch bis zur Nikolaikirche (in der Lilienthal anscheinend getauft wurde), aber hier gibt es auch einige Exponate, Bilder und Informationen zu Otto Lilienthal und seinen Nachahmern. Denn inzwischen wurden Lilienthalgleiter von Mitarbeitern des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR ) nachgebaut und geflogen. Warum sie den Flug mit dem Doppeldecker allerdings ausgerechnet in Kitty Hawk machen mussten, verstehe ich nicht.

Fotos des Lilienthal-Gleiters und des Nachbaus in der Nikolaikirche Anklam
Alt & neu: Lilienthal-Gleiter und Nachbau vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
Nachbau des Normalsegelflugapparts von Otto Lilienthal …
…und eines Doppeldeckers
Exponat in der Nikolaikirche
Otto Lilienthal [Originalfoto: Carl Kassner, 1891]
Flugversuch am 27. September 1891 in Derwitz [Originalfoto: Carl Kassner]
Flugversuch am 27. September 1891 in Derwitz [Originalfoto: Carl Kassner]

Am 9. August 1896 wurde Otto Lilienthal eine thermische Ablösung zum Verhängnis. Er stürzte ab und starb einen Tag später in Berlin.

Otto Lilienthals Absturzapparat, Berlin 11. August 1896 [Originalfoto: A. Regis]

Es gibt inzwischen einen Nachdruck Otto Lilienthals Werkes „Der Vogelflug als Grundlage der Fliegekunst“ und ich lasse es mir nicht nehmen, das Buch zu kaufen. Es ist schön aufgemacht und die richtige Lektüre für Andrés in unserer nächsten „Winterfamilienzusammenerauszeit“.

Die Ausstellung schließt und so machen wir uns auf den Weg zur Peene, ins „Flusscafé Anklam“. Unsere Freunde waren hier schon einmal und können den Kuchen und die Fischbrötchen empfehlen. Die Location ist sehr gemütlich. Wir suchen uns einen Platz im Schatten und bestellen uns etwas zu Essen und zu Trinken.

Wetterchecken bei Fischbrötchen und Bier

Von 1648 bis 1720 wehte über Anklam wie über ganz Vorpommern die schwedische Flagge. Daran erinnern wohl auch die kleinen Papierflaggen in zwei unserer Fischbrötchen. Andrés nutzt die Pause an der Peene für einen Wettercheck. Am Rückflugtag morgen soll es auch nach aktualisierter Wettervorhersage ziemlich windig werden. Ein weiteres Regenband zieht durch das Land und auf bockigen Seitenwind bei der Abschlusslandung in Mosbach habe ich so gar keine Lust. Wir beschließen, dass wir am Sonntag früh aufbrechen werden.

Anklam: Der Blick über die Penne flussabwärts … © Maja Christ
Der Blick über die Penne flussabwärts …
… und flussaufwärts

Die Sonne scheint, die Wespen lassen uns weitestgehend in Ruhe und wir genießen die Stimmung hier am Peeneufer. Wenn wir mehr Zeit hätten, könnten wir hier ein Kanu ausleihen (www.abenteuer-flusslandschaft.de), aber wir belassen es beim Beobachten und machen uns bald auf den Weg zurück ins Örtchen. Das Fischbrötchen war sehr lecker, aber noch kein Ersatz für das ausgefallene Mittagessen. Michael und Susanne empfehlen uns ein bulgarisches Restaurant in einer Seitenstraße unweit des Otto-Lilienthal-Denkmals.

Wir haben Glück – obwohl viele Tische reserviert sind und man uns schon warnt, dass es mit dem Essen wegen der erwarteten Besucherzahlen etwas dauern kann, finden wir einen gemütlichen Platz in der Scheune neben dem Biergarten. Während auf unser Essen warten, beglückt man uns mit verschiedenen „Grüßen des Hauses“.

Unsere Freunde sind glücklich …

Und dann kommt unser Essen und unsere Männer wünschen sich vermutlich, seit dem Frühstück gefastet zu haben, so groß sind ihre Portionen …

Im Restaurant © Chavarria/Christ
… und wir auch.

