Familienausflug zum Dolmar

Vatertag? Muttertag? Familientag! Ein Jahr ist es her, dass wir das letzte Mal am Dolmar waren. Noch länger, dass wir mit der ganzen Familie einen richtigen Ausflug gemacht haben. Höchste Zeit, beides zu verbinden: mit unseren Kindern zum UL-Landeplatz am Dolmar zu fliegen und unter den Tragflächen zu biwakieren. Also nichts wie los. Oder?

Organisationsmanagement für Fortgeschrittene

Oh, cooles Wetter heute, denke ich. Genau richtig, um mit der ganzen Familie einen Ausflug zu machen. Das Gepäck liegt schon bereit, mein Mann und meine Kinder springen sofort freudig ins Auto und wir düsen zum Flugplatz. Keine 10 Minuten später stehen wir an den Fliegern, die Rucksäcke passen ohne Probleme ins Gepäckfach und wir können sofort losfliegen. Wann wir wiederkommen, steht uns vollkommen frei, denn nach uns hat auch in den nächsten Tagen niemand die Maschinen gebucht. Freiheit pur. Schön wär’s. Nur leider ist es selten auch nur annähernd so einfach.

Also noch mal auf Anfang

Was braucht man alles, wenn man einen Ausflug (über Nacht) mit der ganzen Familie machen möchte?

  • Kinder, die Bock auf Fliegen haben
  • ein passendes Ziel
  • genügend Zeit
  • passendes Wetter
  • zwei C42, die mit ausreichend langer Zeitspanne zum Chartern zur Verfügung stehen
  • vier gesunde Familienangehörige

Die Kinder

Unsere Kinder haben nicht immer Lust, mit uns zu fliegen. Aus verschiedenen Gründen: lange Fahrt zum Flugplatz, es könnte einem schlecht werden, der Flug könnte doch langweilig werden, man könnte sich stattdessen mit Freunden treffen,

Als wir ihnen vorschlagen, unter der Tragfläche zu schlafen, ganz ohne Zelt unter freiem Himmel, müssen sie jedoch nicht zweimal überlegen. Das wollen sie auf jeden Fall mitmachen.

Das Ziel

Das Ziel ist schnell ausgemacht: Dolmar. Der kleine UL-Landeplatz in Thüringen ist urgemütlich und bietet sich perfekt für einen Familienausflug an. Von Mosbach-Lohrbach ist er in ca. 1:10 h Flugzeit zu erreichen. Das überstehen auch unsere Kinder.

Die Zeit

Was die Zeit betrifft, erscheint uns das Himmelfahrtwochenende perfekt: Die Kinder haben Freitag einen Ferientag, wir Erwachsenen können uns einen Gleittag nehmen. Wir fragen bei Günter an, ob wir zwei Flugzeuge über Nacht chartern können. Das sollte doch machbar sein, da wir von Donnerstag bis Sonntag total flexibel sind.

Das Wetter

Was sich dann vor allem als flexibel erweist, ist das Wetter: Für Donnerstag sind in ganz Deutschland Gewitter zu erwarten. Freitag soll es wieder schön werden, Samstag gegen Abend wieder schlechter. Sonntag Regen. Es bleibt also eigentlich nur Freitag auf Samstag.

Merke: Flexibilität(Zeit) ist umgekehrt proportional zu Flexibilität(Wetter).

Die Flugzeuge

Jetzt, wo wir doch nicht mehr so flexibel sind, wird es umso schwieriger, zwei Flugzeuge an den einzigen schönen Tagen des verlängerten Wochenendes zu ergattern. Anfangs ist es nicht einmal sicher, ob wir überhaupt EINE Maschine bekommen könnten. Aber wir wissen uns zu helfen und fragen in Worms an, ob wir dort auch eine C42 chartern können.

