Familienurlaub in Mexiko – Teil 1: Hinflug

„Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Urlaub! Vielleicht können Sie sich ja da mal etwas entspannen!“, blafft man mich an. Ich schüttle nur den Kopf. Tja, der Mann meint das nicht so. In seinen Gedanken wünscht er mir wahrscheinlich gerade abwechselnd Malaria und Denguefieber an den Hals. Warum?

Wir stehen am Frankfurter Flughafen am Ende der Schlange für die Abgabe der Koffer. Die Schlange für Familien. Mit zwei großen und zwei kleinen Koffern, einer schweren Reisetasche, drei Rucksäcken und einer Handtasche bepackt. Was man halt so braucht für eine vierköpfige Familie und dreieinhalb Wochen Urlaub und Familienbesuch in Mexiko. Und wir haben wohl gerade ein bisschen geträumt. Es ist zwar inzwischen Mittag, aber wir sind bereits seit halb sechs auf den Beinen.

Den Online-Check-In haben wir bereits am Vortag erledigt. Heute morgen ging es erst mit der Stadtbahn zum Hauptbahnhof, dann weiter mit dem ICE nach Frankfurt. Der Lufthansa-Wagen der Deutschen Bahn ist nicht ausgelegt für die vielen großen schweren Koffer, die Fluggäste in der Regel mit sich führen. Es ist nicht einfach, einen Koffer mit 23,2 Kilogramm Gewicht in das Gepäckfach zu hieven. Doch im Gang kann man die Koffer ja auch nicht stehen lassen und die Kofferregale am anderen Ende des Wagens waren schnell voll.

Aber nun stehen wir in der Schlange der Lufthansa, um unsere Koffer endgültig abzugeben. Dass sich die Schlange an Urlaubern vor uns eine „Familienspanne“ weiterbewegt hat, nehme ich erst wahr, als uns der Mann mit seiner Familie mithilfe seines Kofferkulis beiseite schieben will. Plant er gerade, sich vor uns einzureihen? Langsam werde ich wieder wacher, schaue ihn fragend an und weise ihn höflich, aber bestimmt darauf hin, dass sich das Ende dieser Schlange hinter und nicht vor uns befindet: „Hallo, entschuldigen Sie? Könnten Sie sich vielleicht hinten anstellen?“
„Sie stehen doch gar nicht in der Schlange!“
„Ähm, doch.“
„Ja, aber da sind ja zwei Meter Platz! Wie soll man denn da ahnen, dass Sie in der Schlange stehen!“

Ich sage nichts mehr. Während er schimpfend seine Frau und sein Kind hinter uns manövriert, schieben wir kopfschüttelnd unser Gepäck einen Meter nach vorne.

Zu seiner Verteidigung könnte ich erwähnen, dass hinter uns sonst noch niemand stand. Das Ende einer Schlange ist ja nicht so eindeutig auszumachen wie der Anfang oder das Mittendrin. Das kennt man ja auch von den Schlangen an den Kassen im Kaufhaus.
Der Mann jedenfalls beklagt sich weiter lauthals darüber, wie wenig tolerant manche Menschen doch seien und überhaupt. Der Ton, mit dem er uns nun einen entspannten Urlaub wünscht, entlarvt ihn endgültig. Als jemanden, der nicht damit umgehen kann, wenn man oder – vielleicht noch schlimmer – frau ihn darauf hinweist, dass er möglicherweise einen Fehler gemacht haben könnte und der daraufhin mit leichter Aggressivität reagiert. Egal. Es sind Ferien. Wir sind müde. Und ignorieren das Gemaule, so gut es geht.

Nachdem wir unsere Koffer abgegeben haben und durch die Sicherheitskontrolle durch sind, haben wir noch ausreichend Zeit, bis wir zu unserem Gate müssen. Ist da nicht ein virtueller „Geocache“ am letzten Gate des Terminals? Los geht’s, ein bisschen Laufen tut gut. Schließlich werden wir gleich etwa zwölf Stunden im Flugzeug sitzen.