Die Gondel, die wir Mädels bestellt haben, ist glücklicherweise deutlich kleiner als die Portionen unserer Männer. Aber lecker ist alles!

Gaststätte Dabers in Anklam © Maja Christ
Die Gaststätte müssen wir uns merken.

Auf dem Rückweg kaufen wir noch eine Kleinigkeit fürs Frühstück in einem Discounter, der bis 22 Uhr geöffnet hat. Es gibt sogar noch ein Schokocroissant. 🙂

Als wir den Flugplatz erreichen, merke ich, wie müde meine Beine sind. Wir sind heute gute acht Kilometer gelaufen und viele Stunden geflogen. Der Sternenhimmel lädt uns auch hier ein, sich ins Gras zu legen und die Sterne und vorbeizischenden Satelliten zu beobachten. Es ist krass, wie viele Satelliten inzwischen um die Erde kreisen … Auch eine kleine Sternschnuppe huscht vorbei. Wir erzählen Susanne gerade von unserer Mega-Sternschnuppe des Vorabends, da zischt eine weitere über den Himmel. So einen breiten Schweif habe ich noch nie gesehen! Der Hammer! Auch Susanne hat sie gesehen und ruft freudig auf. Schnell etwas wünschen, oder?

Irgendwelche kleinen Viecher beginnen, uns auffressen zu wollen, die Müdigkeit übermannt uns und so beschließen wir, schlafen zu gehen.

Tag 3: von Anklam nach Jena-Schöngleina EDBJ

Am Sonntagmorgen sind wir wieder früh wach. Erste Amtshandlungen: Kaffee kochen und Wetter checken …

Morgenstimmung am Flugplatz EDCA © Maja Christ
Morgenstimmung am Flugplatz
Kaffekochen am Flugplatz © Maja Christ
Kaffee!

Nach einem gemütlichen Frühstück ist bald alles abgebaut und in den Flugzeugen verstaut und wir können der Tankstelle einen weiteren Besuch abstatten. Dann kommt auch schon der neue Flugleiter, sodass wir unsere Abstell- und Landegebühren begleichen können, ehe wir uns auf den Weg nach Jena machen – unser Ziel für einen Zwischenstopp. Passenderweise habe ich noch einen Landegutschein aus dem Augustheft des „Fliegermagazins“ im Gepäck. Wir verabschieden uns von Susanne und Michael, die durchfliegen wollen und daher eine versetzte Route anpeilen.

Auf geht’s!

Da es unter den Wolken recht ruppig werden wird, beschließen wir, über die Wolken zu steigen. 6500 Fuß sind hier eine gute Reisehöhe.

Über den Wolken … © Maja Christ
Über den Wolken …
Über den Wolken © Maja Christ
… kann man von Freiheit träumen.
Friedland © Maja Christ
Friedland
Der Hinnensee bei Neustrelitz
Der große Lychensee lacht uns schon von Weitem zu.

Über den Wolken ist es zwar deutlich ruhiger als darunter, dafür haben wir ordentlich Gegenwind, der uns ausbremst.

In der Ferne können wir bald Berlin erkennen und den Alex. Wir genießen die Aussicht und unseren Flug.

noch eine coole Wolke
Petersberg mit Steinbruch

Unser Weg führt uns weiter vorbei an Dessau und kurz vor Halle steigen wir ab, um nicht mit dem kontrollierten Luftraum des Leipziger Flugplatzes zu kollidieren. Ja, hier unten wird es ruppig.

Naumburg mit Dom © Maja Christ
Naumburg mit Dom

Dann ist der Platz Jena-Schöngleina in Sicht und wir melden uns bei FIS ab. Das ist gar nicht so einfach, denn immer, wenn ich die Funktaste drücken will, ruft ein anderer vor mir.

Anflug auf Jena-Schöngleina EDBJ

Über die heutigen Windverhältnisse am Platz hatte ich mich bereits vorab per Telefon informiert. Jetzt ist der Wind zwar kräftig, aber relativ laminar. Spannend ist es trotzdem.

