Familienausflug: Elbsandsteingebirge und Leipziger Neuseenland

Für das letzte Wochenende hatten wir schon seit geraumer Zeit zwei Flugzeuge gebucht. Eigentlich drei, weil Michael uns mit einer Aquila von der Hahnweide aus begleiten will. Anvisiert war Baltrum, denn nicht nur unsere Kinder möchten gerne an die Nordsee. Doch für den Norden verheißt die Wettervorhersage nichts Gutes. Was sollen wir machen? Abblasen? Ein anderes Ziel aussuchen?

„Auf jeden Fall fliegen“, sagt mein Mann.

„Auf jeden Fall schwimmen“, sagen meine Kinder.

„Hauptsache, ihr nehmt mich mit“, sagt Michael.

Wasser also. Aber es muss ja nicht die See sein. Wie heißt es so schön? „Wenn ich den See seh‘, brauch‘ ich kein Meer mehr.“ Wir könnten also einen Platz mit einer nahegelegenen Bademöglichkeit ansteuern. Irgendwo, wo das Wetter besser sein soll. Gen Osten, zum Beispiel.

Die See? Der See? Egal …

Wohin nun? Andrés stöbert durchs Netz und entdeckt erste Flugplätze mit Seen in der Nähe. Ob man dort auch baden darf? Ich starte kurzerhand eine Anfrage an die Ultraleichtflieger-Gruppe in Facebook und werde innerhalb kürzester Zeit mit möglichen Zielen überhäuft, die alle sehr verlockend klingen. Als erster Vorschlag steht da Böhlen EDOE, ein Platz südlich von Leipzig, von dem wir noch nie gehört haben. In 10 Minuten soll man zu Fuß den Badesee erreichen, ein ehemaliges Tagebau-Loch, das inzwischen geflutet wurde. Eher als Scherz ist wohl „Bad Dürkheim“ gemeint – liegt der Platz doch kaum 10 Minuten von unserem Startflugplatz entfernt. Das wäre für die 1:40 h Fahrzeit von Stuttgart nach Worms (ohne Staus gerechnet) ein sehr kurzer Flug … 😉

… Hauptsache, baden UND fliegen UND gemeinsam

Nach einigem Recherchieren und Hin und Her entscheiden wir uns für Böhlen. Mit einem Stopp in Auerbach EDOA – einem kleinen Platz im sächsischen Vogtland – und einem Flug über das Elbsandsteingebirge: ca. 4 Stunden Flugzeit für den Samstag. Auch Michael ist mit der Route einverstanden und ruft am Freitag gleich an unserem Zielflugplatz an, um unser Vorhaben abzuklären.

Weil es in der Nacht auch bei Leipzig regnen könnte, haben wir unsere Zelte eingepackt: unser Zwei-Mann-Sturmzelt (aus der Zeit, bevor wir mit Kindern unterwegs waren) und Andrés‘ Uralt-Strandzelt, das wir schon für die Tent-City bei der AERO wieder ausgegraben und repariert hatten. Das ist zwar nicht wasserdicht, aber wir werden einfach unser Tarp darüber spannen.

Zum Propeller am Wormser Flugplatz © Maja ChristUm vor dem längeren Flug nicht auch noch eine anstrengende Autofahrt zu haben, fahren wir bereits am Freitagabend nach Worms und übernachten am Flugplatz. Petra und Andreas, unsere Vercharterer des ASW, sind zwar im Urlaub, stellen uns aber ein Nachtlager zur Verfügung.

Nach einem leckeren Abendessen im Propeller, bei dem wir bereits von einer Horde stechwütiger Mücken heimgesucht werden, machen Andrés und ich uns an die Flugvorbereitung und packen schon einmal die Flugzeuge, während die Kinder bis kurz vor Mitternacht über den Flugplatz streunern.

1. Etappe: Worms EDFV – Auerbach EDOA

Morgenstimmung am Wormser Flugplatz © Maja Christ
Morgenstimmung am Wormser Flugplatz

Die Nacht wird warm und kurz. Unsere Kinder diskutieren eine Weile, ehe sie sich entschieden haben, bei welchem Elternteil sie zuerst mitfliegen wollen – beide bei Mama geht nicht.

