Mexiko Teil 2: Yucatán und seine Cenotes

Welche Bilder schwirren einem durch den Kopf, wenn man an Mexiko denkt? Sicher Mariachis und Kakteen, möglicherweise Jalapeño und Mais. Und bestimmt Pyramiden. Und wenn man an Pyramiden denkt, wird das Bild, das man vor Augen hat, mit großer Sicherheit „El Castillo“ sein. Chichén Itza. Die Pyramide mit der Schlange, die zweimal im Jahr unzählige Touristen anzieht, weil man den Schatten sehen will.

Kukulcán-Pyramide in Chichén Itzá © Maja Christ
Kukulcán-Pyramide („El Castillo“) in Chichén Itzá

Chichén Itza liegt auf der Halbinsel Yucatán. Genaugenommen sind auf der Halbinsel drei Bundesstaaten: Yucatán, Quintara Roo und Campeche. Aber meist meint man, wenn man von „Yucatán“ spricht,  die gesamte Halbinsel.

Als die Spanier nach Mexiko kamen, siedelten dort die Maya. Und auch heute leben die Nachfahren dieses einst großen Volkes dort. Yucatán ist heiß und feucht. Ein Klima, in dem Moskitos sich sehr wohl fühlen. Doch Yucatán ist eine Reise wert.

Viele Touristen fliegen direkt nach Cancún, der Hauptstadt von Quintara Roo. Die Region entlang der Karibik ist jedoch vergleichsweise voll. Viele Gruppenreisende. Und aufgrund der Unmengen an Touristen relativ teuer. Für Essen und Schlafen zahlt man im Inneren der Halbinsel bestimmt die Hälfte wie an der Karibikküste. Wie es an den großen Hotelanlagen aussieht, kann ich nicht sagen. Wir mögen eher kleinere Strände, weniger Komfort. Weniger Menschen.

Straße in Yucatan mit Dschungel © Maja Christ
Am Straßenrand undurchdringlicher Dschungel

Von Mexiko-Stadt fliegen wir nach Merida, der Hauptstadt des Bundesstaates Yucatán. Mit dem Mietwagen geht es zuerst nach Tulum an die Karibik. Denn zum Karibikstrand müssen wir natürlich auch fahren. Den Kindern die weißen Strände und das türkisfarbene Wasser zeigen. Nach ein paar Tagen fahren wir über Valladolid, Chizén Itzá, Izamal und Tixkokob wieder zurück Richtung Merida, mit Abstechern nach Uxmal und Celestún. Die Straßen sind inzwischen hervorragend ausgebaut. Aber an den Straßenrändern versucht die Natur, sich ihr Gebiet wieder zurück zu holen.

Was bitte ist ein Cenote?

Cenote Sagrado, Chichén Itzá © Maja Christ
Im Cenote Sagrado in Chichén Itzá darf man nicht baden. Hier wurden früher Menschen geopfert.

Bevor ich mehr von Maya-Ruinen erzähle, möchte ich über die „Cenotes“ schreiben. Die kennt nämlich nicht jeder. Cenotes sind aber typisch für die Halbinsel. Yucatán ist eine Kalkplatte, durchlöchert wie ein „Schweizer Käse“. Es gibt unzählige Tropfsteinhöhlen und mit Wasser gefüllte, oft kreisrunde Löcher – die Cenotes. Die Maya hielten sie für den Einstieg in die Unterwelt.

In einigen Cenotes darf man baden. Das Wasser hat in etwa die Jahresdurchschnittstemperatur. Also um die 26 °C. Meinem Jüngsten wird da schnell kalt und wir sind froh, dass wir ihm einen Neoprenanzug mitgebracht haben. Die Eintrittspreise variieren – je nachdem, wie viele Touristen sich in die Gegend verirren und wie groß und ausgebaut die Anlage ist.

Wir besuchen dieses Jahr drei verschiedene Anlagen. Und weil sie sich alle komplett voneinander unterscheiden und somit durchaus unterschiedlichen Touristentypen gefallen könnten, schreibe ich einfach über diese drei.

Für alle Cenotes, in denen man baden darf, gilt: keine Sonnencreme, kein Insektenschutzmittel auf der Haut.

Grand Cenote, Tulum

Der Grand Cenote ist ganz in der Nähe von Tulum (N 20° 14.790 W 087° 27.850). Er liegt etwa 5 Kilometer von der Stadt entfernt direkt an der Hauptstraße. Natürlich macht es ihn dadurch auch sehr interessant für Gruppenreisen. Er ist dementsprechend gut besucht.

