Kletterabenteuer in Spanien: Peñón de Ifach – Teil 2

Nachdem wir im Vorjahr nur mit Mühe auf den Gipfel gekommen sind, wollen wir die gewonnene Erfahrung der letzten Klettersaison nutzen. Es geht ein zweites Mal zum Peñón de Ifach nach Calpe. Schließlich haben da noch eine Rechnung offen: den „Diedro UBSA“.

„Ich hasse diesen Kamin! Ich komme hier nie hoch!“ Andrés und ich stehen am Einstieg der Pany. Mit Halbseilen, einem kleinen Rucksack und – nicht lachen – Funkgeräten.

Es ist der 28. Dezember 2005. Wir haben eine erfolgreiche Klettersaison hinter uns. In diesem Jahr sind wir sehr viel geklettert. Wir waren an den Wochenenden oft in der Eifel oder in Belgien, im Urlaub in Südfrankreich, in der Fränkischen Schweiz und auch in den Alpen. Und wir haben deutlich mehr Erfahrung gewonnen, auch mit schlecht gesicherten Routen und mit Mehrseillängentouren. Wir konnten in einigen Mehrseillängentouren sogar „Swing-By“ klettern, weil ich über meinen Schatten gesprungen und ebenfalls vorgestiegen bin.

Als Ziel für den Winter haben wir uns Calpe ausgesucht. Wir haben da noch eine Rechnung offen: den „Diedro UBSA“. Inzwischen haben wir auch zwei ausführliche Topos der Kletterregion: „Costa Blanca“ (Rockfax) und „Peñón de Ifach“ (Guía de Escalada por Roy de Valera). Die 2000 Kilometer sind wir diesmal mit unserem kleinen Polo gekommen. Die erste Nacht haben wir in der Nähe von Mulhouse an der Straße biwakiert, die zweite Nacht in Spanien irgendwo in den Bergen zwischen den Pyrenäen und Barcelona.

Nun steht unser Zelt auf einem Campingplatz in Calpe. Außer uns wohnen dort derzeit zwei oder drei ältere Dauercamper-Paare mit ihren Wohnwagen. Mit unserem kleinen Zelt und den ganzen Klettersachen sind wir wahre Exoten auf dem Platz.

Pany

In der Pany ist es kalt © Maja Christ
Von wegen Warmwerden: in der Pany ist es kalt

Zum „Warmwerden“ wollen wir ein zweites Mal die Pany besteigen. Die erste Seillänge bringe ich jetzt fluchend hinter mich. Wie im Jahr zuvor ist es hier auf der Nordseite ziemlich kalt und ziemlich windig. Gegen die Verständigungsprobleme helfen jedoch die Funkgeräte. Wir klettern zügig eine Etappe nach der anderen. Zwar steigt Andrés wieder alles vor. Aber mit dünnen Halbseilen, nur einem Nachsteiger und deutlich mehr Klettererfahrung kommen wir schnell voran. Außerdem erkennen wir den Weg einigermaßen wieder.

Ohne Zwischenfälle erreichen wir im Hellen am Nachmittag den Gipfel. Einige Touristen schauen etwas irritiert, als wir die Köpfe aus der Böschung stecken. Sie wollen sehen, wo wir da gerade hergekommen sind und wir müssen sie davon abhalten, zu nah an den Abhang zu gehen.

Diedro UBSA

Die Südseite des Peñón de Ifach, mittendrin der "Diedro UBSA" © Maja Christ
Die Südseite des Peñón de Ifach, mittendrin der „Diedro UBSA“

Nach einem Tag Kletterpause, den wir unter anderem mit einer Wanderung in der nahegelegenen Sierra verbringen, geht es endlich an den „Diedro UBSA“. Natürlich sind wir aufgeregt. Aber diesmal wird es klappen. Da sind wir sicher. Das erste Stück bis zum Einstieg hüpfen wir mehr oder weniger einfach hoch. Wieso haben wir uns da letztes Mal eigentlich so angestellt?
Dann stehen wir unter der Route, die uns letztes Jahr einfach nicht haben wollte. Mal sehen, wie sie uns dieses Jahr gesonnen ist.

Wir sind nicht allein. Mehrere andere Seilschaften wollen ebenfalls heute hier hoch. Wir warten, bis wir an der Reihe sind, dann steigt Andrés die erste Etappe bis zu der kleinen Höhle vor. Es geht viel besser als 12 Monate zuvor. Dann soll ich folgen. Ich schaue hinauf. Will ich da wirklich hoch? Ja. Natürlich. Aber werde ich es schaffen? Bestimmt. Also nichts wie los. Ich kämpfe mich die erste Etappe hoch und komme zu Andrés in die Höhle. Vor uns ist ebenfalls ein Pärchen unterwegs. Andrés übernimmt die Express-Schlingen und Klemmkeile, die ich eingesammelt habe. Dann ist die nächste Etappe frei und er macht sich weiter auf den Weg.

Kamin: endlich Schatten © Maja Christ
Endlich Schatten

Bald kommt ein großer Standplatz. Das ist auch gut so. Die Seilschaft vor uns braucht lange, bis sie endlich die nächste Etappe freimachen kann. Die Sonne knallt auf den Fels und es wird immer wärmer. Als wir noch warten, dass wir weiterklettern können, gesellt sich eine weitere Seilschaft mit drei Basken zu uns. Wir beschließen, sie vorzulassen, weil sie wahrscheinlich schneller sein werden als wir. Sie amüsieren sich köstlich über unsere Walkie Talkies.