Nach einem kleinen Frühstück und viel Espresso sitzen wir Punkt 9 Uhr im Flugzeug für die erste Etappe nach Auerbach. Dort wollen wir unsere Flugzeuge auftanken, etwas ausruhen und uns mit Michael treffen.

Andrés startet mit der Sierra-November, einer C42B, und unserem Jüngsten als erster. Unser Großer und ich folgen ihnen mit der India-Xray, einer C42C (deren im Vergleich zur C42A oder B leichtgängige Steuerung mir während der UL-Ausbildung einiges an Nerven gekostet hat).

Diese Etappe wird ungefähr zwei Stunden dauern und führt uns zunächst über den Odenwald vorbei an Heppenheim, Michelstadt, Miltenberg und Wertheim nach Würzburg, von dort aus geht es über Kronach in Oberfranken ins Vogtland nach Plauen. Über die Bord-Bord-Frequenz halten wir Kontakt. Parallel melde ich mich bei FIS (und raste erst einmal die falsche Frequenz). Während es auf der „Quasselfrequenz“ sehr ruhig ist, herrscht bei FIS Hochbetrieb. Die Lotsen haben viel zu tun. Irgendwann höre ich, wie Michael sich mit der Aquila bei FIS anmeldet. Dann ist er also auch losgekommen.

Er hatte uns vorgeschlagen, bei Plauen einen Schlenker zu machen, um zwei Attraktionen des sächsischen Vogtlandes zu bewundern: die Elstertalbrücke und die Göltzschtalbrücke, die größte Ziegelstein­brücke der Welt. Die Eltertalbrücke verpasse ich, die Göltzschtalbrücke sehen wir. Sie ist wirklich imposant. Nur zum Fotografieren komme ich nicht. Stattdessen melde ich mich wie auch Andrés bei „Auerbach Info“.

In den letzten Minuten sind es dann zwei Kurven zu viel für meinen Copiloten. Ihm wird flau im Magen.

Pause am Flugplatz Auerbach EDOA © Maja Christ
Pause am Flugplatz Auerbach EDOA – Schatten ist immer gut

Man empfängt uns sehr herzlich und der Flugleiter bietet uns gleich an, dass wir uns dem Fliegerlager-Essen anschließen können. Schließlich ist gleich Mittag. Da der Flugplatz kein Restaurant am Flugplatz hat, waren wir eigentlich davon ausgegangen, nur eine Kleinigkeit zu snacken. Aber eine Einladung zum Piloten-Essen? Das lassen wir uns nicht zweimal sagen. Nachdem Michael gelandet ist und alle Maschinen mit frischem Sprit versorgt sind, machen wir uns auf den Weg ins Clubheim, wo schon eifrig gekocht wird.

Flugplatz Auerbach EDOA © Maja Christ
Wir warten auf unseren dritten Piloten

Es gibt echtes Fliegerlager-Essen: eine riesige Portion Nudeln mit Soße und Jagdwurst für jeden. Und sogar mein kleiner Sohnemann ist überglücklich – er bekommt statt der roten Soße eine Käsesoße und holt sich davon gleich noch einen Nachschlag.

2. Etappe: Auerbach EDOA – Königstein – Böhlen EDOE

Gut gestärkt geht es zu dritt auf den Weiterflug entlang der tschechischen Grenze zum Elbsandsteingebirge. Unsere Copiloten haben die Flugzeuge gewechselt und die restliche Strecke fliegt nun mein Zehnjähriger mit mir.

Beim Erreichen des Elbsandsteingebirges kriege ich von meinem Mann über Funk mitgeteilt, dass sein Copilot eingeschlafen ist. Die Nacht war halt wirklich kurz. Mein Co hält sich indes tapfer.