Grand Cenote © Maja Christ
Durch eine Höhle kann man von einer Seite zur anderen schwimmen oder tauchen.

Wir bezahlen 180 Pesos pro Erwachsenem und 90 Pesos pro Kind (Stand August 2017, entspricht 8 bzw. 4 Euro). Es ist eine große Anlage mit Duschen und Umkleiden, Sitzgelegenheiten und Schatten.

Der erreichbare Bereich des Cenote ist etwa 200 Meter lang, bis zu 15 Meter breit und drei bis vier Meter tief. Eine Höhle verbindet zwei offene Bereiche miteinander. Über einem schwirren Fledermäuse und Vögel, auf der Suche nach Insekten. Unter einem schwimmen verschiedene Fische. Außerdem gibt es eine abgetrennte Stelle mit Schildkröten. Es bietet sich an, eine wasserdichte Kamera dabei zu haben, vielleicht auch eine entsprechende Lampe, da man ein Stück weit in eine Höhle tauchen kann. Wer kein Schnorchelset dabei hat, kann bei Bedarf eins leihen.

Grand Cenote © Maja Christ
Fische lassen sich stundenlang beobachten

Leider ist es, als wir hier sind, sehr voll: Ein Bus hält für eine, anderthalb Stunden, spuckt eine Horde Touristen aus, die vorsorglich ein Unterwasser-Gopro- oder Smartphone-Selfiestick-Equipment dabei haben und die kurze Zeit nicht zum Genießen der Umgebung nutzen wollen, sondern für den besten Spot, das beste Selfie ohne störende andere Touristen. Ohne Rücksicht tauchen sie mit ihren Selfie-Sticks durch das Wasser, drängen Kinder zur Seite, die noch nicht so sicher schwimmen können. Soll es doch auf Facebook und Co so aussehen, als hätte man den Cenote ganz für sich allein genießen können. Anderthalb Stunden später kommt die nächste Gruppe. Und das Spiel beginnt von Neuem.

Aber irgendwann am Nachmittag wird es ruhiger und man kann auch wieder in Ruhe schwimmen, das kühle Nass genießen, ohne einen Fuß oder einen Selfie-Stick ins Gesicht zu bekommen.

Fazit: Trotz der Gruppen ist es sehr schön hier. Und man kann einen Tag der Hitze entfliehen. Es gibt genügend Schatten.

Höhlensystem um den Grand Cenote © Maja Christ
Die Cenotes sind über ein unterirdisches Höhlensystem miteinander verbunden

Cenotes X’kekén & Samula, bei Dzitnup/Valladolid

Valladolid ist eine typische kleine Kolonialstadt, 45 km östlich von Chizén Itzá. Direkt in der Stadt gibt es einen Cenote, den ich aber nicht kenne. Etwa eine Viertelstunde mit dem Auto von der Stadt entfernt, nördlich von Dzitnup, gibt es eine Anlage mit zwei Cenotes: X’Kekén und Samula (N20° 39.666 W88° 14.608). Man kann sich aussuchen, ob man beide oder nur einen der beiden Cenotes besuchen möchte. Wir entscheiden uns für X’Kekén. Man muss ein paar Meter laufen, unter anderem durch eine Halle mit Einkaufsständen. Wir irren in der Halle etwas herum und laufen versehentlich zweimal am Durchgang zu den Cenotes vorbei.

Cenote X'Kekén © Maja Christ
Cenote X’Kekén: Stalaktiten und Pappelwurzeln ragen von der Höhlendecke

X’Kekén ist ein unterirdischer Cenote. Der Zugang erfolgt über eine Treppe. Von der Decke hängt ein riesiges Stalaktitengebilde über dem Wasser, daneben gibt es ein Loch, das etwas Tageslicht spendet. Neben den Stalaktiten hängen Pappelwurzeln bis zum Wasser herunter.

Seine Siebensachen kann man an der Seite auf einer in den Stein gehauenen Treppe lagern, muss aber damit rechnen, dass sie feucht werden könnten. Wie in allen von uns besuchten Cenotes gibt es Seile, die über die Wasseroberfläche gespannt sind. Sie helfen den Nichtschwimmern, solange sich niemand darauf stellt und die Seile unter Wasser drückt.

Hier treffen wir deutlich weniger Menschen. Es sind mehr Einheimische unter den Besuchern und wir verbringen einige gemütliche Stunden – schwimmend, tauchend und Fische beobachtend. Der Einstieg ins Wasser ist jedoch jedes Mal ein kleines Abenteuer, da die Steine glitschig sind.