Am Ende haben wir tatsächlich zwei Flugzeuge: eins aus Mosbach und eins aus Worms. Das einzige Manko: Wir haben nur ein Auto. Nach Mosbach sind es etwas über eine Stunde Fahrt, von Mosbach nach Worms noch einmal fast anderthalb Stunden. Langsam scheint es, dass es einfacher wäre, mit dem Auto zum Dolmar zu fahren, aber das wäre ja nicht Sinn der Sache

Unser Plan: Wir fahren alle gemeinsam nach Mosbach, ich schnappe mir die MESY und fliege mit einem Kind nach Worms. Andrés fährt weiter nach Worms, übernimmt dort die MZIX und gemeinsam fliegen wir dann weiter zum Dolmar. Sollte zu schaffen sein.

Doch ist da nicht noch ein Parameter, der passen muss?

Die Gesundheit

Nachdem unser Jüngster nach einem Infekt gerade auf dem Weg der Besserung ist, wähnen wir uns in trügerischer Sicherheit. Doch am Donnerstag klagt unser Großer über Schwindel, Kopfweh und allgemeines Unwohlsein. Sollten wir nun nach all dem logistischen Aufwand scheitern, weil er Fieber bekommt? Wir beschließen, zumindest bis Freitagvormittag abzuwarten und dann zu entscheiden.

Wir haben Glück: Er bekommt kein Fieber, fühlt sich zunehmend besser und ist sich sicher, dass er flugtauglich ist.

Los geht’s: zunächst mit dem Auto nach Mosbach

Die Kinder würfeln aus, wer welche Strecke mit welchem Elternteil fliegen darf und es gibt natürlich erst einmal Streit. Egal. Da müssen sie durch. Alea iacta est.

Mit unserem Gepäck (Schlafsäcke und Isomatten, Zahnbürsten, etwas Proviant, Tarp gegen Wind und eventuellen Regen, Wechselkleidung, Espressokanne, Kocher und was man halt zum Fliegen so braucht) können wir uns am Freitagmittag auf den Weg nach Mosbach machen.

Die MESY ist schnell aus der Halle geschoben, gecheckt und getankt und während Andrés mit unserem Großen weiterfährt, starte ich bald mit meinem Jüngsten und nehme Kurs auf Worms EDFV.

Von Mosbach-Lohrbach EDGM nach Worms EDFV

Mutter und Kind fliegen von EDGM nach EDFV © Maja Christ
Mein Jüngster genießt seinen Flug von Mosbach nach Worms

Alles klappt wunderbar. Mein Copilot genießt sichtlich seinen Flug. Es ist nur ein wenig ruppig, als wir vom Odenwald in die Rheinebene kommen.

Die Sicht ist nicht vergleichbar mit unserem letzten Flug von Mosbach nach Worms, aber es ist okay.

Nach einer halben Stunde erreichen wir ohne Zwischenfälle Worms. Bis Andrés ankommt, vergeht noch eine Weile.

Dann ist er da, wir verteilen unser Gepäck auf die beiden Flugzeuge (was gar nicht so einfach ist in einem UL), halten noch ein kurzes Schwätzchen mit Petra und Andreas und machen uns gegen 18 Uhr auf den Flug zum Dolmar.

Worms EDFV © Maja Christ
Die MESY wartet – im Gegensatz zu ihrem Copiloten – geduldig auf den Weiterflug

Von Worms EDFV zum UL-Landeplatz Dolmar-Kühndorf

Mein Copilot hat Pilot und Flugzeug gewechselt und fliegt mit seinem Vater voraus. Ich fliege gemütlich mit meinem anderen Sohnemann hinterher. Es ist eine Weile her, seit er das letzte Mal in der Luft war und auch er genießt den Flug sehr. Die vielen Dörfer, der Wald, die Burgen, die Fernsehtürme – alles wird bestaunt. Und fotografiert.