Zwei Stunden später sitzen wir erschöpft in einer Boing 747-800. Ganz hinten. Der Weg bis zum letzten Gate war weit. Weiter als gedacht. Meine Jungs haben gemault. Aber sie hätten auch gemault, wenn wir eine Stunde mehr am Gate hätten warten müssen. So sind es nur zwanzig Minuten, die wir gut mit einem Würfelspiel überbrücken können. „Qwixx“ geht auch auf den Sitzbänken des Wartebereichs. Einigermaßen jedenfalls.

Zwölf Stunden in einem Flugzeug sind eine lange Zeit. Aber sie geht vorbei. Ich erinnere mich kurz an einen stressigen Flug und muss lächeln. Ist das echt schon acht Jahre her? Wahnsinn. Gut, dass sich einige Dinge zum Positiven entwickeln. Jetzt schauen meine Jungs auf der anderen Seite des Ganges einen Film nach dem anderen. Ausnahmsweise. Wann darf man denn sonst schon mal so viele Stunden am Stück fernsehen? Darauf haben sie sich wahrscheinlich schon seit dem letzten Interkontinentalflug vor zwei Jahren gefreut. Damals waren sie alleine auf dem Weg nach Mexiko. Ganz ohne uns Eltern.

Ich bin froh, dass wir diesmal endlich wieder einmal alle gemeinsam reisen. Fast vier Wochen werden wir in Mexiko sein. Familie und Freunde besuchen. Auch ein paar Pyramiden. Einige Tage werden wir in der Hauptstadt Mexiko-Stadt verbringen. Eine Woche wollen wir durch die Halbinsel Yucatán reisen. Unseren Kindern die Karibik, Maya-Ruinen, „Cenotes“ und Leguane zeigen. Den Rest der Zeit geht es nach Niederkalifornien. Auf dem kleinen Weingut meiner Schwiegereltern kann man sich nämlich auch wunderbar entspannen.

Fast hätte ich vergessen, es zu erwähnen: Unsere Kinder sind fast den gesamten Flug wach. Erst ganz am Ende schlafen sie ein. Keine Stunde später müssen wir sie wecken, um das Flugzeug zu verlassen. Vor allem mein Jüngster findet das gar nicht lustig. Er ist ganz blass im Gesicht. Vielleicht sogar etwas grünstichig? Klar, für uns ist es weit nach Mitternacht.

Ich versuche, ihn ein Stück zu tragen. So ein Achtjähriger ist aber nicht mehr so leicht wie ein Kleinkind. In der Schlange der Passkontrolle muss ich ihn absetzen. Wir warten ewig. Murphy’s Law? Vor uns sind nur zwei Personen, aber der Grenzbeamte ist verschwunden und kommt und kommt nicht zurück. Ich schaue meinen Jüngsten an. Der sieht gar nicht gut aus. Kann man tatsächlich so grün im Gesicht werden? Ich nehme ihn wieder in den Arm, weil er sich kaum auf den Beinen halten kann.
„Ist dir schlecht? Brauchst du eine Tüte?“, kann ich noch fragen, da entleert er auch schon seinen Mageninhalt auf den Flughafenboden. Und auf seine Mutter. Also mich. Mein Mann reicht mir Feuchttücher.

Während jemand vom Flughafenpersonal fluchend den Boden aufwischt, können wir endlich unsere Pässe vorzeigen und mit unseren Koffern losziehen. Meine Schwägerin wartet schon auf uns in der Flughafenhalle.

Mexiko-Stadt ist groß. Der Flughafen liegt mitten in der Stadt. Eine gute Stunde müssen wir mit dem Auto noch fahren, bis wir unsere Kinder ins Bett bringen können. Ich habe die Stadt vermisst. Irgendwie. Obwohl der Smog trotz vieler Maßnahmen immer noch schlimm ist. Zumindest auf den Straßen.

In den nächsten Beiträgen werde ich hier etwas von unserer Reise erzählen. Soviel vorweg: Wir haben uns in unserem Urlaub sehr erholt. Und entspannt. Ich hoffe, dass der Mann, den wir kurz am Frankfurter Flughafen kennengelernt haben, sich in seinem Urlaub auch erholt hat. Aber irgendwie bezweifle ich das.

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