Cenote X'Kekén © Maja Christ
Stalaktiten im Cenote X’Kekén

Fazit: Sehr viel ruhiger als im Grand Cenote. Schattig, da unterirdisch. Gemütliches Ambiente. Wir würden jederzeit wiederkommen.

Cenotes de Cuzumá, südlich von Merida

Am Tag nach unserem Besuch in X’Kekén fahren wir nach Chizén Itzá. In den Cenotes der Ruinenstätte (Cenote Sagrado und Xtoloc) darf man natürlich nicht baden – und bei den ganzen Menschen, die die Maya im Cenote Sagrado geopfert haben, möchte man das auch gar nicht. Bei einer kleinen Pause an einem Kiosk erzählt uns hier jedoch ein Touristenguide von einigen ganz besonderen Cenotes: In Cuzamá, 45 km südlich von Merida gibt es eine alte Henequén-Plantage (N20° 43.413 W89° 19.203). Henequén, auch bekannt als Sisal, ist eine Agavenart. Sie wurde früher für die Faserherstellung im großen Stil angebaut.

Kleiner Tipp am Rande: Die besten Hängematten, die ich kenne, sind aus Henequén. Unsere haben wir vor mehr als 20 Jahren gekauft und sie ist fast wie neu. Heute haben andere Materialien Henequén weitgehend für die Hängemattenproduktion abgelöst, aber man bekommt sie zum Beispiel noch in Tixkokob (30 km östlich vom Merida). Doch das ist eine andere Geschichte.

Kutschfahrt in Cuzamá © Maja Christ
Mit der Kutsche geht zu den Cenotes

Auf der ehemaligen Henequén-Plantage in Cuzumá hat man sich eine neue Einnahmequelle überlegt. In zwei bis drei Stunden wird man zu drei verschiedenen Cenotes geführt, in denen man jeweils eine halbe Stunde baden kann. Zu den einzelnen Cenotes kommt man nicht zu Fuß, sondern mit einem Pferd. Genauer gesagt, mit einer kleinen Kutsche, die von einem Pferd gezogen wird. Das Gelände ist mit kleinen Schienen versehen, die weit in den Dschungel hineinführen. Darüber wurde früher das Henequén abtransportiert. Für etwa 400 Pesos können wir das Gefährt samt Kutscher mieten.

In Badesachen geht es los. Der Kutscher ist ein sympathischer Kerl, sein Pferd wird gut behandelt und scheint fast Spaß an der Sache zu haben. Für den Kutscher ist es ein Knochenjob: Da die Schienen einspurig sind, muss er bei Gegenverkehr das gesamte Gefährt von den Schienen hieven.

Einstieg Cenote © Maja Christ
Eine Treppe führt zum Wasser

In den ersten Cenote auf unserer Fahrt gelangt man über eine Eisentreppe gemütlich nach unten in die Höhle. Wie er heißt, wissen wir nicht mehr. Die Namenszuordnung der einzelnen Cenotes ist nämlich im Internet nicht ganz klar – im Gegensatz zum Wasser der Cenotes (kleiner Scherz am Rande).

Es gibt Tageslicht über Löcher in der Höhlendecke und die Wurzeln der Bäume wachsen auch hier tief in die Höhle hinein, auf der Suche nach Wasser. Mit uns sind nur zwei weitere Paare dort. Das Wasser ist unglaublich klar und fantastisch blau. Man kann bis auf den Grund sehen, obwohl das Wasser stellenweise viele Meter tief ist.

Cenote © Maja Christ
Selten hat man einen so wunderschönen Cenote fast für sich

Nach einer halben Stunde geht es weiter. Die Fahrt ist holprig. Die Schienen nicht mehr ganz passend. Auf gerader Strecke geht es rasch voran, vor jeder Kurve muss unser Kutscher bremsen. Manche nimmt er sogar im Schritttempo.

Bald erreichen wir den nächsten Cenote. Hier müssen wir über eine steile Leiter mehrere Meter tief hinunter klettern. Ein echtes Abenteuer, vor allem für unsere Kinder. Es lohnt sich!

Einstieg zum Cenote © Maja Christ
Abenteuerlicher Weg hinab zum Cenote

Das Wasser ist noch klarer. Trotz der Tiefe und dem Schummerlicht kann man auch hier bis auf den Grund sehen. Und wir sind froh, Taucherbrillen dabei zu haben.

Auch hier ist die halbe Stunde schnell vorbei und wir klettern wieder ans Tageslicht, um zum nächsten Cenote zu kommen.