Elbsandstein © Maja Christ
Die Felsen des Elbsandsteingebirges sind auch von hier oben imposant
Lilienstein und Festung Königstein © Maja Christ
Der Lilienstein (rechts) und, im Bild leider kaum zu erkennen, die Festung Königstein (links)

Die Felsen sind auch aus der Luft unglaublich schön. Irgendwann sollten wir mal zum Klettern hierher kommen, finde ich. Doch so schnell werden wir das wohl eher nicht verwirklichen.

Michael hat sich die Freigabe für einen Durchflug durch die Dresdner Kontrollzone geholt. Mit den UL fliegen wir da nicht durch, sondern bleiben außerhalb. Vorbei an Dresden geht es weiter Richtung Leipzig und unserem Ziel für die Nacht: Böhlen EDOE.

Dresden © Maja Christ
In sicherer Entfernung zur Kontrollzone passieren wir Dresden.

Schon von Weitem sieht man den Zwenkauer See, in dem wir heute noch baden wollen. Mein Co bekommt den Flug in Platzrundenhöhe über den See jedoch nicht mehr mit – er schläft nun auch (pardon, er „ruht sich nur kurz ein wenig aus“).

Über die Graspiste rollen wir zu unserem Standplatz für die Nacht. Michael war schneller und ist bereits dabei, sein Zelt aufzubauen.

Gleich nach dem Aussteigen begrüßt uns Herbert vom Flugplatz. Er erzählt uns, wo wir Sanitäranlagen und Wasser finden. Und dass wir das mit den Erdankern und den Heringen gleich vergessen könnten. „Der Boden ist hart wie Zement.“ Das ist schlecht – schließlich könnte in der Nacht ein Unwetter kommen. Wir schlagen die Heringe für die Zelte so gut wie möglich in den Boden und werden einfach hoffen, dass uns die Gewitter verschonen.

Flugplatz Böhlen EDOE © Maja Christ
Damit man weiß, wo man ist …
Flugplatz Böhlen © Maja Christ
Unser Lager für die Nacht

Auf zum See!

Die Zelte stehen, die Badesachen sind gepackt und wir lassen uns von Herbert den Weg zum See erklären. Es ist wirklich nur einmal über die Straße …

Zwenkauer See © Maja Christ
Noch scheint der See unerreichbar …

… oder doch nicht? Hier jedenfalls dürfen wir nicht baden.

Der Zwenkauer See ist ein ehemaliges Tagebau-Loch, von denen es hier viele gibt. Bis vor 20 Jahren wurde noch Braunkohle abgebaut. Inzwischen ist er vollständig geflutet und mit knapp 10 km² das größte Gewässer im südlichen Leipziger Neuseenland. Doch noch nicht alle Hänge sind ausreichend befestigt. Und so wandern wir erst einmal weiter.

Wanderung zum Badesee © Maja Christ
… doch wir finden bestimmt ein Plätzchen.
Baden im See © Maja Christ
Herrlich erfrischend ist das Wasser.

Baden im Zwenkauer See © Maja Christ

Das Wasser ist frisch und damit bei der Hitze, die inzwischen wieder herrscht, sehr erfrischend. Etwas gewöhnungsbedürftig ist der leicht anaerobe Geruch, den ein Aufwühlen des Bodens an einigen Stellen hervorruft. Doch das stört uns nicht.

Während die Erwachsenen nach einer Weile wieder aus dem Wasser kommen und sich vom Flug ausruhen, wollen die Kinder gar nicht mehr an Land kommen. Ja, unsere Jungs sind wirklich zwei Wasserratten. Und nun sind sie überglücklich.

Irgendwann müssen wir sie aber dann doch aus dem Wasser holen – unsere Mägen knurren wieder. Nur unwillig leisten unsere Kinder Folge. Schließlich mussten sie lange im Flugzeug sitzen.

Wir marschieren zurück, finden noch zwei Geocaches auf dem Weg und machen uns dann ans Abendessen-Zubereiten. Herbert bringt zwei Gläser für unseren Wein. „Den wollt ihr doch wohl nicht aus den Alubechern trinken?“, sagt er. Er selbst lehnt ab. Und so essen wir – etwas geschafft – Knöpfle mit Käse und trinken ein Glas Rotwein dazu.