Die Stunde, die wir zunächst zu fünft, dann zu viert hier in der prallen Sonne verbringen, wird lustig. Wir erzählen uns Anekdoten aus unserem Kletterleben. Ihr Vorsteiger ist schon lange durch den Kamin der nächsten Etappe geklettert und sie rufen nach ihm. Hat er Stand oder nicht? Das kommt uns irgendwie bekannt vor. Nun schauen sie doch nicht mehr ganz so belustigt auf unsere Funkgeräte.

Dann können auch wir endlich weiter. Wie froh ich bin, endlich in den Schatten des Kamins zu kommen. Es geht gut voran. Doch dann kommt eine fiese Etappe. Der direkte Weg ist eine 6a. Man kann auch außen herum klettern. Aber wenn ich außen herum klettere, ist das Seil zu weit links. Direkt ist der Fels zu glatt. Da komme ich nie hoch, denke ich. Ich beschließe, nicht so stolz wie mein Partner zu sein und eine Lösung zu wählen, die nicht frei ist. Andrés schüttelt mit dem Kopf, als er hört, wie ich mich da hochgearbeitet habe.

Diedro UBSA: Abseilquerung © Maja Christ
Diedro UBSA: Abseilquerung

Jetzt kommt der Teil der Route, auf den wir uns schon gefreut haben: die Abseilquerung. Wir stehen an einem riesigen Felsblock, um den verdammt viele Reepschnüre und Bandschlingen gewickelt sind. Viele sind schon spröde von der Witterung. Also legen wir noch eine eigene neue dazu und fädeln unsere Seile durch möglichst viele der besser aussehenden Schlingen. Jetzt müssen wir ein Stückchen abseilen, acht oder 10 Meter.

Unter uns sind fast 200 Meter Luft bis zum Meer und zum Hubschrauberlandeplatz. Es kostet mich zunächst etwas Überwindung, aber dann mache ich mich doch auf den Weg und quere nach links zu Andrés. Nach der Traverse kommt wieder ein senkrechtes Stück. Wir sind müde. Es wird langsam dunkel. Das Wasser wird knapp. Die anderen Seilschaften sind schon nicht mehr zu sehen.

Diedro UBSA: das letzte schwere Stück © Maja Christ
Diedro UBSA: das letzte schwere Stück

Es fehlt nicht mehr viel. Die Etappe, die nun folgt, ist eine Verschneidung. Oben führt sie in ein Dach. So viel kann ich im Dunkeln erkennen. Ich kriege etwas Panik. Ein Dach? Das behagt mir gar nicht. Aber umkehren können wir nicht. Wir müssen weiter. Sicherungsmöglichkeiten bietet der Riss der Verschneidung. Andrés steigt vor und legt Keile und Friends und sichert sich daran. Irgendwann kurz vor dem Dach stößt er tatsächlich noch einmal auf einen Haken in der Wand. Aber ob der besser hält als die selbst gelegten Sicherungen?

Ich soll nachkommen und kämpfe mich mit der Stirnlampe durch die Verschneidung. Eigentlich mag ich Verschneidungen und Risskletterei. Aber nicht im Dunkeln und mehr als 200 Meter in der Höhe. Am Dach angekommen, fluche ich. Aber dann ist es doch nicht so schlimm wie befürchtet. Man kommt gut raus und dann folgt leichtes Gelände. Wir sind nur noch eine Seillänge vom Gipfel entfernt. Eine Rennstrecke.
Wieder einmal kommen wir vollkommen erschöpft im Dunkeln am Gipfel an. Aber stolz sind wir.

Allerdings ist uns das Wasser ausgegangen. Wir haben Durst. Hier oben gibt es nichts. Wir müssen erst runter. Der Abstieg dauert jedoch auch noch eine gute dreiviertel Stunde. Und mit müden Beinen ist es nicht einfach. Aber inzwischen kennen wir ja auch diesen Weg.

Am Abend am Zelt reden wir noch lange über den Tag. Wir haben es tatsächlich geschafft. Da haben wir uns doch ein Bier verdient. Oder zwei.

Der restliche Urlaub

Peñón de Ifach: Valencianos © Andrés Chavarría
Peñón de Ifach: Valencianos

Einen anderen Klettertag fahren wir zur Sierra de Toix, einem nahegelegenen Klettergebiet, von dem aus man den Peñón sehen kann. Wir haben uns eine kleine, einfache Tour ausgesucht. Der Wind ist hier so stark, dass es die Seile in der Route zur Seite weht. Das ist unangenehm. Trotzdem ist es toll. Wir genießen eine Weile die Aussicht, bevor wir eine Stelle suchen, an der wir uns abseilen können.

Bevor wir uns auf den Heimweg machen, besuchen wir noch ein Klettergebiet in der Nähe. Und auch den Peñón besteigen wir ein weiteres Mal: über die Valencianos. Eine IV+ über die Platte, links vom Diedro UBSA. Auch sehr zu empfehlen. Und es ist schön, mal wieder im Hellen am Gipfel anzukommen.

Ein paar Monate später sind wir wieder hier. Mit einem anderen Freund. Mit ihm kann Andrés endlich im „Swing-By“ den Diedro UBSA klettern und im Hellen gemütlich am Gipfel und auch wieder unten ankommen. Während ich gemütlich (mit unserem ersten Kind im Bauch) am Strand warte und mit einem Fernglas beobachte, wie die beiden Männer tapfer mit den Möwen kämpfen.

Fazit: Wir waren schon einige Jahre nicht mehr in Calpe, aber wenn sich der Peñón nicht großartig verändert hat, ist er auf jeden Fall eine Reise wert. Die Routen sind allemal ein Abenteuer.

Sierra de Toix mit dem Peñón de Ifach im Hintergrund © Andrés Chavarría
Sierra de Toix mit dem Peñón de Ifach im Hintergrund
Advertisements

Ein Kommentar zu „Kletterabenteuer in Spanien: Peñón de Ifach – Teil 2

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s