Horten-UL: ein Projekt für Jahre

Manche Menschen halten uns für verrückt. Also, meinen Mann und mich. Wenn ich erzähle, dass eines meiner Hobbys Fliegen ist, schüttelt der ein oder andere schon mal mit dem Kopf. Eine Frau, Mutter von zwei Kindern, noch nicht mal in einem technischen Beruf und fliegen? Und dann noch nicht einmal in einem „richtigen Flugzeug“, sondern diese Ultraleicht-Dinger? Irgendwann kommt die Frage: „Ist das nicht viel zu gefährlich?” Irgendwie scheint das kein typischer Zeitvertreib für „Frauen wie mich“ zu sein. Das verstehe ich gar nicht. Ist doch ein ziemlich cooles Hobby.

Aber wenn ich dann noch erzähle, warum wir in letzter Zeit viel zu selten zum Fliegen kommen, dann bekomme ich endgültig den Stempel „etwas verrückt“ verpasst. Oder großen Respekt. Das kommt auch vor.

Warum wir so selten zum Fliegen kommen? Weil wir in unserer Garage ein eigenes Flugzeug bauen. Es ist kein Bausatz. Es gibt keine fertigen Pläne. Es wird ein Prototyp werden. Das erste seiner Art. Kein klassisches Flugzeug mit langem Rumpf, sondern eine „Horten“, ein Nurflügel.

Entwurf der Schneewittchen #hortenmicrolight © Andrés Chavarría
Entwurf der „Schneewittchen“ mit Elektroantrieb © Andrés Chavarría

Der Entwurf stammt von meinem Mann Andrés. Er hat schon verschiedene Modellflugzeuge dieser Art gebaut. Wunderschöne Flugzeuge. Es ist schade, dass diese Art Flugzeug sich nicht durchgesetzt hat, auch wenn es immer wieder Versuche gibt, Nurflügel zu konstruieren. Sie haben halt ihre Tücken.

Auf jeden Fall baute Andrés vor einigen Jahren einen Prototyp im Maßstab 1:4 und testete ihn auf Herz und Nieren. Seit 2015 haben wir nicht nur eine Garage, sondern sogar noch einen zweiten Bauraum und bauen an dem echten manntragenden Teil. Das ist ganz schön viel Arbeit, kann ich euch sagen. Aber meistens macht es auch ganz schön viel Spaß. Wobei ich dazu sagen muss, dass Andrés die meiste Arbeit macht. Aber wann immer er meine Hilfe braucht, bin ich dabei. Wenn es darum geht, größere Teile zu laminieren, auch mal bis drei Uhr morgens.

Wenn alles klappt, wird das fertige Flugzeug maximal 120 kg wiegen. Es wird ein Einsitzer. Und es soll einen Elektromotor bekommen.

Mittelteil der "Schneewittchen
Das Mittelteil der „Schneewittchen“ ist (fast) federleicht

Gerade haben wir die Urform für die Kabine am Wickel. Im Sommer haben wir damit angefangen. Es hat alles länger gedauert als geplant. Schließlich haben wir nicht nur ein Flugzeug, sondern auch Kinder. Und die dürfen ja auch nicht zu kurz kommen. In den Sommerferien vor einem Jahr haben wir viel gebaut, aber dieses Jahr waren wir ja mal wieder in Mexiko.

Jetzt haben wir ein paar Tage frei und es geht wieder voran. Tagelang hat Andrés gespachtelt und geschliffen, wieder gespachtelt und neu geschliffen. Heute hat er die Kabinen-Urform lackiert. Weiß wie der Schnee, der hier gestern noch gefallen ist.

Urform der Schneewittchen-Kabine nach dem ersten Lackieren
Die Urform der Kabine, von der wir erst eine Negativform abformen werden, um später die echten Teile zu laminieren

Die nächsten Schritte nach erneutem Schleifen und erneutem Lackieren werden dann wieder Laminierschritte werden – notfalls auch bis in die Nacht. Erst eine Negativform, dann die echten Teile. Immerhin müssen wir die Haube nicht selbst ziehen.

Irgendwann kommen die Tragflächen. Aber dazu muss erst die Garage verlängert werden. Wann wir fertig sein werden? Vielleicht in fünf Jahren? Vielleicht auch nicht. Wir haben keine Eile. Aber Spaß. Und den wollen wir nicht verlieren.

Hortenmicrolight Mittelteil
Immerhin konnten wir im letzten Frühling schon einmal „probesitzen“

Den vollständigen Baubericht gibt es unter https://hortenmicrolight.wordpress.com. Auf Englisch.

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