Bensheim und Auerbach © Maja Christ
Bensheim und Auerbach

Andrés fliegt in der Ferne voraus. Wir wechseln die Frequenz auf den Fluginformationsservice FIS und hören, wie man über „zwei ULs, die vermutlich in Formation fliegen“ spricht. Ein Pilot fragt nach, ob man wüsste, wo die wohl hinfliegen. Nicht, dass man vielleicht ein FLY-IN verpasst hat. 🙂

Wir passieren Aschaffenburg EDFZ (hatte ich nicht mal Probleme, diesen Platz zu finden?). Ich melde mich bei FIS an, erbitte Verkehrsinformationen und bestätige, dass wir mit zwei Flugzeugen auf dem Weg zum Dolmar sind. Inzwischen ist es ruhig in der Luft geworden.

Mutter und Sohn in der C42 © Maja Christ
Von Worms zum Dolmar mit einem glücklichen Copiloten

Mein Copilot freut sich, als er auch mal steuern darf. Ja, es ist gar nicht so einfach, den Kurs zu halten. „Mama, wie machst du das?“, will er wissen, als er wieder nach rechts oben steuert und ich ihn etwas korrigiere. Ich zeige ihm, was die Seitenruder machen und wie man sie gemeinsam mit dem Querruder einsetzen muss.

Als wir an der Kontrollzone Frankfurt vorbei sind, steigen wir auf 4000 Fuß. Die Wasserkuppe lassen wir „links liegen“, immer weiter Richtung Dolmar. Bald kann man ihn in der Ferne erkennen. Andrés hat zwischenzeitlich einen südlicheren Kurs gewählt und fliegt in der Ferne rechts von uns weiter.

Flug zum Dolmar © Maja ChristFlug zum Dolmar © Maja Christ

Mein Vater hatte kurzerhand entschieden, ebenfalls zum Dolmar zu kommen. Er ist mit seinem ULF-2 bereits gelandet. Ich gebe ihm unsere ungefähre Landezeit durch und bitte darum, dass er im Quax Bescheid geben soll, dass sie gleich noch vier hungrige Piloten zu versorgen haben. Was für ein Service: Ich könnte sogar schon bestellen, damit wir direkt nach der Landung unser Essen haben, aber so eilig haben wir es ja nicht.

Kurz vor Erreichen unseres Ziels bedanke ich mich bei FIS für den Service und melde uns am Dolmar an. Wenig später höre ich, wie auch Andrés Funkkontakt aufnimmt. Während er von Süden in die Platzrunde einfliegt, nehme ich Kurs von Norden und lande kurz nach ihm. Mein Vater empfängt uns freudig. Und nicht nur er – auch die Drachenflieger, die sofort entdeckt haben, dass „mein“ Flugzeug eine Schleppkupplung hat. Tut mir leid, Leute, noch habe ich keine Schleppberechtigung. Aber was nicht ist, kann ja noch kommen.

Gemeinsam gehen wir erst einmal Abendessen.

Dann wird es Zeit, die Flugzeuge zu verzurren und das Nachtlager aufzubauen.

Familientreffen am Dolmar © Maja Christ

Ein kleines Abenteuer: Biwakieren unter der Tragfläche

Es ist das erste Mal, dass unsere Kinder ohne ein Zelt draußen schlafen werden. Gegen den Wind bauen wir unser Tarp unter der Fläche auf. Darunter kommen vier Isomatten und Schlafsäcke. Dann machen wir Popcorn.

Für unsere Kinder ist das ein echtes Abenteuer. Es dauert eine Weile, bis sie zur Ruhe kommen. Aber dann sind sie doch schnell eingeschlafen. Die ganze Aufregung macht müde.

Bald kuscheln auch wir Erwachsenen uns in unsere Schlafsäcke. Die Nacht wird Dolmar-typisch: erst frisch-kalt, dann gegen Morgen immer wärmer.

Guten Morgen, Dolmar

Andrés wird vor den Vögeln wach, ich gegen 5 Uhr. Doch zum Glück schlafen wir noch einmal ein. Als wir wieder wach werden, ist es bereits 8 Uhr. Mein Vater ist schon eifrig dabei, die Tragflächen seines Fliegers abzuledern.