Tower Flugplatz Jena-Schöngleina EDBJ © Maja Christ
Der Tower am Flugplatz hat viele Stufen.

Die Landung zahle ich mit meinem Landegutschein, den Sprit über App, doch einen Stempel hole ich mir doch noch beim Flugleiter. Respekt, wer die Stufen hier mehrmals am Tag rauf und runter laufen muss, braucht nicht mehr joggen zu gehen.

In Mosbach herrscht – wie sollte es auch anders sein – ordentlich Seitenwind, der in Böen die 20 Knoten überschreitet. Gegen Abend, sagt mir der Mosbacher Flugleiter am Telefon, könnte es ruhiger werden und sonst bestünde ja immer noch die Möglichkeit, nach Walldürn auszuweichen. So beschließen wir, eine längere Pause zu machen und Kaffee zu kochen. Es ist Mittagszeit – perfekt für ein Picknick.

Picknickpause

Natürlich kann der ein oder andere Spaziergänger es sich nicht verkneifen, einen Kommentar zu machen, dass das Restaurant anscheinend auf diese Seite des Towers gewechselt hätte.

Weiterflug nach Mosbach-Lohrbach EDGM

Die restliche Strecke pilotiere ich. Unser Weg würde uns nach Rudolstadt direkt in ein fettes Regenband führen und die Wolken scheinen so hoch, dass wir sie vermutlich nicht ohne Weiteres überfliegen könnten. Ein wenig Regen stört uns ja nicht, aber wer weiß, was uns dort erwarten würde. Also fliege ich zunächst etwas südlicher Richtung Coburg, mit möglichst viel Abstand zu den fetten, dunklen Wolken.

Natürlich schaffe ich es mal wieder, mich etwas zu verfransen. Über dem Thüringer Wald fällt die Orientierung schwerer (ja ich weiß, dass es dafür Apps gibt). Weil ich einen (zu) großen Bogen geflogen bin, kommen wir deutlich südlicher an den Main als erwartet. Das Nette daran ist, dass wir so – statt über Schweinfurt – über Kolitzheim kommen und den Platz noch einmal aus der anderen Richtung sehen können. Es ist ruppig und thermisch – am Montag werde ich ordentlich Muskelkater im rechten Arm haben …

In Mosbach herrscht tatsächlich noch ordentlich Seitenwind, doch der nimmt sich wohl ein Herz oder ist kurz müde, denn er lässt während meines Abfangbogens nach. (Vielleicht liegt es aber auch einfach am Windschatten der Hallen, dass es etwas ruhiger wird.)

Mosbach-Lohrbach EDGM © Andrés Chavarría
Ja, es ist windig in Mosbach!

Andrés erfährt vom Flugleiter, dass der fiese Wind heute sogar einem Piloten bei der Landung seinen Sporn gekostet hat.

Fliegermagazin 9/20 – Und Frösche können fliegen

Es folgt das obligatorische Fliegerwaschen und Ausräumen, dann bringe ich noch den Hallenschlüssel zurück zum Flugleiter. Und erlebe gleich noch eine Überraschung: Da liegt das neue Fliegermagazin mit einem Hinweis auf meinen Roman. 🙂

Da freue ich mich, meinen Briefkasten zu Hause in Stuttgart zu leeren, sobald wir wieder zu Hause sind. Aber noch viel mehr natürlich freue ich mich auf meine Jungs, die das Wochenende mit meinem Bruder verbracht haben.

Bleibt nichts anderes, als Danke zu sagen an all die netten Menschen, die zu diesem Erlebnis beigetragen haben – wir wurden auf unseren Stationen in Höxter-Holzminden, Anklam und Jena-Schöngleina (und natürlich auch an unserem Heimatflugplatz Mosbach-Lohrbach) sehr freundlich empfangen und konnten trotz teilweise unsicherer Wetterlage einen tollen Ausflug mit Freunden machen.

Und ja: Am Montag habe ich ordentlich Muskelkater im Arm … 🙂

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