Flug zum Dolmar

Immer noch Sonnenschein und kinderfrei. Das müssen wir ausnutzen. Was gibt es Schöneres als Fliegen? Ein perfektes Ziel ist der Dolmar.Es sind noch Pfingstferien. Da wir Erwachsenen arbeiten müssen, haben sich meine Eltern bereit erklärt, auf unsere Jungs aufzupassen.

Das Wetter ist weiterhin einfach nur fantastisch: Bombensichten und Sonne pur. Nach dem spontanen Ausflug Richtung Zugspitze vom vergangenen Sonntag entschließen wir uns kurzerhand am Dienstagabend, den nächsten Tag vor dem Feiertag freizunehmen und einen lang anvisierten Ausflug zum Dolmar zu unternehmen. Der Ultraleicht-Landeplatz Dolmar-Kühndorf liegt etwa eine Flugstunde von Mosbach entfernt und ist urgemütlich.

Dienstagabend erfragen wir bei der Easy-Bird-Flugschule, ob wir eine C42 über Nacht chartern können. Wir bekommen grünes Licht. Freudig packen wir Schlafsäcke, Isomatten, Wechselkleidung, etwas Proviant, Kaffee und einen Campingkocher zusammen und planen den Flug. Das Wetter soll sich halten. Erst ab Donnerstagabend sind Gewitter angesagt. Perfekt!

Haben wir nicht etwas vergessen?

Am Mittwochnachmittag geht es los Richtung Flugplatz Mosbach-Lohrbach. Kurz vor Erreichen des Flugplatzes fällt uns ein, dass wir das Wichtigste vergessen haben: Unsere Espressokanne. Zwar hat der Flugplatz ein schönes Restaurant, das „Fliegerstüble Quax“. Wir sind uns aber nicht sicher, ob es am Donnerstag schon früh genug öffnet, um unseren Kaffeedurst zu stillen. Also legen wir einen kurzen Zwischenstopp bei einem Supermarkt ein. Und so viel Glück muss man erst einmal haben: Der Markt, den wir anvisiert haben, hat gerade zufällig genau so eine Kanne im Angebot, wie wir sie benötigen. Wenn auch in einer etwas geringeren Qualität, aber für den Ausflug muss es reichen.

Ab in die Luft

Am Flugplatz angekommen, ziehen wir die D-MOYO aus der Halle, checken sie, überprüfen, ob wir Erdhaken dabei haben, verstauen unser Gepäck und tanken. Andrés übernimmt den Hinflug. Die Sichten sind immer noch unglaublich, wenn auch nicht mehr ganz so weit wie am Sonntag. Unser Weg führt uns zunächst vorbei an Walldürn, Würzburg und Schweinfurt, später passieren wir Bad Kissingen und Bad Neustadt an der Saale. In der Ferne erkennt man die Wasserkuppe.

Pirateninsel im Getreidefeld © Maja Christ
Von oben richtig schön: Getreidefeld-Kunst auf dem Weg

Nach einer Stunde erreichen wir ohne besondere Vorkommnisse Meiningen und melden uns bei Dolmar Info an. Der Ul-Landeplatz liegt unterhalb des Berges. Die Landung erfolgt meist bergauf in Richtung 04, der Start dann bergab in Richtung 22. Der Wind ist uns wohlgesonnen und Andrés setzt die MOYO sanft auf der Graspiste auf. Wir laden das Gepäck aus und beschließen, noch ein paar Platzrunden zu drehen, ehe wir die C42 für die Nacht festzurren.

Anflug Dolmar-Kühndorf © Maja Christ
Anflug Piste 04 am UL-Flugplatz Dolmar-Kühndorf

Am Platz ist einiges los: Trikes, Tragschrauber und einige Dreiachser. Es läuft gerade ein Fluglehrer-Lehrgang. Die MOYO mit ihrem Adler-Design ruft die Aufmerksamkeit auf sich. Einer der Piloten hat das Flugzeug als Teil der Flotte der Mosbacher Flugschule Easy-Bird wiedererkannt und kommt auf uns zu. Es stellt sich heraus, dass er aus Worms kommt, wo wir unsere Flugausbildung gemacht haben.

