Luftsport: Odenwald – Franken – Oberpfalz

Am Wochenende haben wir mehrere Stunden Sport getrieben. Wir waren in der Fränkischen Schweiz und in der Oberpfalz. Diesmal allerdings nicht zum Klettern. Stattdessen haben wir einen Ausflug mit einem Ultraleichtflugzeug gemacht. Und ja: „Luftsport“ trägt seine Bezeichnung zu Recht.

Warum man mit Luftsportgeräten tatsächlich Sport betreibt

Dass Fliegen Sport ist, wissen Gleitschirm- und Drachenflieger und vor allem Segelflieger, die an einem Tag oft viele Kilometer zu Fuß zurücklegen, um gelandete Flugzeuge zum Start zurückzuschieben. Auch das Kurbeln in der Thermik macht „Muckis“.

Dass man auch beim Fliegen motorgetriebener Ultraleichtflugzeuge Sport betreibt, zeigt sich spätestens, wenn man längere Flüge durch starke Thermik geflogen ist und schweißtreibende Anflüge auf fremde Plätze mit Verwirbelungen im Anflugbereich hinter sich hat. Das hat sich uns auch am Wochenende mal wieder gezeigt.

Auf zum Feuerstein

Wir starten – diesmal zu zweit und nur mit einem Flieger – in Mosbach-Lohrbach EDGM. Unsere erste Etappe ist der Flugplatz Burg Feuerstein. Vor vielen, vielen Jahren habe ich hier einmal einen Segelfluglehrgang gemacht. Anfang der 1990er war das. Seitdem war ich zwar oft zum Klettern in der Fränkischen Schweiz, aber nicht mehr am Flugplatz.

Unser Weg zum Feuerstein ist steinig. Thermikwolken pflastern unseren Weg. Das sieht natürlich wunderschön aus, macht den Flug in einem Ultraleichtflugzeug jedoch nicht gerade einfach. Mal geht es 3 m/s runter, dann wieder 4 m/s rauf. Schade, dass ich nicht in einem Segler sitze, denke ich, während ich versuche, meine C42 davon zu überzeugen, einigermaßen geradeaus zu fliegen und sich nicht von jedem Lupfen an der Fläche vom Kurs abbringen zu lassen. Andrés, mein Copilot und Ehemann, schaut immer wieder verwundert zu mir herüber, was ich da mit dem Steuerknüppel herumrühre. Dabei versuche ich nur, uns einigermaßen auf Kurs zu halten.

Auch wenn es anstrengend ist und ich irgendwann einen Krampf im Oberschenkel vom Gegenhalten des Seitenruders bekomme – der Flug ist wunderschön. Vorbei an Giebelstadt, Ochsenfurt und Kitzingen führt uns unser Weg Richtung Fränkische Schweiz.

Fünf Minuten vor Erreichen des Platzes melde ich mich am Turm an. Als sich der Flugleiter betont deutlich mit „FEUERSTEIN Info“ zurückmeldet, registriere ich erst, dass ich mich gerade verhaspelt habe. Habe ich tatsächlich „Feuerbach Info“ gerufen? Ups. Feuerbach ist ein Stadtteil von Stuttgart, durch den ich regelmäßig fahre. Kann passieren. Ist aber trotzdem peinlich.

Wir dürfen den Platz im direkten Endanflug anfliegen. Während mein Co ihn schon von Weitem entdeckt hat, kann ich ihn partout nicht ausmachen. Kein Wunder: Deutlich und eigentlich nicht zu übersehen, liegt der Flugplatz EDQE auf dem Berg direkt vor uns. Und wo suche ich? Im Tal.

„Heute wird der beste Thermiktag des Jahres.“

Der Anflug auf die Piste 08 ist spannend. Ich hatte vollkommen verdrängt, wie die Piste hier ansteigt. Angekündigte Abwinde im Anflugbereich bereiten uns glücklicherweise keine Probleme und auch der Flugplatzverkehr hält sich in Grenzen. Obwohl uns morgens, als ich am Turm anrief und unsere Landeabsichten kundtat, gesagt wurde, dass die Segelflieger heute außerordentlich aktiv sein würden. Wahrscheinlich ist die Thermik so gut, dass keiner, der erst einmal in der Luft ist, vor Sunset freiwillig wieder landen wird. Tatsächlich stehen am Boden fast keine Flugzeuge mehr herum. Alle in der Luft.