Abendessen am Flugplatz Böhlen © Maja Christ
Zum Abendessen gibt es Knöpfle mit Käse.

Langsam wird es dunkel. Die Mücken sind auch hier angriffslustig. Zielsicher finden sie jede Stelle, die wir beim Einsprühen mit Antimückenspray vergessen haben. Die Kinder sind nicht nur genervt von den Mücken, sondern auch hundemüde. Sie verabschieden sich bald und lesen noch eine Weile in ihrem Zelt. Michael folgt ihnen, nachdem er unseren Abwasch  übernommen hat. Dass er so bald nicht zum Schlafen kommen wird, ahnt er da noch nicht …

Der Sturm

Über Leipzig blitzt es bereits. Weit weg scheint das Gewitter. Mit einem Mal frischt es auf und fängt an zu tröpfeln. Wir packen langsam unsere Essenssachen zusammen. Müssen wir die Flugzeuge doch noch verzurren?

Dann geht alles ganz schnell. Der Wind wird immer stärker und die ersten Bäume im angrenzenden Wald knacken bedrohlich.

Gewitterkarte, Screenshot Deutscher Wetterdienst
Die Gewitterkarte

Ich habe noch die halbvollen Weingläser in der Hand, kann sie aber nicht abstellen, ohne dass sie hier draußen kaputtgehen würden. Wir flitzen zu den Flugzeugen und suchen die Erdanker. In Windeseile verzurrt Andrés mit Superkräften nacheinander unsere Maschinen, während das Tarp über unserem Zelt fast davonfliegt. Das Sturmzelt, in dem unsere Kinder liegen, steht fest.

Ich traue mich nicht, das zweite Flugzeug loszulassen, solange es noch nicht gesichert ist. Michael ist in einer ähnlich prekären Lage. Sein Zelt ist kurz davor, den Abflug zu machen und er muss dringend die Aquila in Sicherheit bringen. Wir beordern eines unserer Kinder wieder nach draußen. Im Regen, nur mit einer Unterhose bekleidet und müde hält unser Großer tapfer Michaels Zelt fest, während der seinen Flieger in den Windschatten zieht. Andrés ist inzwischen mit unseren Flugzeugen fertig und so kann ich endlich mein Kind ablösen, das inzwischen ziemlich friert und erleichtert wieder in das Sturmzelt schlüpft. Michaels Zelt wird in Sicherheit gebracht, dann sichern wir unser Tarp, damit unser Zelt nicht „geflutet“ wird.

Sobald wir fertig sind, ist die Böenwalze auch schon vorbeigezogen. Geschafft setze ich mich mit Andrés wieder an einen der Holztische. Wir sind zwar vollkommen durchnässt, aber ich bin dennoch froh, dass wir Sitzkissen dabei haben. Um uns herum leuchten in der Ferne die Blitze und ein Feuerwerk.

In der Nacht stürmt es zwar nicht mehr und die Gewitter ziehen um uns herum, aber es regnet immer wieder, sodass Wasser ins Zelt tropft. Das Tarp ist eben nur ein Notbehelf. Trotzdem schlafe ich besser als in der Nacht zuvor.

Der nächste Tag

Flugplatz nach dem Sturm © Maja Christ
Nach dem Sturm …

Bis auf umwehte Verkehrskegel und Schilder sowie einer Lücke im Wald, wo anscheinend am Vorabend noch ein Baum stand, sieht man am nächsten Morgen nicht, dass in der Nacht eine Böenfront über den Flugplatz gefegt ist. Wir frühstücken gemütlich und ich bin heilfroh, als Herbert auftaucht und wir ihm die Weingläser unversehrt wieder zurückgeben können.