Erst einmal ein paar Platzrunden drehen

Wir machen uns fertig für ein paar Platzrunden. Ich fange an und starte mit klopfendem Herzen das erste Mal in meinem Leben am Dolmar. Der Wind hat etwas aufgefrischt und kommt den Hang hinunter von hinten. Es ist ungewohnt, hier zu starten, macht aber auch unglaublich viel Spaß. Eigentlich wollen wir nach ein bis zwei Kreisen gleich wieder landen. Aber es ist so viel Betrieb, dass es ein paar Kurven mehr werden, bis ich in den Endanflug gehen kann. Es ist spannend, auf dem ansteigenden Gelände zu landen. Nach dem Aufsetzen rolle ich von der Piste und gleich wieder zum Start 22 hoch, um eine zweite Runde zu drehen. Nach der zweiten Landung tauschen Andrés und ich die Plätze. Andrés fliegt eine letzte Runde, bevor wir die MOYO für die Nacht verzurren.

Wir haben Glück und das „Quax“ hat noch offen. So können wir uns noch etwas zu Essen und ein Bier gönnen. Dank des Fluglehrer-Lehrgangs wird es sogar am nächsten Morgen ab 9 Uhr Frühstücksbuffet geben, bei dem wir uns anschließen können.

Schlafen unter Tragfläche und Sternenzelt

Hier am Flugplatz gibt es zwar Gästezimmer, aber bei so schönem Wetter und Aussicht auf eine sternenklare Nacht wollen wir lieber unter der Tragfläche übernachten. Also rollen wir unsere Isomatten und Schlafsäcke unter der Tragfläche der MOYO aus.

Langsam wird es dunkel und der Wind frischt Dolmar-typisch weiter auf. Die Sterne funkeln über uns und schnell kuscheln wir uns in unsere Schlafsäcke. Andrés hat mich schon darauf vorbereitet, dass es wärmer wird, sobald nachts der Wind nachlässt. Und er behält Recht. Ich werde mitten in der Nacht wach, weil mir warm wird. Als ich das nächste Mal wach werde, scheint der Mond hell auf uns herab. Schön sieht er aus. Wie schön müsste es sein, wenn es nun Vollmond wäre.

Espresso marsch

Irgendwann löst die Sonne den Mond ab und mit den ersten Sonnenstrahlen fangen die Vögel an zu singen. Die ersten Piloten kommen an uns vorbei und grüßen. Lachend weist man uns darauf hin, dass es auch Gästezimmer gebe. Es scheint nicht so oft vorzukommen, dass hier jemand biwakiert. Als ich aus dem Schlafsack krabble, hat Andrés schon Kaffee aufgesetzt. Die neue Espressokanne blubbert gemütlich vor sich hin und ich freue mich auf die erste Tasse.

Schlafplatz unter der Tragfläche © Christ/Chavarría
Nach einer Nacht unterm Sternenzelt …
Kaffeekochen vorm Flugzeug © Andrés Chavarría
… wartet schon der Kaffee auf mich.

Zwei Stunden später, nach einer schnellen Dusche, machen wir uns auf den Weg zum Fliegerstüble und dem reichhaltigen Frühstücksbuffet. Sehr lecker!

Andrés macht den Vorschlag, nicht direkt den Heimflug anzutreten, sondern stattdessen einen kleinen Ausflug über die Region zu machen. Ich finde die Idee prima. Also räumen wir unser Gepäck an die Seite und machen uns auf den Weg zu einem Rundflug über Schmalkalden, Ilmenau und Suhl. Eine gute Stunde später sind wir zurück, verstauen Schlafsäcke, Isomatten und Kocher in der MOYO, tanken eine kleine Reserve und zahlen unsere Landegebühren bei Jürgen, dem Inhaber der Flugschule.

Leider müssen wir wieder zurück, aber wir kommen wieder

Für den Rückflug nehme ich eine Route, die uns zunächst etwas näher Richtung Wasserkuppe führt. Dann geht es zunächst bis Schweinfurt Richtung Süden. Von dort aus folgen wir der gleichen Linie wie beim Hinflug. Schon von Weitem ist wieder der Katzenbuckel zu erkennen. In Mosbach-Lohrbach kommt der Wind wie fast immer von der Seite. Ich bin müde von der kurzen Nacht und dem Flug und lasse mich beim ersten Anflug zu weit nach links abtreiben. Also starte ich durch und drehe eine Platzrunde, bevor ich lande.

Nachdem die MOYO frisch gewaschen in der Halle steht und wir noch ein Schwätzchen mit Günter gehalten haben, machen wir uns auf den Weg, unsere Kinder von den Großeltern abzuholen.

Fazit: Der Dolmar ist immer eine Reise wert!
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3 Kommentare zu „Flug zum Dolmar

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