Als wir unsere Parkposition erreicht haben, kommen zwei Piloten auf uns zu. Ob man sich die C42 mal ansehen dürfe: „Ich versuche gerade, meinen Kollegen hier davon zu überzeugen, auf der Maschine mit der Schulung zu beginnen.“

Klar können sie sich die Maschine ansehen. Ich erkläre, dass die C42 sozusagen die Ka7 oder ASK13 unter den ULs wäre – also ein total gutmütiger Schulungsflieger, der sich fast alles gefallen lässt. „Sorry, ich bin kein Segelflieger, ich komme von der Motorfliegerei“, heißt es. Und dann die Frage: „Bist du Flugschülerin?“ Nö. Ich nehme das aber gerne als Kompliment, dass ich mich gut gehalten habe 😉

Wir machen uns auf den Weg zum Restaurant und bestellen uns einen Salat mit gebratener Putenbrust. Der ist superlecker, aber so riesig, dass wir ihn uns hätten teilen können. Am Nachbartisch erzählt ein Junge begeistert von dem Gast-Kunstflug, den er eben mitgemacht hat: „Mensch, der Pilot musste die ganze Zeit voll viel arbeiten und hat ganz schön geschwitzt. Ich hätte nie gedacht, dass Loopingfliegen so anstrengend für den sein wird.“ Ich lächle still in mich hinein und denke an den letzten Kunstflug, den ich vor ewigen Zeiten mit meinem Vater gemacht habe.

Burg Feuerstein EDQE © Maja Christ
Burg Feuerstein EDQE
Tower Burg Feuerstein EDQE © Maja Christ
Im Tower zahlen wir erst einmal unsere Landegebühr.

Wir bestellen uns noch einen Verdauungsespresso, dann geht es weiter. Andrés darf die nächste Etappe fliegen.

Burg Feuerstein EDQE © Maja Christ
Ein letzter Blick zurück auf den Flugplatz, dann starten wir
Burg Feuerstein EDQE © Maja Christ
Start bergauf an der Piste 08

Ich schaue etwas wehmütig zurück, als er startet. Irgendwie habe ich kaum etwas wiedererkannt. Dabei war es damals eine tolle Zeit hier. Zwei Wochen habe ich mit 15 am Feuerstein Segelflugschulung gemacht, auf einer ASK13:

Segelflugschulung Anfang der 1990er am Feuerstein © Hartmut Christ
Segelflugschulung Anfang der 1990er am Feuerstein © Hartmut Christ

Doch den Tower hätte ich nicht wiedererkannt. Dabei habe ich sogar Fotos von damals – auch mit dem Tower (und meinem Vater) drauf. Aber zurück in die Gegenwart.

Burg Feuerstein © Maja Christ
Burg Feuerstein

Einmal quer über die Fränkische Schweiz

Wir wollen weiter nach Weiden in der Oberpfalz, Siggi besuchen. Er erwartet uns schon. Wir können jedoch nicht direkt fliegen, sondern müssen das Flugbeschränkungsgebiet ED-R 136 umfliegen, den Truppenübungsplatz Grafenwöhr. Daher führt unser Weg uns direkt über unser Lieblingsklettergebiet in der Fränkischen Schweiz. Mehr oder weniger zufällig entdecken wir den Campingplatz, an dem wir schon so viele Male gezeltet und leckeren Apfelkuchen gegessen haben – den Gasthof Eichler im Trubachtal. Erstaunlich wenige Zelte stehen auf der Wiese – dafür, dass Pfingstferien sind. Wir müssen unbedingt ein Luftbild mitbringen, wenn wir das nächste Mal zum Zelten kommen.

Untertrubach/Wolfsberg in der Fränkischen Schweiz © Maja Christ
Gasthof Eichler im Trubachtal

Es ist das erste Mal, dass ich, seit wir mit dem Klettern angefangen haben, über all die Felsen fliege, die ich sonst nur von unten kenne.

Schön ist sie, die Fränkische Schweiz mit ihren Kalk-und Dolomitfelsen, den Höhlen und Burgen, dem leckeren Bier und dem gutem Essen.

Fränkische Schweiz © Maja Christ
Hiltpoltstein und links im Wald versteckt die Kletterfelsen der „Hexenküche“
Flug über die Fränkische Schweiz © Maja Christ
Flug über die Fränkische Schweiz Richtung Spies

Kaffee und Kuchen bei Siggi in Weiden EDQW

Schon lange wollten wir unseren Bekannten Siggi mal an seinem Heimatflugplatz besuchen. Er empfängt uns freudig am Funk. Etwas Verwirrung kommt auf, als er uns die Anweisung gibt, direkt zum Hangar Nr. 1 zu rollen. Wir sehen nur die Nr. 4 und drehen mit der C42 zweimal im Kreis auf dem Gras, bis wir sehen, wohin wir rollen sollen. Damit sorgen wir bestimmt für Belustigung bei den Zuschauern.