Frühstückin EDOE © Maja Christ
Man(n) muss Prioritäten setzen: Kaffee oder Müsli
Frühstück in EDOE © Maja Christ
Geburtstagsfrühstück am Flugplatz

Michael joggt eine Runde um den Flugplatz, während Andrés und ich uns eine Route für den Rückweg überlegen. Ein Tankstopp am Dolmar wäre schön. Zwar kann Michael dort nicht landen, aber der schlägt vor, direkt nach Worms zu fliegen und dort auf uns zu warten. Ich rufe bei der Flugschule Dolmar an und frage, ob man überhaupt genug Sprit für uns hätte … Janine, die ich an der Strippe habe, bietet uns gleich an, für jeden 20 Liter extra zu holen, wenn sie für die Flugschule Sprit holt. Was für ein Service!

Langsam füllt sich der Flugplatz mit Leben und wir beginnen, die „Zelte abzubrechen“. Gegen Mittag haben wir alles in den Flugzeugen verstaut und die Route vorbereitet. Der Wind soll wieder auffrischen, aber sonst wird sich das Wetter halten.

3. Etappe: Böhlen EDOE – Dolmar-Kühndorf

Ich starte nach den beiden Herren als letzte aus unserer Truppe und folge Andrés in Richtung Thüringer Wald. Diesmal kann sich auch mein „kleiner“ Copilot den See von oben anschauen.

Zwenkauer See © Maja Christ
Abflug in Böhlen mit einem letzten Blick auf den See

Wie der See vor dem Fluten aussah, zeige ich meinem Sohn anhand der Tagebau-Löcher, die wir als nächstes passieren.

Tagebau Profen © Maja Christ
Ob das Loch auch mal ein Badesee wird? Durch das Loch verläuft übrigens die Grenze zwischen Sachsen und Sachsen-Anhalt.
Jena © Maja Christ
Wir passieren Jena …
Weimar © Maja Christ
… und Weimar.

Vorbei an Jena und Weimar führt uns unsere Etappe über den Thüringer Wald. Wegen des Gegenwindes kommen wir heute deutlich langsamer voran als am Vortag.

„Dolmar in Sicht!“, verkündet mein vorausfliegender Ehemann über Funk.

Stolzer Copilot © Maja Christ
Stolzer Copilot

Andrés landet bergauf und warnt mich gleich, dass ich mich auf ordentlich Rückenwind gefasst machen muss. Sein Copilot filmt die Landung:

Tankstopp am Dolmar © Maja Christ
Tankstopp am Dolmar

Außer uns ist kein fremder Flieger da – was wir ungewöhnlich finden. Bei unseren letzten Besuchen war immer etwas los. Da war aber auch das Restaurant noch in Betrieb.

Tanken am Dolmar © Maja Christ
Hier ist das Betanken echte Muskelarbeit

Janine kommt uns gleich entgegen und fragt, ob wir erst einmal einen Kaffee trinken könnten. Sie hätten gerade Mittagspause, aber gleich könnte sie uns beim Tanken helfen. Das Quax hat seit Kurzem neue Betreiber. Offiziell öffnet es erst Anfang August, doch heute haben sie eine Art „Tag der offenen Tür“. Glück muss man haben.

Also machen wir uns auf den Weg zu den umgebauten Gasträumen, trinken einen Kaffee und bekommen auch noch eine Kleinigkeit zu essen.

Auf dem Weg zurück zu den Flugzeugen werden wir schon wieder herzlich begrüßt – diesmal von Lorenz‘ Mutter. Seit Jürgen Schlütters tödlichem Unfall vor zwei Jahren haben sie es hier sicher nicht einfach.

Wir finden Janine und machen uns mit ihr, zwei Kanistern Sprit, einer Leiter und einer Handpumpe auf den Weg zu den Maschinen. Die Tankstelle sei noch kaputt, erzählt Janine, während sie den schweren Kanister auf die C42 hievt.

Es dauert ein wenig, bis beide Maschinen mit ausreichend Sprit für den Heimflug versorgt sind. Wir zahlen, bedanken uns für die tolle Unterstützung und versprechen, bald wieder zu kommen. Dann vielleicht auch mal wieder über Nacht – ohne Zelte.

Pause am Flugplatz Dolmar © Maja Christ
Dolmar: Hier ist es immer wieder schön.
Start am Dolmar © Maja Christ
Andrés startet mit Sohn 1 zuerst.