Cenote © Maja Christ
Kristallklares Wasser im Cenote

Nun geht es mit der Kutsche wieder zurück Richtung Parkplatz. Den letzten Cenote – eine Tropfsteinhöhle ganz ohne Tageslicht – hat unser Kutscher uns für den Schluss aufgehoben.

Einstieg Cenote © Maja Christ
Einstieg in die Unterwelt: zwischen den Bäumen geht es über ein Loch zum letzten Cenote unserer Tour

Der Einstieg ist noch abenteuerlicher: Mitten zwischen Bäumen geht es wieder mehrere Meter eine steile Leiter hinunter. Kein Wunder, dass die Maya so etwas für Einstiege in die Unterwelt hielten.

Batteriebetriebene Lampen spenden in der Höhle etwas Licht. Wir laufen vorsichtig durch die Tropfsteinhöhle, bis wir zum Wasser kommen. Diesmal kommt der Kutscher mit und bleibt auch bei uns in der Höhle. Erst kurz bevor unsere Zeit um ist, kommt ein weiterer Kutscher mit zwei Touristen hinunter, so dass wir die meiste Zeit ganz für uns schwimmen können.

Aufpassen muss man auf seine Füße. Zwar ist es an einigen Stellen viele Meter tief, an anderen dafür umso flacher.

Unterirdischer Cenote © Maja Christ
Schwimmen in einer Tropfsteinhöhle
Tropfsteinhöhle © Maja Christ
Ein Wirrwarr an Stalaktiten

Als wir nach oben kommen, regnet es wie aus Kübeln. Das Pferd möchte sich unter unser Kutschdach retten, muss aber trotz allem die Kutsche zurück ziehen. Dafür sind die Pferdebremsen – von denen es reichlich gibt – nun bei uns unterm Dach. Jetzt dürfen wir zum Glück wieder Insektenschutzmittel benutzen.

Immerhin kommen uns auf der Rückfahrt aufgrund des Regens und der fortgeschrittenen Uhrzeit keine weiteren Kutschen mehr entgegen, sodass wir ohne Unterbrechung durchfahren können. Der Kutscher hat sich auf alle Fälle ein gutes Trinkgeld verdient.

Fazit: Ein tolles Abenteuer. Und so wenige andere Schwimmer im Cenote hatten wir an keiner anderen Stelle. Der Bitte der Betreiber, Werbung für ihre drei Cenotes zu machen, komme ich hiermit gerne nach. Ich hoffe jedoch, dass es noch lange ein „Geheimtipp“ bleibt, in den nächsten Jahren nicht zu voll wird und die Touristen sich weiterhin an das Sonnencreme- und Insektenschutzmittel-Verbot halten, damit das Wasser so klar bleibt. Damit noch viele die Stelle genießen können.

Vielleicht stelle ich irgendwann noch ein Video zusammen. Auf bewegten Bildern wirkt ein Ort anders als auf Fotos.

Das nächste Mal könnte ich etwas über die hervorragende yukatekische Küche erzählen. Oder über ein paar Pyramiden. Mal sehen.

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2 Kommentare zu „Mexiko Teil 2: Yucatán und seine Cenotes

  1. Hach ja, México lindo y querido. Ich liebe dieses Land und die Menschen dort, auch wenn man leider immer wieder negative Schlagzeilen hört.
    Ausflüge zur den Sehenswürdigkeiten macht man am Besten sonntags, da sind weniger Ausflugsbusse unterwegs und die meisten Touristenattraktionen verlangen keinen Eintritt. Tulum hatten wir vor Jahren sonntags fast für uns alleine, samt Traumstrand. Ob das heute noch so ist, weiß ich aber nicht.
    LG

    Gefällt 1 Person

    1. Ja, Sonntags verlangen viele archäologische Stätten keinen Eintritt, damit auch Mexikaner mit wenig Geld ihre Kulturgüter besuchen können. Wir waren an einem Sonntag in Uxmal und dort war es sehr viel ruhiger als in Chichén Itzá oder Tulum. Aber allgemein war um Merida deutlich weniger los. Man muss aber auch dazu sagen, dass es in den letzten Jahren voller geworden ist. Ich war 1995 das erste Mal in Yucatán, das letzte Mal 2004.
      Jetzt war ich schon traurig, dass man viele der Pyramiden nicht mehr besteigen oder von innen besuchen kann. Aber bei den Massen wären sie innerhalb kürzester Zeit kaputt.

      Gefällt 1 Person

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