Siggi hat sogar schon unsere Landegebühr gezahlt, als wir aus dem Flieger krabbeln. Wir begrüßen uns freudig, Andrés‘ Landung wird gelobt, dann suchen wir uns ein schattiges Plätzchen zum Quatschen.

Flug Richtung Weiden © Maja Christ
Flug Richtung Weiden
Anflug Weiden-Latsch EDQW © Maja Christ
Anflug Weiden-Latsch EDQW
Flugplatz Weiden-Latsch © Maja Christ
Flugplatz Weiden-Latsch EDQW

Den restlichen Nachmittag essen wir gemütlich Kuchen im Vereins-Café und tauschen uns über unsere Flugzeug-Bauprojekte aus. Andrés hat sogar ein paar Teststücke unserer letzten Laminierarbeiten an #hortenmicrolight eingepackt.

Leider ist die Zeit jedoch viel zu schnell vorbei und wir müssen uns auf den Heimweg machen. Vielen Dank für Speis‘ und Trank! Und für das nette Treffen. Wir kommen gerne mal wieder vorbei, wenn es sich ergibt.

Pilotentausch in Bamberg-Breitenau EDQA

Die Zeit ist schon vorangeschritten, aber wir möchten auf dem Rückweg noch einen weiteren Zwischenstopp einlegen. Dann hätte jeder zwei Stückchen zum Fliegen gehabt – es soll ja gerecht bleiben.

Für die nächste Etappe nehme ich wieder auf dem Pilotensitz Platz. Die Thermik hat sich inzwischen weitgehend aufgelöst und es ist ruhig in der Luft geworden. Eine einzelne Wolke befreit sich über uns von etwas überschüssigem Wasser. Ja, wir sind auch traurig, dass wir so schnell wieder weg müssen, aber wir haben noch den ganzen Rückflug vor uns.

Wir umfliegen das Sperrgebiet im Norden und fragen in Bamberg an, ob man uns noch für einen schnellen Pilotentausch landen lässt. Positiv. Also hangeln wir uns an der Autobahn entlang und reihen uns in die Platzrunde ein. Der Platz liegt fast in der Stadt. Ich bin vollkommen durchgeschwitzt, als ich zum Turm gehe, um unsere Landegebühr zu zahlen. Andrés macht es sich inzwischen wieder auf dem Pilotensitz gemütlich.

Bamberg EDQA © Maja Christ
Sonderlandeplatz Bamberg-Breitenau EDQA

Die Romeo-Hotel, mit der wir heute unterwegs sind, gleitet inzwischen fast wie auf Schienen durch die Luft. Kein Vergleich zu dem Hin und Her wenige Stunden zuvor. So wird der Rückflug weniger anstrengend als der Hinflug.

Der Rückflug wird deutlich ruhiger © Maja Christ
Der Rückflug ist deutlich ruhiger
Die Wolken spielen mit der Sonne © Maja Christ
Die Wolken spielen mit der Sonne

Ankunft in Mosbach-Lohrbach EDGM

Mosbach empfängt uns in alter Manier. Der Platz hat seine Tücken und die will er uns auch an diesem Abend nicht vorenthalten. Der Windsack hat zwar bereits Feierabend gemacht und hängt schlaff herunter. Die Böen, die sich im Anflugbereich verstecken, lassen sich davon jedoch nicht beeindrucken. Andrés muss ziemlich arbeiten, aber er fängt die Maschine souverän ab.

Anflug auf Mosbach-Lohrbach EDGM © Maja Christ
Wieder daheim: Anflug auf Mosbach-Lohrbach EDGM

Bordbuch ausfüllen, Flieger waschen und in die Halle schieben, nach Hause fahren. Wir sind vollkommen fertig. Aber es war ein schönes Erlebnis.

Auch am Sonntag merke ich noch die Anstrengung des Fluges, die körperliche Arbeit, die der „Ritt“ durch die Thermik bedeutete. Fliegen ist wirklich „Luftsport“. Und Ultraleichtflugzeuge heißen zu Recht „Luftsportgeräte“.

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