4. Etappe: Dolmar-Kühndorf – Worms EDFV

Auf der Quasselfrequenz wird inzwischen wirklich viel gequasselt. Eine Pilotin und ein Pilot unterhalten sich, als säßen sie nebeneinander im gleichen Flugzeug. Die beiden wollen nach Coburg und sie wundert sich etwas über ihre Öltemperatur, die sie sich nicht erklären kann. Gemeinsam diskutieren sie über mögliche Ursachen.

Nachdem wir die Wasserkuppe passiert haben, schläft mein Copilot doch ein. Netterweise erlaubt er mir, dieses Foto zu veröffentlichen, wenn ich dazu schreibe, dass er nur so müde sei, weil er zwei Nächte vorher bis Mitternacht über den Flugplatz streunern durfte:

Müder Copilot © Maja Christ
Auf dem letzten Stückchen Flug machen sich bei meinem Co die kurzen Nächte bemerkbar.

Aber er hat mich auch während des Fluges tatkräftig unterstützt, da darf er schon müde sein und eine Runde schlafen. Ich darf das nicht. Andrés ist weit voraus und kaum noch in Sicht und ich bin gut damit beschäftigt, den ab Aschaffenburg zunehmenden Verkehr im Blick zu behalten. Hier ein kreisendes Segelflugzeug, da kommt mir ein Motorflugzeug direkt entgegen, dann kreuzt eines von links. Ein weiteres Segelflugzeug. Ich bin gut beschäftigt und froh, als es im Rheintal wieder ruhiger wird.

Im Worms ist die Piste 24 offen – fast genau mein Kurs. Doch ein Direktanflug ist heute nicht erwünscht. Stattdessen sollen wir uns in die Platzrunde einordnen. Im Endanflug gibt es Thermik und ich versuche slippend, Höhe abzubauen. Ruppig ist es auch hier. Anscheinend gibt es heute nur anspruchsvolle Anflüge für uns.

Michael wartet schon lange auf uns. Ich biete ihm noch einen Kaffee an und gönne mir ebenfalls einen, während wir die Maschinen leerräumen. Bald verabschiedet er sich. Er muss schließlich noch zurück zur Hahnweide. Und wir müssen noch bis nach Stuttgart fahren. An einem Sonntagabend ist das nicht lustig.

Start Aquila Worms EDFV © Maja Christ
Abflug in Worms: Michael macht sich auf den Heimweg.

Zurück nach Hause …

Müde und geschafft fahren wir über eine überfüllte Autobahn nach Hause. Was für eine Umstellung nach dem Flug. Es ist heiß und Andrés hat die Klimaanlage angemacht. Irgendwann bläst mir die kühle Luft zu sehr ins Gesicht. Ich will die Luftzufuhr verstellen, aber greife ins Leere. Habe ich gerade versucht, an der Autoscheibe nach einem Dreh-Ausstellfenster zu fassen, wie die C42 eines hat??

Zu Hause angekommen, es ist inzwischen 19 Uhr, lasse ich es mir nicht nehmen, noch Pizza zu backen. Schließlich ist heute ein besonderer Tag.

Es war ein toller Ausflug. Auch Michael hat ihn sehr genossen, wie er uns am nächsten Tag schreibt. Und ich habe noch drei Tage später Muskelkater im Po.

Erst am nächsten Tag lesen wir, dass am Sonntagnachmittag in Coburg ein Flugzeug mit einem Ehepaar notlanden musste, weil der Motor im Landeanflug aussetzte. Im Gegensatz zu dem tödlichen Unfall vom Samstag in Bruchsal verletzen sich die beiden jedoch glücklicherweise nur leicht. Kurz überlegen wir, ob es jemand von den Piloten war, die sich die ganze Zeit über die Bord-Bord-Frequenz unterhalten haben. Von der Uhrzeit könnte es passen. Das bereitet einem schon einen leichten Schauer …

Ein Kommentar zu „Familienausflug: Elbsandsteingebirge und Leipziger Neuseenland

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s