ULF-2 © Maja Christ
Mein Vater ist früh wach und ledert seinem ULF-2 ab

Langsam krabbeln wir aus den Schlafsäcken. Wir müssen los, bevor das Quax aufmacht und machen uns daran, Frühstück vorzubereiten. Man hat uns am Vorabend noch ein paar Brotscheiben geschenkt. Und den Rest haben wir dabei: Studentenfutter, Müsliriegel, Salami, etwas Käse. Und Espresso.

Leider haben wir auch keine Zeit für ein paar Platzrunden. Oder für eine kleine Runde mit meinem Vater. Vielleicht das nächste Mal! Jetzt müssen wir die Flugzeuge bis Mittag wieder zurückbringen. Und die Wormser Maschine zwischendrin tanken – die Tankstelle der Wormser ASW ist defekt. Das wird alles knapp und das Zusammenpacken etwas hektisch.

Schließlich entscheiden wir uns dafür, zuerst nach Mosbach zu fliegen und dort die MZIX zu tanken.

Zurück nach Mosbach-Lohrbach

Dolmar Rückflug

Diese Etappe fliege ich voraus. Der Bergab-Start am Dolmar ist wie immer spannend. Diesmal haben wir aber – im Gegensatz zum letzten Jahr – Gegenwind und sind zügig in der Luft. Über Funk verabschiedet sich auch mein Vater noch von uns.

Wir nehmen Kurs Richtung Mosbach und melden uns wieder bei FIS an. Auch an diesem Morgen ist es noch relativ ruhig in der Luft. Dennoch haben die Fluglotsen einiges zu tun.

Mein Copilot findet es spannend, dem Funk zu lauschen und ab und zu etwas zu steuern. Dann holt er sich die Kamera und fotografiert. Es gibt so viel zu sehen, dass ihm der Flug fast nicht langweilig wird.

Fliegen über den Wölkchen © Maja Christ
Diesmal fliegen wir sogar über den Wolken. Na gut: Wölkchen

Irgendwann dann meckert er doch. „Wie lange noch? Mir ist langweilig.“ Dann bekommt er Bauchweh. Noch 20 Minuten bis Mosbach. Das sollte zu schaffen sein. Wir passieren Walldürn. Und natürlich erinnert sich mein Sohn noch an unseren Vatertagsausflug vor zwei Jahren.

Flugplatz Walldürn © Maja Christ
Auf dem Rückflug passieren wir Walldürn

Gegen halb elf erreichen wir Mosbach-Lohrbach. Die Landung wird fast abenteuerlicher als die am Dolmar. Es ist ruppig im Anflug und kurz vor dem Aufsetzen sind wir plötzlich wieder in der Luft. Andrés passiert zwei Minuten später genau das gleiche.

Unsere Kinder beschließen, dass sie fürs erste genug geflogen sind. Also muss sich Andrés nach dem Tanken der MZIX allein auf den Weiterflug nach Worms machen – und auf die Rückfahrt zu uns.

C42 startet © Maja Christ
Andrés fliegt weiter nach Worms, um die C42 zurückzubringen

Bis er mit dem Auto wieder in Mosbach sein wird ist genügend Zeit, die MESY zu putzen. Wenn meine Kinder so viel Elan beim Saubermachen ihres Kinderzimmers hätten, wie beim Waschen des Flugzeugs

Flugzeug waschen © Maja Christ
Die Kinder waschen freiwillig das Flugzeug

Am Nachmittag sind wir wieder zu Hause. Müde und glücklich. Auch wenn der Ausflug logistisch etwas komplizierter war, als man es sich wünscht, war es ein wunderschöner Kurzurlaub.

Perfekter Ausflug für die Tage zwischen Vater- und Muttertag!

 

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4 Kommentare zu „Familienausflug zum Dolmar

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