Mit dem Rad zur Arbeit: Flexibilität ist alles

Wenn man seine ursprünglichen Pläne über den Haufen werfen muss, dann sollte man gleich etwas Positives draus machen. Das gilt auch für den Weg zur Arbeit.

Es ist Freitag. Mein Plan für heute: etwas früher als sonst zur Arbeit zu fahren, um pünktlich ins Wochenende zu kommen. Wie die letzten Tage will ich eigentlich nur ein Stück der Strecke mit dem Fahrrad fahren und dann in die U-Bahn umsteigen. Erstens kann ich dann in der Bahn noch etwas an meinem Roman weiterschreiben. Da fehlt nicht mehr viel. Zweitens ist dort, wo ich mein Rad parken werde, heute Nachmittag Markt. Dann kann ich auf dem Rückweg gleich noch ein paar Leckereien für das Wochenende einkaufen. Und drittens bin ich gerade erkältet.

Ich schnappe mir meine Tasche, verabschiede mich von meiner Familie und schaffe es tatsächlich, zeitig loszukommen. Den Weg muss man einfach genießen. Erst ein bisschen durch die Felder, dann ein bisschen Wald und dann immer der Sonne entgegen wieder durch die Felder. An der U-Bahnhaltestelle schließe ich mein Rad an. Die ersten Marktstände werden schon aufgebaut. Die Bahn kommt in vier Minuten. Prima, dann kann ich mir gleich noch etwas für die Mittagspause holen. Vielleicht ein paar Oliven, einen Sesamring, etwas Frischkäse? Lecker wäre das. Nur ist leider weit und breit niemand zu sehen, der zu dem Stand gehört und mir etwas verkaufen könnte.

Seufzend gehe ich stattdessen zum Bäcker. Dort wartet bereits eine lange Schlange an Leuten. Dazu stellen und die nächste U-Bahn nehmen? Oder auf das Mittagessen verzichten? In krame in meiner Tasche und muss feststellen, dass mein Portemonnaie noch zu Hause liegt. In der Handtasche, die ich am Vortag zum Einkaufen dabei hatte. Das bedeutet, dass ich so oder so auf mein Mittagessen verzichten muss. Als ich zurück zur Haltestelle gehe, fällt mir ein, dass auch mein Jahresticket für die Bahn in meinem Portemonnaie steckt. Wieso war ich gestern nur so ordentlich und habe es zurück gesteckt, nachdem ich es dem Kontrolleur gezeigt habe? Hätte ich es nicht einfach wie sonst lose in die Tasche werfen können? Dann hätte ich es jetzt dabei. Und würde es wahrscheinlich das nächste Mal vergessen, wenn ich mal wieder die Tasche wechsle, was auch nicht besser wäre.

Ich überlege: Die drei Kilometer zurückfahren und das Portemonnaie holen? Oder einfach die restlichen acht bis neun Kilometer in den Stuttgarter Kessel direkt mit dem Rad fahren? Direkt fahren ist schneller. Zurück aufs Rad.

Wenn ich sonst die komplette Strecke durchfahre, nehme ich in der Regel zunächst einen Weg durch den Wald. Stuttgart hat viel Wald. Dann über den Killesberg. Stuttgart hat viel Berg. Daher geht es zwar mehrmals rauf und runter, aber die Strecke ist kürzer und schöner als die außen herum über den Pragsattel. Doch ich mag Abwechslung. Und wenn ich schon ungeplant die gesamte Strecke mit dem Rad fahre, kann ich auch mal wieder einen anderen Weg ausprobieren, denke ich mir. Man muss schließlich das Positive aus der Situation herausholen.

Also los. Durch Straßen, die ich noch nicht kenne oder von denen ich wieder vergessen habe, dass ich sie kannte. Hübsche Ecken und weniger hübsche Ecken. Am Pragsattel werden die Radfahrer umgeleitet. Eine Baustelle. Ich erinnere mich daran, was meine Kinder sagten, als wir vor zwei Jahren nach Stuttgart zogen: „Stuttgart ist eine riesige Baustelle mit Einwohnern.“ Da hatten sie Recht. Stuttgart hat viele Baustellen.

Außerdem muss ich wieder feststellen, dass es in Stuttgart tückisch sein kann, unbekannte Routen zu nehmen: Die „Stuttgarter Stäffele“ sind eine tolle Sache, aber sie sind definitiv nicht Fahrrad-tauglich. Stuttgart hat viele Stäffele. Mehr als 400 dieser Treppenanlagen soll es in der Stadt geben. Mir reicht heute diese eine. Zum Glück ist sie kurz.

Zum Schluss kämpfe ich mich doch noch einen kleinen Berg zu meinem Arbeitsplatz hoch. Vorbei an zwei Baustellen.

Gut, dass Sommer ist, die Sonne scheint und es im Gegensatz zu der letzten Zeit gar nicht regnet. Da macht Flexibilität richtig Spaß. Den Rückweg gehe ich auch flexibel an. Ohne Bahnticket muss ich sowieso radeln. Diesmal über die Stuttgarter Halbhöhen.

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